Der Fisch, der Darwin verblüfft hätte

04. Jänner 2010 16:41
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    Foto: Foto: michael bell

    Einer der vielen hundert Urstichlinge, die Michael Bell aus den Schlammablagerungen des Lake Truckee geborgen hat. Der Fossilienvergleich führte zu überraschenden Entdeckungen.

Rasante Artbildung: Die Evolution hat sich in bestimmten Fällen womöglich ziemlich schnell vollzogen, behauptet ein US-Forscher

Es schien einfach und logisch: Evolution, so glaubte Vorjahrsjubilar Charles Darwin, ist ein stetiger, langsamer Prozess. Angetrieben von den Kräften der natürlichen Selektion verändern sich Arten so lange, bis neue Spezies entstehen. Anatomische Besonderheiten wie Vogelfedern oder Walfluken bildeten sich demnach im Verlauf zahlloser Tiergenerationen. Radikale, plötzliche Änderungen - Fehlanzeige.

So weit die einfache Theorie - die Realität sieht komplizierter aus. Eine neue, in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Journal of Fish Biology" (Bd. 75, S. 1977) publizierte Studie des Paläontologen Michael Bell zeigt, dass evolutionäre Prozesse sehr wohl sprunghaft stattfinden können.

Anhand von außergewöhnlich gut erhaltenen Fossilien hat der Forscher von der Stony Brook University im US-Bundesstaat New York praktisch jede Veränderung im Körperbau des prähistorischen Stichlings Gasterosteus doryssus über einen Zeitraum von mehr als 100.000 Jahren exakt aufgezeichnet. Die Ergebnisse hätten Darwin zu denken gegeben.

G. doryssus war mit den heutigen, auch in Österreich vorkommenden Dreistacheligen Stichlingen (G. aculeatus) nah verwandt. Die Kleinfische lebten vor etwa zehn Millionen Jahren im Lake Truckee, einem ausgedehnten urzeitlichen See im Südwesten der heutigen USA.

Der See der Versteinerungen

Das längst verschwundene Gewässer beschäftigt die Wissenschaft schon seit Jahrzehnten. Die von ihm hinterlassenen und nunmehr versteinerten Schlammablagerungen sind besonders fein laminiert. Jedes Jahr hat eine eigene Sedimentdoppelschicht hinterlassen. Darin eingebettet liegen zahlreiche, nur wenige Zentimeter lange G.-doryssus-Skelette. Dank der Schichtung lässt sich deren Alter sehr präzis datieren.

Ähnlich wie die modernen Stichlinge zeigte sich die Art überaus anpassungsfähig. Michael Bell und Kollegen fanden eine Hauptform (die Abstammungslinie I) sowie einen zweiten, meist viel selteneren Typus, die Linie II. Letztere bewohnte den Uferbereich und ernährte sich dort wohl von bodenlebenden Wirbellosen, während die erste Form als Planktonfresser im offenen See gelebt haben dürfte.

Linie I verfügte über eine auffällige Besonderheit im Knochenbau: Der sogenannte Beckengürtel und sein Dornfortsatz am Bauch waren weitgehend reduziert oder fehlten komplett. Zudem hatten diese Tiere oft weniger als drei Rückenstacheln. Diese verringerte Rüstung war für die Beweglichkeit im Freiwasser sicherlich von Vorteil. Die ufernah lebenden Vertreter der Linie II dagegen konnten sich vermutlich zwischen Wasserpflanzen verstecken. Schnelligkeit spielte offenbar keine so große Rolle wie der Besitz von wehrhaften Stacheln.

Während der ersten 98.000 dokumentierten Jahre im Bestehen von Lake Truckee dominierte wie erwähnt die Linie I. Doch dann muss etwas Dramatisches geschehen sein. "Zuerst änderten sich die Abnutzungsspuren auf den Zähnen dieser Fische, was auf eine Umstellung von Plankton auf bodenlebende Beutetiere als Nahrung hinweist" , erklärt Michael Bell gegenüber dem STANDARD. Kurz darauf verschwand Linie I fast vollständig, ab da herrschte die zweite Form vor.

Rasante Auswirkungen

Auf die Anatomie der Linie II wirkten sich die Umwälzungen verblüffend schnell aus. Nach rund 2500 Jahren verschwand der Beckengürtel bei immer mehr Tieren. Wahrscheinlich besiedelten sie nun zunehmend die von der Linie I hinterlassene ökologische Nische. Der Wandel im Knochenbau fand indes nicht schrittweise statt.

Manche Stichlinge trugen noch immer einen kompletten Gürtel, während er bei anderen Exemplaren bereits fehlte. Die Ursache für dieses Entweder-oder-Prinzip dürfte ein Gen namens Pitx1 gewesen sein, welches auch bei heutigen Stichlingen noch vorhanden ist - und bei Mäusen. In mutierter Form verursacht es mangelhaften Knochenwuchs im Beckenbereich.

Evolution, meint Michael Bell, scheint manchmal doch in großen Schritten erfolgen zu können. Wenn Gene von zentraler Bedeutung mutieren, mögen daraus "hoffnungsvolle Monster" mit außergewöhnlichen Fähigkeiten hervorgehen: die schlagartige Geburt einer neuen Spezies. (Kurt de Swaaf/DER STANDARD, Printausgabe, 5. 1. 2010)

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Cereal Killer
 
11.01.2010 14:10

was hätte darwin wohl zum babelfisch gesagt... :)

1,8 promille
09.01.2010 23:06

ein eindeutig creationistischer fisch!

nomad13
06.01.2010 09:59
Lamarck hätte gelächelt

.erinnert mich mal wieder an Riedls Versuch-> mittels Systemtheorie die Synorganisation und andere offenen Fragen im Sinne! Darwins zu erklären

Es ist,als würde Lamarck durch die Hintertür treten

http://books.google.at/books?id=... q=&f=false

Aber Lamarckismus hat nichts mit Kreatonismus zu tun.Gleichermassen wie bei der Epigenetik

http://www.bio-pro.de/magazin/t... index.html

Die Systemtheorie -> der Versuch - um den Rest der ungeklärten synthetischen Evolutionstheorie im Sinne Darwins zu erklären

Lamarck hätte gelächelt

AlterEgo
 
10.01.2010 11:22

Der Lamarckismus besteht nicht nur aus der Vererbung erworberner Eigenschaften, sondern ist vor allem auch ein teleologisches Konzept, das heißt, dem Organismus liegt der Drang zu Höherem inne (wofür es nach wie vor keine Belege gibt). Damit steht er dem Kreationismus durchaus nahe.

nomad13
11.01.2010 04:47

Perfektion bedeutet nicht unbedingt Höherentwicklung-ein Wurm ist in seinem System nicht weniger perfekt als sein Feind-der Vogel
Der Vogel trägt anders zum System bei.
Beide üben aber Perfektionismus in ihrer Funktion.
Wenn sie von Höherentwicklung sprechen - müssen sie zuerst das System betrachten. Daher - ist es wohl besser - von Perfektionismus zu sprechen
Drang nach Höherem - ist aber Drang nach Perfektion(Macht)

AlterEgo
 
12.01.2010 09:06

"Zweckgerichtetheit" war eigentlich das Wort das ich suchte. Diese ist Teil des Lamarckismus

nomad13
12.01.2010 10:55

...aber neueste Erkenntnisse zeigen ja -> dass Epigenom ist dynamisch und kann auf Umwelteinflüsse dementsprechend reagieren -> wobei ja die weitere Vererbung eine Zweckgerichtetheit ebenso inkludiert.

Darwin - ist meines Erachtens kreatonistischer als Lamarck.

AlterEgo
 
12.01.2010 16:54

Schlag einmal nach unter Teleologie, dann weißt du was ich meine. Das hat mit Epigenetik nichts zu tun.

Im übrigen ist es zu einem großen Teil Darwin zu verdanken, dass die Teleologie keinen Platz mehr hat in den Naturwissenschaften. Zu seiner Zeit war Teleologie noch Gang und Gäbe. Wo Darwin kreationistisch sein soll, kann ich nicht erkennen. Kreationismus beinhaltet nämlich einen Schöpfer

nomad13
13.01.2010 03:35

...ohne Lamarck hätte Darwin keinen Finger gerührt

...und Epigenetik steht für mehr - es steht für ein komplettes Netzwerk Die meisten Veränderungen sind GERICHTET. Gene - Epigenetik - Kultur
Ein Baum im Tropenwald besteht aus einem Konglomerat verschiedenster Pflanzen und (100derten) Insekten, Vögel,... Ist also vorwiegend in ein epigenetisches - kulturelles System gespeichert.

Darwin ist insofern kreatonistischer - da er als "stiller" Beobachter (SICH RICHTEN LASSEN) fungiert.

Wir stehen gerade am Anfang - und alle neuen Erkenntnisse - deuten daraufhin - dass das Netzwerk bei Weitem komplizierter aufgebaut ist - als bisher angenommen. (siehe Epigenom, RNA, Histone, Kontrolle des genetischen Informationsaustausches etc.)

AlterEgo
 
15.01.2010 08:43

Deinen ersten Satz verstehe ich nicht ganz. Wenn du damit sagen willst, dass Darwin ein Lamarckist war, dann stimmt das.

Das Problem bei Diskussionen mit dir ist, dass du immer ziemlich eigenwillige und teils esoterische Definitionen von definierten naturwissenschaftlichen Begriffen (z.B. hier Epigenetik) hast, daher ist mir meistens nicht klar, was du mir eigentlich mitteilen willst.

... und was, bitteschön, hat stilles Beobachten mir Kreationismus zu tun?

Mamonas
31.01.2010 17:05

"teils esoterische Definitionen von definierten naturwissenschaftlichen Begriffen"

Alles was AlterEgo nicht versteht WILL (weil nicht sein kann, was nicht sein darf), ist automatisch "esoterisch".

So sind sie halt, die Materialisten. Dogmatisch bis zum Geht nicht mehr...

AlterEgo
 
04.02.2010 16:50

Nein, ich will einfach wissen, was mir jemand sagen will.

nomad13
15.01.2010 17:19

...sie sind einfach voreingenommen - meine Aussagen zur Epigenetik (Histone, RNA, Info Austausch etc.) können sie nicht widerlegen.

Mein Tropenbaum war zur Anschauung ganz gut - sie sind es der keine klaren Gegenargumente bringt und daher auf Esoterik ausweicht um zumindest den Anschein von Wissen zu wahren

AlterEgo
 
18.01.2010 08:00

Natürlich kann ich das Beispiel nicht widerlegen, weil ich nicht die gerigste Ahnung habe, was du mir eigentlich mitteilen wolltest. Das ist auch das Problem, das ich vorhin angesprochen hatte: wir schreiben aneinander vorbei, weil deine Begriffsverwendungen völlig uneindeutig sind und ich mir noch immer nicht vorstellen kann, was du überhaupt unter Epigenetik verstehst.

Wenn du meinst, dass Epigenetik "für mehr" steht, dann ist das eben deine Sichtweise. Allerdings bin ich kein Hellseher und kann dir daher nicht folgen.

Bello Ragazzo
06.01.2010 20:44

Oook ook!

Coleman Silk
06.01.2010 17:57

was wollen sie uns damit sagen?

nomad13
06.01.2010 18:44

…dass ich immer schon um die Grösse von Lamarck wusste und mir die Zukunft recht geben wird

Denn - man könnte die hohe Geschwindigkeit der Evolution mit verschiedenen epigenetischen Mechanismen erklären – darauf weiss Darwins Modell noch keine Antwort

Sieht man an den Organismen deren Erbsubstanz komplexer ist als bisher angenommen
Seiens ehrlich – das Epigenom wird gerade erst entdeckt

Man weiss noch gar nicht wie Epigenetik und Genetik wirklich zusammenwirken.

Siehe Histon Modifikation – als wäre das Epigenom eine koplizierte Steuerung welche das Genom zum Leben erweckt

Alexandre Reymond spricht davon dass es sehr viel mehr Gene gibt – welche nicht in Proteine übersetzt werden–sondern nur in RNA

epigenet. Vererbung gibt es bereits

Gendo
07.01.2010 08:20

Eprigenetik(so weit man diese Mechanismen so nennen will) ist ein Produckt der Evolution und dazu kommt es nur bei einen kleinen Teil der heute existierenden Organismen.

Und ihr wissen von Genexpression ist auch sehr Mangelhaft, es gibt einige Mechnismen die Expression von Genen unterdrücken können (auf verschiedenen Ebenen der Expression), die antisens RNA ist da nur eine unter vielen!

nomad13
07.01.2010 09:21

RNA Interferenz-der gleiche Mechanismus dient der Zelle auch um die Genexpression zu steuern
Siehe: Doppelsträngige Mikro -RNAs(mi RNA) - welche ja verhindern - dass bestimmete Gene "verstummen" (genutzt werden)

Ungefähr 350 sind bekannt-bis jetzt werden mind. weitere 1000 vermutet

Siehe weiters: Molekulare Modifikationen und Ausprägungen des Genoms. Bei den chem. Markierungen der Histon Verpackung wird neuerdings ein Code vermutet - welcher die Erbinformation steuert

und zu ihrem Zitat:
Epigenetik ist ein Produkt der Evolution und dazu kommt es nur bei einen kleinen Teil der heute existierenden Organismen.

Diese Aussage ist vollkommen absurd und steht in keinem Kontext zu den heutigen Ergebnissen

rote Striche helfen da leider nicht

Gendo
07.01.2010 11:34

Also 1.) 1000 antisen RNA werden vermutet. (das es sie gibt habe ich ja nicht bestritten aber das haben sie wohl nicht verstanden oder?)
Aber es sind mindesten ebensoviel Proteine bekannt die die Genexpression steuern und das ist wie gesagt auch noch nicht alles. (also antisen RNA ist ein mechnismus unter vielen)
2.) Steuerung von Gene bedeuten nicht Epigentik!
3.) Histone. genau da sind wir bei Punkt, sie wissen schon wer Histone hat und wer nicht.
Das ist wieder einmal Typisch von Biologie und Genetik nur ein rudimentäres Wissen (glauben das die Welt nur von Pflanzen und Tieren besiedelt!) und das dann unter die Leute Pflanzen.

Sie haben recht rote Stricherl sind für Sie zu wenig!

Mamonas
10.01.2010 09:51

"Aber es sind mindesten ebensoviel Proteine bekannt die die Genexpression steuern"

Sie meinen somit >1.000 Proteine, die GEZIELT steuern? machen Sie bitte die darwinistische (also zufallsbedingte) Rechnung, wie hoch die Wahrscheinlichkeit wäre, daß dies durch die Gottheit Zufall entstanden ist. :-D

Gendo
11.01.2010 08:50

Also von Genteik und von Biologie haben sie wohl nicht viel Ahnung oder?

Aber Gegenfrage wie Wahrscheinlich ist es dass ein pefektes Wesen (Gott) aus dem nichts ensteht?
Selbst wenn die Arten der Welt die wir heute kennen mit all ihren Arten per reinem Zufalle (und nicht mit Hilfe der Selektion und Mutation, die Wörter sollten sie mal im Duden nachschlagen!!!), würde es ca 10hoch9 mal Wahrscheinlicher sein als die Geburt eines Absoluten Wesens aus Absolut nichts!

Mamonas
31.01.2010 17:02

Apropo Ahnung haben: ist es nicht ein bekanntes Dogma unter den heutigen (und früheren) Darwinisten, daß es in der Natur nichts GEZIELTES geben kann? :-D

Ihre Gegenfrage (?) können Sie ruhig Schönborn oder einen Theologen stellen, warum mich?

Aber zu ihrer ...ähem... "Aussage" : "würde es ca 10hoch9 mal Wahrscheinlicher sein als die Geburt eines Absoluten Wesens aus Absolut nichts!"

Da das heutige Universum ohne Gott TROTZDEM aus dem Nichts entstanden ist, schießen Sie sich selber in den Fuß. Nicht gemerkt...? :-D

Und damit Sie nicht wieder mit der "Gott-Floskel" (die Standardantwort der Darwin-Apostel) herkommen: lesen Sie was über INFORMATION. Dann wird Ihnen (hoffentlich) ein Licht aufgehen, WO die Antwort zu suchen ist. Bussi.

Pro Freistaat Kärnten!
 
02.02.2010 12:05
du hast den begriff "information" wie du ihn verstehst

noch nie definiert.

der begriff information ist allerdings ausreichend definiert und hat mit deiner phantasie nicht das geringste gemein.


nomad13
11.01.2010 06:59

...zuviel Verlegenheit als dass sie eine Antwort bekämen - ...Gendo wurde gerade als Hobbygenetiker entlarvt - man möge ihm seinen histonischen aäh - den historischen Fehltritt eines Grundschülers verzeihen.
Da lacht mich doch die Erbse an.

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