Terrorabwehr im Licht der Demografie

4. Jänner 2010, 16:53

Nach den jüngsten Al-Kaida-Anschlägen wollen westliche Regierungen nun ihre Anti-Terror-Budgets um hunderte Millionen Euro aufstocken - Dabei hilft gegen das demografische Defizit des Westens kein Geld der Welt – von Gunnar Heinsohn

Islamisten aus den Unruhestaaten Afghanistan, Jemen, Pakistan, Somalia haben in den vergangen Tagen die westliche Welt in Atem gehalten: Die New York Times sieht den "Jemen im Chaos". Dort erhielt Abdulmutallab aus Nigeria die Ausbildung für seinen Mordversuch an 289 Menschen, auf dem Weihnachtsflug von Amsterdam nach Detroit. Die Londoner Times beklagt zeitgleich den "failed state" in Somalia, wo Aufständische hunderte Kämpfer in den Jemen schicken wollen, um ihren dortigen Al-Kaida-Genossen gegen Amerika und die einheimische Regierung zu helfen. Die Pariser Le Monde erkennt am selben Tag ein "islamistisches Nest" in Pakistans Nordwesten, wo am 2.Jänner 2010 bei einem Attentat auf ein Volleyballspiel fast 100 Menschen zerrissen werden.

Großbritanniens Premierminister Gordon Brown beruft daraufhin - parallel zum Afghanistan-Gipfel - eine Jemen-Konferenz zum 28. Jänner 2010 nach London ein. Dort sollen laut Times hunderte Millionen Euro für die Lösung der "tieferliegenden Probleme" in all diesen Ländern bereitgestellt werden. Worin die bestehen, wird allerdings nicht präzisiert.

Obwohl man gerne einmal die etwas anderes vortragen würde, ist zu diesen ungenannten Problemen etwas sehr Simples in Erinnerung zu rufen: Das ganze Unruhequartett Afghanistan-Jemen-Pakistan-Somalia eliminiert auf die eine oder andere Weise überzählige junge Männer, kämpft also mit "youth bulges" , bei denen mindestens 30 Prozent der männlichen Bevölkerung 15 bis 29 Jahre alt ist.

Jemen mit 24 Millionen Einwohnern liegt im Islam bei der demografischen Aufrüstung noch vor dem Gazastreifen. 2008 folgen auf 1000 Männer zwischen 40 und 44 Jahren 5950 Knaben zwischen 0 und 4. Nach Uganda mit seiner endlosen Kette von Völkermorden und Bürgerkriegen ist das Weltrekord. In Afghanistan mit 32 Millionen Einwohnern lautet das Verhältnis 1000:4010, in Somalia mit 10 Millionen Menschen steht es bei 1000:4080 und in Pakistan mit 176 Millionen bei 1000:3000.

Beim begehrten Friedensinterventionisten USA dagegen folgen auf 1000 Männer von 40 bis 44 Jahren gerade mal 977 Knaben zwischen 0 und 4. Beim Juniorpartner England sind es anämische 677, in Deutschland registriert man die suizidale Relation 1000:477.

Eklatantes Gefälle

Das Unruhequartett Afghanistan-Jemen-Pakistan-Somalia hatte 1970 ca. 16 Millionen Jugendliche unter 15 Jahren, die sich auf Kämpfe der Zukunft vorbereiten. 1990 steckten - ungeachtet permanenter Aderlässe durch Kriege, Terror und Gemetzel zwischen unterschiedlich Frommen - bereits 34 Millionen Kids in dieser prekären Lage. 2010 schließlich hoffen bei einer Gesamtbevölkerung von 242 Millionen Einwohnern 48 Millionen Knaben unter 15 auf einen Aufstieg in den kommenden eineinhalb Jahrzehnten.

Wenn in den anstehenden Schlachten zwei Drittel oder 32 Millionen dieser Jungen fallen sollten, gäbe es für jeden Hof und jede Werkstatt immer noch einen männlichen Erben. Die vier können also dreimal so viele junge Männer verlieren wie Europa im Ersten Weltkrieg.

Betrachten wir auf der Gegenseite das Nationenquartett USA, England, Deutschland und Kanada, die schon heute in Afghanistan die Hauptlast der Kämpfe tragen. Zusammen haben sie 2010 mit 484 Millionen doppelt so viele Einwohner wie unser islamisches Quartett, aber mit 45 Millionen Söhnen unter 15 drei Millionen weniger als die Kriegsherde.

Von diesen 45 Millionen sind die 32 Millionen amerikanischen statistisch die einzigen Söhne ihrer Mamas. Die verbleibenden 13 Millionen sind zu einem guten Teil sogar die einzigen Kinder ihrer Mütter. "Verlierbare" Söhne hat bei den vieren niemand. Mit jedem Gefallenen verlöscht eine Familie. Deshalb steht es bei den entbehrlichen Söhnen 32 Millionen zu null für die anderen. Diese Information muss die westlichen Nationen nicht entmutigen. Sie sollte aber bei ihrer unaufhörlichen Suche nach "tieferliegenden" Problemen nicht immer wieder unter den Tisch fallen. (DER STANDARD, Printausgabe, 5.1.2010)

Der Autor (Jg. 1943), Soziologe, Ökonom und Zivilisationstheoretiker, lehrt an der Uni Bremen.

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    Posting 1 bis 25 von 145
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    Alexander Patjomkin
    00
    25.1.2010, 23:37
    Es wird sich langfristig herarusstellen,

    das die katolische Kirche als Schwangeschaftsabbruch- und Verhütungsgegner Recht behalten wird.
    Wenn der Westen ausstirbt, hilft nicht einmal die beste Zukunftskonzept der Grünen mehr.
    Eines sollte man schon bedenken: die Kirche denkt nicht in Jahren, oder Wahlperioden, sondern in Jahrtausenden. Sie ist nicht so blöd, wie es von machen "Modernlingen" dargestellt wird.

    Fritz Wunderlich
    00

    interessant ist, dass die fertilität in den islamischen erdölrentnerstaaten zugenommen hat, dass widerspricht den enfachen annahmen von arm und kinderreichtum als versorgung
    wie immer wird die jeweilige herrschende sexualideologie vergessen, wie schon bei darwin sein zweites hauptwerk über die sexuelle selektion überhaupt nicht vorkommt, in den diskussionen

    grenzen meiner sprache , grenzen meiner
    01
    bitte genauer hinschauen

    dem herrn henson entgeht eine tatsache: würde er sich die biografien der bisher aktiven "islam-terroristen" genauer ansehen, so könnte er folgende übereinstimmungen festgestellen:
    1. die soziale herkunft der kanditaten für eine terroristenkarriere ist die obere mittelschicht oder die oberschicht
    2. sie sind akademiker oder angehend akademiker
    3. ihre biografien stimmen mit unseren terroristen (raf etc.) weitgehend überein.
    also was soll diese vülgäre, angstbesetzte interpretation demografischer kurven.

    der erleuchtete
    51
    fürchtet euch nicht vor dem islam!

    sondrn lasst's euch beizeiten beschneiden, konvertiert's und pilgert's nach mekka... dann könnt ihr auch 4 frauen heiraten und entsprechend männliche nachkommenschaft erzeugen.
    zu grossvater's zeiten wurde von der 'gelben gefahr' gefaselt... heute muss die 'islamische bevölkerungsbombe' herhalten.

    Ava Tar
    10

    und da sie sich hier eben NICHT wie die Karnickel vermehren - auch wenn das viele Verhetzte bei heute glauben
    =>
    machen ihnen viele quasi einen Vorwurf daraus (Konflikt sei unvermeidbar, weil) sie ich in ihrem EIGENEN Land vermehren

    Das muß man sich mal vorstellen. Ärger geht's nimmer.

    Wildhüter John
    17

    Kleiner Tipp: Sie sollten Heinsohn's "Söhne und Weltmacht" lesen, anstatt hier polemisches Wirrzeug daherzufaseln.
    Zum Üben können Sie ja schon mal damit anfangen:

    http://www.achgut.com/dadgdx/in... int/008012

    .

    Und was Großvater's Zeiten betrifft: Da wurde auch von der nationalsozialistischen Gefahr "gefaselt". Nicht zu unrecht, wie sich herausgestellt hat.

    Brezenmann
    01

    Eine Passable Rezension von "Söhne ud Weltmacht" findet sich in Der Zeit: http://www.zeit.de/2004/10/S... Z?page=all
    Heinsohns Thesen werden hier m. E. zu Recht relativiert.

    Ava Tar
    00

    Warum sollte ich eine rechte Hetzerseite lesen ?

    Was haben die Autoren dort je zu einem konstruktiven Miteinander beigetragen ?

    Wenn ich Inhalte suche, die die Menschen spalten, dann kann ich gleich dem Strache zuhören

    Lazarsfeld
    03

    Diese Textprobe zeigt gut die ökonomistische Ausrichtung von Heinson. Menschen sind bei ihm "Material" für Wirtschaft und Politik. Dieses Denken ist aber selbst eine Ursache der "demograohischen Katastrophe". Wenn wir uns davon befreien, werden wir vielleicht auch wieder mehr Kinder haben.
    Mich beeindruckt bei Heinson weniger seine Zahlenspielerei als dieser radikal ökonomistische Umgang mit Bevölkerungsstatistik.

    rggre rewqfew
    24

    man muss ja nicht gleich in panik ausbrechen. tatsache ist aber schon, dass das relative gewicht der westlichen welt in den nächsten jahrzehnten massiv sinken wird, während der einfluss der islamischen länder radikal steigen wird. china und die islamischen länder werden einfluss gewinnen - damit wird die bedeutung von demokratie, menschenrechten, gleichberechtigung zurück gehen. in der vergangenheit konnten wir viele unsere kulturellen werte exportieren, in der zukunft werden wir froh sein müssen, unsere werte zumindest bei uns am leben zu halten. das ist eine klare folge der aktuellen trends. von den aufsteigenden mächten haben bestenfalls indien und brasilien uns ähnliche werte.

    1116er
    31
    "Afghanistan-Jemen-Pakistan-Somalia eliminiert auf die eine oder andere Weise überzählige junge Männer.."

    ???
    diese länder wollen ihren geburtenüberschuss regulieren indem sie verlustreiche schlachten planen?
    einen größeren blödsinn habe ich ja schon lange nicht mehr gelesen!

    Wildhüter John
    02

    Wer hat den was von "planen" geschrieben?

    rggre rewqfew
    05

    es gibt viele untersuchungen die die historische korrelation von einem "überschuss" an jungen männern mit einer aggressiven aussenpolitik zeigen.

    comicalobama
    00

    ach ja der deutsche überschuss 1939 nach den millionen toten des 1. wk zb ?

    rggre rewqfew
    01

    genau. die beiden weltkriege standen am ende eines rasanten bevölkerungswachstum im europa des 19. jahrhunderts. gerade in dl stieg die bevölkerung im vorlauf der beide weltkriege stark an. das hat mit sicherherheit zu selbstbewusstsein und aggressivität deutschlands in dieser zeit beigetragen.

    bevölkerung dl 1800: 23 mio; 1910: 64 mio

    einemeinung
    03
    was denn?

    es hat etwas für sich, diese demografische sicht, aber nur auf den ersten blick.
    die attentäter waren fast immer junge männer aus reichem haus, die sich nicht um ihre materielle zukunft sorgen mussten. und überhaupt: je mehr menschen umso mehr bedarf an handel/güter etc.. (das ist ja das globalisierungsrgument, nicht?) gesellschaften expandieren und gleichen sich dann auf einem gewissen niveau an... die geschichte bleibt nicht stehen. hof- und werkstattstreit... klingt/ist etwas romantisch & veraltet.
    verwunderlich auch die ängste: welche massen auf uns zukommen... kampf mann um mann. oh mann!
    wenn sich diese sozialen engen auswüten, dann zuerst dort, wo sie entstehen. leider. das lehrt uns die lange und die rezente geschichte.....

    anders and
     
    20
    Der Autor sollte sich entscheiden: geht es um Terror oder um Schlachten?

    Für Terror braucht es gut ausgebildete, einigermaßen verwestlichte Männer. Eine gute Ausbildung und Verwestlichung gefährden aber die Basis der Fundamentalisten.

    Wildhüter John
    01

    Der größte Terror findet in den Ländern isl+mistischer Provenienz statt (Afghanistan, Somalia, Irak, Iran, Jemen, Sudan, etc.). Glauben Sie wirklich das die Attentäter von zB. Mumbai einigermaßen verwestlicht waren und über gute Ausbildung verfügten?

    anders and
     
    00

    solange diese Attentäter nicht in den Westen gelangen, stellen sie für uns kein großes Problem dar.

    Wildhüter John
    00

    ...was an sich ja begrüßenswert ist, wenn es so bleibt. Trotzdem - Verwestlichung und gute Ausbildung haben mit der Karriere als Suicide-Bomber nix zu tun.

    Ava Tar
    612
    türkische Familien in BRD - 2.Generation: 1,8 Kinder

    Nachdem die Umvolkungswarner inzwischen widerlegt sind, weil sich Menschen aller Provenienz letztlich sogar an die Geburtenrate ihrer neuen Umgebung anpassen, werden die altbekannten Kriegsdemografiewarner wieder ausgegraben (der Artikel erscheint doch schon seit Jahren in bisweilen veränderter Form in diversen geduldigen deutschen Medien)

    Die Antwort auf die Probleme der Gegenwart und der Zukunft kann nur sein, einander bei der Hand zu nehmen und gemeinsam für einen Zivilisationsstand zu arbeiten, bei dem ein Haufen Kinder zur Alterssicherung unnötig wird - dank Krankenvers., Pensionsvers., Stabilität, usw.

    Wieso einem solchen Schas über "verlierbare Söhne" ein Podium gegeben wird, ist unbegreiflich

    Aber mein Posting 24h zensieren.

    Martin Hiltmann
    00
    Stimmt.

    Hier.
    Und jetzt versuchen Sie einmal, das aus der Sicht der dort lebenden Menschen zu betrachten, und berücksichtigen Sie, daß auch in Mitteleuropa vor ein paar Jahren Millionen Menschen den Krieg Um Ressourcen und gegen "andere" zumindest mitgetragen haben.
    Ich glaube nicht, daß in Afghanistan-Jemen-Pakistan-Somalia in absehbarer Zeit unsere verwöhnte und friedensuchende Sicht sich durchsetzen kann.
    Immerhin führt "der Westen" auch heute recht ordentlich Kriege, um Wohlstand und Ressourcen zu "sichern".

    wahre Lüge
     
    10
    recht ordentliche Kriege

    super
    das darf doch nicht wahr sein

    anonym92
    10

    Lieber Poster,

    ihr Posting hat niemand zensiert - sie sollten sich nicht ganz so wichtig nehmen. MfG

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    Posting 1 bis 25 von 145
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