Baugruppen: Ich will so wohnen, wie ich bin

4. Jänner 2010, 21:13
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    foto: universitätsstadt tübingen

    In Tübingen haben sich großstädtische "Häuselbauer" bereits selbst verwirklicht - wie hier im "Französischen Viertel".

Auf dem ehemaligen Flugfeld Aspern soll ein Teil der künftigen Bewohner völlig frei bestimmen können, wie die Häuser aussehen sollen

Wien - Es ist der alte Traum, in dem man vor vielen Jahren gemeinsam mit Freunden schwelgte: Ein Doppelhaus oder ein gemeinschaftliches Bauprojekt - und dann genau so wohnen, wie man sich das vorstellt. Frei nach dem alten Werbeslogan: Ich will so wohnen, wie ich bin.

Das bietet nun die Entwicklungsgesellschaft "Wien 34 20" für einen Teil der Baugründe in der "Seestadt Aspern" an: Auf dem ehemaligen Flugfeld können Wohnhäuser entstehen, die von "Baugruppen" nahezu vollkommen frei gestaltet werden können. "Vorerst sind rund 70 Wohneinheiten vorgesehen", berichtet Josef Lueger von "Wien 34 20" im Standard-Gespräch. "Ein erster Gehversuch, der je nach Resonanz auch erweiterbar ist."

Vorbild in Wien ist das Projekt Sargfabrik, das 1996 nach vielen Jahren der gemeinsamen Planung in der Goldschlagstraße in Wien-Penzing von seinen Bewohnern eröffnet worden war. Das selbstbestimmte und selbstverwaltete Bauprojekt wurde nicht nur mit Architekturpreisen ausgezeichnet, sondern war auch derart erfolgreich, dass es mit dem Folgeprojekt "Miss Sargfabrik" in der benachbarten Missindorfstraße fortgesetzt wurde. Dass ein selbstbestimmtes Bauen auch mit öffentlicher Unterstützung möglich ist, zeigen jüngste Baugruppen-Projekte, die in Deutschland geradezu boomen - etwa in Berlin, Hamburg oder Tübingen.

Urbaner Dorfplatz

In der Wiener Seestadt sollen die Baugruppen-Häuser dort entstehen, wo derzeit der Infopoint der Entwicklungsgesellschaft steht - dort, wo am Rande eines Parks eine Art urbaner Dorfplatz entstehen soll. Mit Gastronomie, Apotheke, Nahversorgung und Dienstleistungen.

Die Mitglieder der Baugruppen können dann selbst entscheiden, wie ihre Häuser aussehen sollen, wie die Grundrisse der Wohnungen gestaltet werden, wie groß die Gemeinschaftsräume werden sollen und was in sie hineinkommen soll - und ob das Dach vielleicht begrünt wird oder einen Pool bekommt. Sogar bis hin zur Raumhöhe in den Wohnungen reicht die Freiheit - in den Flächenwidmungs- und Bebauungsplänen wird dafür entsprechend "Luft" gelassen. Bei Bedarf können die Bewohner etwa in den Erdgeschoßzonen ihrer Häuser auch gleich Raum für ihren Arbeitsplatz beziehungsweise für Büros schaffen.

Niedrigenergie- oder Passivhausstandard

Im Vorfeld müssen die Baugruppen nachweisen können, dass sie rechtlich und finanziell in der Lage sind, ein derartiges Projekt abzuwickeln. Eine weitere Vorgabe ist der Niedrigenergie- oder Passivhausstandard für die Gebäude. Und da die Häuser nahe einer U2-Station stehen werden, strebt die Entwicklungsgesellschaft auch einen geringeren Parkplatz-Schlüssel an - nicht pro Wohnung ein Stellplatz, sondern im Verhältnis eins zu 0,7. Grundsätzlich soll im Grätzel der sanften Mobilität Vorrang eingeräumt werden. "Jetzt ist dort nur Wiese - aber es wird ein städtisches Projekt", erläutert Lueger. "Was wir jetzt suchen, sind urbane Menschen mit Pioniergeist, die auch Dichte vertragen."

Die Entwicklungsgesellschaft wird für dieses Vorhaben keine Planungsleistungen oder Verträge bereitstellen - "das ist Teil der Gruppenfindung", betont Lueger. Bei Bedarf wird "Wien 34 20" aber beraten und Kontakte anbieten. "Das Baugruppenprojekt ist derzeit ein kleiner Rahmen, aber mit großem Gestaltungsspielraum", so Lueger. "Kein verordneter Weg, sondern ein Möglichkeitsraum." Ein Motiv der Entwicklungsgesellschaft, die vom Wiener Wirtschaftsförderungsfonds und der BIG gegründet wurde: "Es schafft Bindung und Identifikation, wenn man auf den künftigen Lebensraum selbst zugreifen kann." (Roman David-Freihsl/DER STANDARD-Printausgabe, 5.1.2010)

Das erste Informationstreffen für Baugruppen-Interessierte findet am 22. Jänner um 18 Uhr in der "Apotheke zum Löwen von Aspern" statt: Groß Enzersdorfer Straße 4.

Link:
www.aspern-baugruppen.at

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Posting 1 bis 25 von 38
1 2
Der Ferdl
00
23.1.2012, 10:41
Schad der Link is dod.

führt zu:

https://login.live.com/login.srf... BCXT%3Dout

Chanandelar Bong
13
Wien 22. Donaustadt.

Ein Bezirk, der in 10 Jahren die 15fachen (!) Pro-Kopf-Autobahnkilometer von Los Angeles hat.
Da gibt es als derzeitiger Bewohner nur eines: nichts wie weg - und zwar rasch !

nbergmann
00
18.3.2012, 09:53
es wird ja kritisiert, dass es zu wenig berücksichtigung des autoverkehrs gibt

in der seestadt aspern, soll das auto anderen mobilitätsformen untergeordnet werden und nicht umgekehrt

xruxl
01
10.1.2010, 13:44
Garagenschlüssel

Und 1 zu 0,7 soll niedrig sein??? Ich meine ich lasse mir das aus-dem-Boden-sprießen von diversen Garagen (von meiner Wohnung gleich 3 innerhalb 3 Minuten zu erreichen) ja einreden, wenn dafür Parkplätze von der Straße verschwinden und dafür selbstständige Gleiskörper für die Öffis oder Radwege oder Grünanlagen errichtet werden. Aber bei solchen Projekten schreien die Autofahrer dann ja gleich wieder ... Also wenn die Straßen deswegen auch nicht weniger zugeparkt sind, wozu braucht man immer mehr Garagen? Sollen die Herrschaften halt schauen, wo sie ihre (in der Stadt für die meisten absolut entbehrbaren) Autos abstellen ...

Olle Deppat
02

Sie lasen eine Werbeeinschaltung der MA Stadtentwicklung. Es ist immer wieder ganz genau so, wie Seiß es beschreibt.

SeMi70
18
hier wird ein unnoetiges Projekt

permanent beworben. Wieso eigentlich?
Solange es keinen Anschluss an die S2 gibt wird dieses Projekt nur in noch groeseren Ausmassen den Individualverkehr gaenzlich zum erliegen bringen, und nicht nur bei der "Seestadt".

Zum Artikel: "Wohnen wie ich will". Ja das will jeder, aber leider spielts das nicht, es sei denn man kann hektarweise die umliegenden Grundstuecke auch aufkaufen, sonst hat man in Wien immer die Gefahr, dass in einer "gruenen" Idylle ploetzlich rote Bautraeger alles zubetonieren. Ich habe zig Beispiele, wo man Hausbesitzer einen Monsterbau vors Fenster gestellt hat. Einsprueche werden prinzipiell abgelehnt, schliesslich steht das "Wohl" des roten Bautraegers ueber dem der Hausbesitzer.

Jan Hilmar
10
29.5.2010, 20:24
unnoetig?

Als unnötig würde ich die Seestadt Aspern nicht bezeichnen. Erstens ist sie ab 2013 mittels U2 gut angebunden, zweitens bietet sich hier eine einmalige Chance für Baugruppen selbstbestimmt zu bauen - was leider in Wien sonst noch immer viel zu schwierig ist. Wer keinen Bauträger findet, mit dem er kooperieren kann, der steht ziemlich blöd da.

Hier gehts nicht um Einzelne, die ihr Einfamilienhaus so bauen wie sie wollen, hier geht es um Baugruppen - basisdemokratisches, selbstbestimmtes wohnen.

Man kann für diesen Aspekt von Aspern nicht genug die Werbetrommel rühren, und ich hoffe nur, dass sich die eine oder andere Baugruppe findet, die diese Chance wahrnimmt.

nbergmann
00
18.3.2012, 09:57
die baugruppen gibt es schon...

...aber auch die bauträger, die noch lernen müssen, baugruppen nicht einfach nur in ihre marketing-strategie einzubauen und ansonsten gehts weiter wie bisher ...ein anfang ist gemacht auf dem langen weg zum bürgernahen bauen.

Johannes Kopp
 
00
28.12.2010, 15:59
sie ist unnötig

Auch wenn der Slogan reizt, aber nachdem ich am Stadttrand wohne und zusehen darf/muss wie rundherum wertvolles Grün verschwindet, ist eine "Seestadt" für mein Verständnis unnötig. Un ist das Gebiet dort nicht ein Teil des ach so gelobten Grüngürtels um Wien herum?

user 13
08
Buchtipp: Reinhard Seiß - Wer baut Wien?

Kann man nicht oft genug empfehlen. Eigentlich wäre es Zeit für einen zeiten Teil dieses Krimis.

R1210
14
ploetzlich rote Bautraeger alles zubetonieren

.. 100 Punkte für dieses Posting - ARWAG ist ein Geheimtipp zum Thema .. aktuelles Beispiel - Trillerpark und die neue Umwidming von Grundstücken !

baumfreund
00
ist die SÜBA auch rot (oder nur gut "vernetzt")?

was die sich leisten (1160 Wilhelminenstraße 203, 1160 Pschorngasse 62, 1170 Andergasse 46, 1170 Rosenackerstraße 58-60) spottet jeder beschreibung!! unlängst gab es auch bürgeranwaltsendung resetarits zu einem projekt in sievering. niemand stoppt diesen wahnsinn!

Mirstetta Toni
00

ich bin ganz bei ihnen!

immer schön freundlich
04

ist das PR content?

in zeitungen bin ichs gewohnt, dass man die PR kaum von redaktionellen Inhalten unterscheiden kann.

gibt es vielleicht eine kooperation zw. standard und dem entwickler der seestadt?

fragen über fragen ....
fragwürdige artikel ...

schabeso
00
fraglos!!!!!!

Bodypainter
15
warum kaufen sich die leute keinen baugrund wenn sie ein individuelles haus wollen?

gerade das flugfeld aspern ist ja nach einem masterplan entstanden. nun den masterplan an diesen stellen über bord zu werfen und möglichen bewohnern quasi den baugrund einfach hinzugeben, erscheint mir schon irgendwie nicht so ganz im sinne des konzeptes eines masterplans...

karakal
00
Hm...

Weil Gemeinschaftsanlagen wie Swimmingpools oder Dachgärten von "normal" bis "gut" verdienenden Personen nicht alleine finanziert werden können....

Zinnmo
 
10

Warum sie keinen Baugrund kaufen? Weil sie kein Einfamilienhaus wollen.

Völlig frei ist die Planung hier natürlich nicht. Die Anzahl der Wohnungen ist fix, genauso wie Bauhöhen, Baufluchtlinien, etc.. Das ist in Wien relativ klar festgelegt, und das ist auch im Masterplan. Nicht mehr, nicht weniger.
Was bleibt, sind - zugegeben grosse - Details, namentlich die architektonische Gestaltung der einzelnen Gebäude. Die sind NICHT im Masterplan.

baumfreund
00
aber eigentlich wollen sie doch so etwas wie ein einfamilienhaus!

und alles andere ist nur ein architektenschmäh!

amber103
03
Banlieue 2.0

Mit Zwang hatten die Stadtplaner noch nie erfolg. Nun will man also am A der Welt, fern ab vom Zentrum eine neue Satellitenstadt errichten. Klugerweise entstehen die Meisten Arbeitsplätze im Süden Wiens, da ist es nur logisch dass man im Norden die meisten neuen Wohnanlagen baut, die Südosttangente verträgt ja noch einiges.

Der Zwang zu 0,7 PKW/ Wohnung führt vermutlich dazu, dass dort vor allem sozial Schwache angesiedelt werden. Damit schafft man Banlieues nach Pariser Vorbild.



Deanna Troy
00
13.10.2010, 17:25
Strassendiebstahl noch dazu

Südosttangente muss ja "Autobahn" sein, damit innerstädtische Pendler auch schön abgezockt derden können!

Alexander Reichmann
10
7.12.2010, 08:11
..Innerstädtische Pendler!!!!!

.....Was ist denn das???

da dude
00
23.4.2011, 12:17

wien22 wohnen, wien23 arbeiten. 35-50 mins mit dem auto, je nach verkehr.

ichFrieder
02

Also sozial schwach darüber zu definieren, ob jeder Haushalt mindestens ein Auto hat ist schon ein bisserl von gestern.

Pannonia Jack
11
Nun will man also am A der Welt, fern ab vom Zentrum eine neue Satellitenstadt errichten

Im Zentrum wird es halt keinen Platz mehr geben für solche Projekte!

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