Protest gegen Fahrt von Pinochets Folterschiff

4. Jänner 2010, 08:05

Menschenrechtsaktivisten: "Esmeralda" sei zu Beginn der Militärdiktatur als Gefangenenlager und Folterzentrum benutzt worden

Valparaíso - Unter dem Protest von Menschenrechtsaktivisten ist das chilenische Segelschulschiff "Esmeralda" am Sonntag (Ortszeit) vom Hafen Valparaíso aus zu einer Reise in elf Länder in See gestochen. Es sei bekannt, dass die "Esmeralda" zu Beginn der Militärdiktatur von General Augusto Pinochet als Gefangenenlager und Folterzentrum benutzt worden sei, sagte Patricia Woodward während einer Kundgebung auf dem Kai. Ihr Bruder, der britische Geistliche Miguel Woodward, erlag einem amtlichen Bericht zufolge den Folterungen, die er auf dem Schiff erlitt.

Auf ihrer bis August dauernden Auslandsfahrt soll die "Esmeralda" 17 Häfen ansteuern. Das Schiff war in den vergangenen Jahren immer wieder das Ziel von Protesten. Pinochet regierte Chile nach einem Militärputsch gegen den demokratisch gewählten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende von 1973 bis 1990. Während seiner Herrschaft wurden rund 3000 Menschen ermordet oder verschwanden spurlos. (APA)


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Tagesspiegel (2004): Marine gibt Folter unter Pinochet zu

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Posting 1 bis 25 von 44
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Andreas Hofer
00
Na und?

Heute wird das Schiff fuer andere Zwecke verwendet. Das ist eine positive Entwicklung. Warum sollte das jetzt torpediert werden? Nicht sehr gscheit.

Ernst Guevara
01
ja und?

das ehemalige gestapo-hauptquartier am morzinplatz in wien wird heute auch anders genutzt! immerhin gibt es heute zumindest ein denkmal für die opfer der nazis! Ihre einstellung ist typisch für einen österreichischen patrioten/nationalisten: nur nicht an der geschichte anstreifen, lasst uns die vergangenheit verdrängen und vergessen, damit sie sich wiederholen kann, gell?

Andreas Hofer
00

Ich kann Ihren Unmut verstehen. Die Vergangenheitsbewaeltigung in Oesterreich ist beschaemend schwach. Ich bin aber bestimmt kein Nationalist, im Gegenteil, ich bin der Meinung, dass Oesterreich in der Nazihirarchie ueberproportionell (und das ganz gewaltig) vertreten war und wenig tut , damit aufzuraeumen.

Nur, dem Schulschiff eine positive Aufgabe zu geben, ist ein Schritt in die korrekte Richtung. Dabei soll die Vergangenheit nicht vergessen werden.

Ernst Guevara
00
aber wie soll man das verstehen..

das sind doch zwei verschiedene ansätze: entweder man setzt sich mit der geschichte auseinander, dann müsste man das schiff zu einer gedenkstätte umwidmen, damit nie vergessen wird, was dort passiert ist. oder man legt keinen wert auf die auseinandersetzung mit der vergangenheit, naja, dann kann man das schiff von mir aus auch als vergnügungsschiff oder was auch immer verwenden. ich befürworte jedoch den ersten ansatz.

Andreas Hofer
00

Ich meine, man kann mit der Vergangenheit in die Zukunft gehen wenn man den Mut hat, die Vergangenheit lueckenlos aufzuarbeiten und anzuerkennen. Ich habe damit kein Problem.

Und ausserdem, was kann das arme Schiff dafuer? :)

Adam Markus
24

Da ist ein nuller zu wenig.

mindestens 30000 Menschen wurden unter Pinochet umgebracht.

Was er aber noch geschaffen hat ist wichtiger:
Nach dem gewaltsamen Umsturz und der Ermordung des demokratisch gewählten Präsidenten hat Pinochet mit Hilfe von amerikanischen Neoliberalen und unter größter Anerkennung von Personen wie Friedman, Thatcher, Reagan oder Franz Joseph Strauß, ein Musterbeispiel einer neoliberalen Gesellschaft errichtet.

Chile war das Labor für die heute vorherrschende Wirtschaftsordnung die mit brutaler Macht durchgesetzt wurde und die chilenischen Arbeiter zu den am meisten ausgebeuteten in Lateinamerika machte.

ganz weit weg
20
mindestens 30000 Menschen wurden unter Pinochet umgebracht.

QUELLENANGABE?

lt. offiziellem rettig-report (der die base fuer die Entschuldigungsrede von Alwin war), stimmen die im artikel genannten 3.000.

nicht dass das wenig waere, aber wenn jemand ein paar 1000 dazuerfindet, nimmt das irgendwie von der glaubhaftigkeit - und man begiebt sich in die gehirngespinstnaehe von leuten die die mondlandung anzweifeln und 11/9 den usa in die schuhe schieben

Fritz Wunderlich
00
18.1.2010, 11:40
rettig-report 3428

Ernst Guevara
00
der rettig-report wurde 1991 publiziert

die angaben, die sagen, dass es viel mehr opfer gegeben hat und dass die zahlen in die 10.000en gehen, stammen aus den 70er/80er jahren und wurden vom chilenischen widerstand und den menschenrechtsorganisationen verbreitet. das heisst, die angaben des rettig-reportes sind zumindest umstritten und daher fraglich. die wahrheit wird - vielleicht - irgendwo dazwischen liegen. die frage ist ausserdem, auf welcher quellengrundlage basiert der rettig-report? angaben der faschisten? angaben der menschenrechtler? angaben der täter oder der opfer? offizielle angaben oder auch nicht-staatliche quellen?

Andreas Hofer
00

ein Mord ist genauso schrecklich und zu verabscheuen , wie 10, 20 oder 30,000. Mit dem Herumraten, wieviele es jetzt wirklich gewesen sein mochten schiesst man am eigentlichen Thema scharf vorbei.

Ernst Guevara
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damit

haben Sie natürlich auch recht.

Herzerzog Johann
47
Jetzt ist bloß noch nicht klar, was der Kahn dafür kann.

Man wird ihn wohl nicht verschrotten nur weil auf ihm Böses geschehen ist. Dann müßte man auch jedes Gebäude demolieren in dem Schlimmes vorgefallen ist.
Schaut mir eher nach Verdrängung denn nach Aufarbeitung der Geschichte aus.

ganz weit weg
00

seh ich auch so ...

beim tower in london gibts ja auch keine probleme diesbezueglich und der war jahrhundertelang ein foltergefaengnis und heute latschen horden von kaugummikauenden touristen durch.

oder ist ein menschenleben des 16 jhdt weniger wert als eines des 20?

skyrock
01
das Pferd von Waldheim

auch wir haben unsere Verdrängungssubjekte

rätätä, rätätä ...
35
Auja, lass uns die Geschichte aufarbeiten,

und eine Disco in Mauthausen droben beim alten Lagergelände eröffnen. Das rockt sicher voll in den Krematorien ...

hifigraz
00

Das Schiff wird ja wohl nicht extra zum Foltern gebaut worden sein, was fuer ein daemlicher Vergleich.

NONE
10

Wieso eigentlich nicht?

Nur, es müsste Gründe FÜR die Disko geben unabhängig von Mauthausen.

Ich glaube nicht das es genügend Menschen dort gibt das gerade neben dem Ort der vor 100.00 Jahren ein KZ einer Diktatur war. Ich gebe dir ja im Prinzip Recht, man braucht sich nicht bevormunden lassen - allerdings gibt es noch lange keine Gründe _FÜR_ eine Disko dort. Und bitte keine Gründe hinbiegen nur weil man unbedingt eine Disko auf einem ehemaligen KZ machen _möchte_

ad vocem
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Klar.

Und der nächste kommt und will aus Auschwitz einen Campingplatz machen und aus Mauthausen einen Golfplatz ...

Weil die schönen Wiesen ja nix dafür können ...

Redwraithvienna
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Das schiff fährt um die Welt ...

die wiesen von mauthausen liegen brach ...

Mal eine ganz blöde frage aber was oll man den sonst damit machen ? verschrotten ?
Das equivalent wäre dann Mauthausen / Auschwitz abzutragen und so zu tun als ob da nie etwas gestanden hätte.

Man sollte wahrscheinlich auf dem Schiff eine Daueraustellung einrichten die überall auf der welt besuchbar sein sollte ... aber ansonsten ?

Calvin Coolidge, born on the 4th of July
 
266
Das Problem das Pinochet hat sind nicht die ermordeten/verschwundenen Personen (jeder einzelne einer zuviel!).


Wenn es um die Menschenrechtsverletzungen ginge, dann müßte etwa die argentinische Diktatur (mit ca. 30.000 ermordeten/verschwundenen Personen) wesentlich heftiger kritisiert werden (ganz zu schweigen von Kuba, dem Sendero Luminos in Peru etc.).

Das Problem Pinochets ist daß er neben der ablehnungswürdigen Menschenrechtsverletzungen etwas geschafft hat, worum Chile von ganz LatAm beineidet wird - nämlich die Wirtschaft auf gesunden Beine gestellt. Unter Allende stellten sich die Menschen mit Essensmarken um das Allernötigste an, heute ist Chile das dynamischste und stabilste Land Südamerikas, und der Lebensstandard der Menschen massiv gestiegen.

Dieses funktionierende Gegenmodell zum Marxismus werden ihm die Linken nie verzeihen.

Fritz Wunderlich
00
18.1.2010, 10:00

das erste modell, das faschistische mit neoliberalen methoden verband, das findet selbstverständlich lob, bei fpö-övp

more more
00
18.1.2010, 12:24

Die FPÖ ist eine sozialpopulistische Partei, keine wirtschaftsliberale.

Fritz Wunderlich
00
19.1.2010, 09:51

sozialpopulistisch ist hier die demokratische verträgliche bezeichnung für faschistische parteien, aber ihre verschleuderung von landesvermögen und deren privatisierungsbeute ist durchaus neoliberal, vor allem, wenn man sich die liste der "investoren" ansieht, wird das bündnis zwischen mob und elite deutlich

ganz weit weg
11

mit dieser blickweise stehen sie nicht allein ...

In Chile sinds rund 6 - 7.000.000 leute die das aehnlich sehen.

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