Polisario kritisiert Initiative als eine Falle
Rabat/Madrid - Marokkos König Mohammed VI. will den
einzelnen Regionen des nordafrikanischen Landes mehr Rechte
einräumen. Auch die 1975 annektierte Westsahara solle eine größere
Autonomie erhalten, kündigte der Monarch nach Medienberichten vom
Montag an. Er beauftragte eine Expertengruppe, binnen eines halben
Jahres ein Modell zur Dezentralisierung zu erarbeiten. Ziel sei "die
Erneuerung und Modernisierung" des Staates.
Die Westsahara-Befreiungsfront Polisario kritisierte die
Initiative als eine Falle. Der Monarch versuche damit, die
Verhandlungen über die Zukunft des Wüstengebiets zu blockieren. Diese
finden unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen statt.
Der UNO-Sicherheitsrat hatte in der Resolution 1429 das
Selbstbestimmungsrecht der Westsahara-Bevölkerung anerkannt. Während
die in Algerien etablierte Exilregierung der Demokratischen
Arabischen Republik Sahara (DARS) dem vom ehemaligen US-Außenminister
James Baker ausgearbeiteten Referendums-Plan zugestimmt hatte, wurde
dieser von Marokko abgelehnt. Der Baker-Plan sah vor, die Bevölkerung
bis 2008 in einem Referendum darüber entscheiden zu lassen, ob sie
die volle Unabhängigkeit will oder zu Marokko gehören möchte. Während
die DARS einem Referendum mit drei Optionen (Unabhängigkeit,
Anschluss an Marokko oder Autonomie) zustimmt, kommt für Marokko nur
eine Autonomielösung infrage. Die DARS-Regierung hat ihren Sitz in
der algerischen Wüste bei Tindouf, wo Zehntausende Menschen in
Flüchtlingslagern leben. Im vergangenen August hatten in Österreich
unter UNO-Schirmherrschaft informelle Westsahara-Gespräche
stattgefunden.
Die Westsahara wurde nach dem Abzug der spanischen Kolonialmacht
1975 zunächst zwischen Marokko und Mauretanien aufgeteilt. Marokko
besetzte schließlich das gesamte Territorium, nachdem Mauretanien
1979 mit der von der Befreiungsfront Polisario ausgerufenen DARS
einen Friedensvertrag geschlossen und sich aus dem südlichen Teil
zurückgezogen hatte. Die von Algerien unterstützte Polisario nahm den
bewaffneten Kampf auf, der 1991 mit einem von den Vereinten Nationen
vermittelten Waffenstillstand beendet wurde. (APA)