Einen Kompass für Faymann!

03. Jänner 2010 18:00

Das ist jenseits: Wenn Eberau im Osten liegt, dann endet die Asyldebatte in Kärnten

Aus der Sicht Afrikas liegt das Meiste im Norden. Und aus der Sicht von Werner Faymann liegt Eberau (gemeinhin im Südburgenland) eben im Osten. Auch wenn Wien aus der Sicht Eberaus mit Sicherheit nördlich gelegen ist und südlich von Eberau in Österreich nicht mehr viel kommt.
Die geografische Argumentation von Bundeskanzler Faymann, der Eberau kurzerhand in den Osten verlegt hat, um Innenministerin Maria Fekter und die ÖVP des Koalitionsbruchs zu zeihen, ist mehr als hanebüchen. Klar ist, dass das Vorgehen der Innenministerin mehr als ungeschickt war. Der Versuch, in der kleinen Gemeinde Eberau an allen vorbei ein Erstaufnahmezentrum für Asylwerber errichten zu lassen, war politisch unredlich.

Faymanns Versuch einer geografischen Umdeutung (im Koalitionsabkommen ist von einem Erstaufnahmezentrum im Süden Österreichs die Rede) zieht die gesamte Diskussion aber ins Lächerliche. Wer soll so eine Argumentation, so eine Debatte noch ernst nehmen? Hier wird nicht nur der Koalitionspartner, hier wird die Öffentlichkeit für dumm verkauft.

Und es kommt mit Sicherheit noch schlimmer. Da sich Faymann selbst die Finger nicht verbrennen will und er auch keine Lösung weiß, delegiert er das Problem an die Landeshauptleute. Mögen die eine Lösung finden.

Ausgerechnet.

Ein Blick auf die Landkarte (wenn man sie richtig hält) zeigt: Südlich von Eberau liegen noch die Südsteiermark und Kärnten. Und Osttirol, das, um die Verwirrung perfekt zu machen, aber schon ziemlich im Westen liegt - aus Wiener Sicht.

Steiermarks Landeshauptmann Franz Voves ist strikt gegen ein Erstaufnahmezentrum. Und er hat heuer Wahlen zu schlagen. (Oder: Weil er heuer Wahlen zu schlagen hat.) Die anderen Parteien sind sowieso auch dagegen. Der Versuch, gegen die Landespolitik in der Steiermark ein Flüchtlingslager zu etablieren, kann also nur in einem Fiasko enden. Die allgemeine Debatte über Flüchtlinge würde noch weiter vergiftet werden.

Für Kärnten gilt das Gleiche, nur noch schlimmer. Seit Jörg Haiders segensreichem Wirken, das von seinen politischen Erben Gerhard Dörfler, ebendort Landeshauptmann, und Uwe Scheuch, ebendort Chef der stimmenstärksten Partei, wie auch immer sie gerade heißen mag, so begnadet fortgesetzt wird, gelten Flüchtlinge, Asylanten oder Ausländer überhaupt ebendort sowieso als das Letzte. In Kärnten ein Aufnahmezentrum für Asylwerber durchzusetzen ist undenkbar - so traurig das ist. Die Dörflers und Scheuchs würden den Aufstand der Bevölkerung zelebrieren. Man müsste Angst haben. Und jetzt kommt das Beste: Seit 1. Jänner hat Kärnten den Vorsitz in der Landeshauptleutekonferenz.

Ausgerechnet.

Das war Faymann wohl bewusst, als er das Problem dorthin delegierte. Kärnten ist ein politischer Sauhaufen - auch abseits der Saualm. Hier kann man keine Lösungskompetenz erwarten, erst recht nicht, wenn es um eine so heikle Frage wie den Umgang mit Asylwerbern geht. Insofern ist Faymanns Versuch, das Problem in den Süden zu delegieren, perfide: Es bedeutet nicht anderes, als die Debatte absichtlich an die Wand zu fahren. Das hat mit Himmelsrichtungen nichts zu tun, das ist politisch jenseits. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 4.1.2010)

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Bumbu
 
05.01.2010 13:33
Daß ich Faynmann mal verteidigen muß...

Da das Zentrum unnötig und jeder politische Beschluß darüber ohnehin nur Selbstzweck ist, finde ich es ganz schlau, die Entscheidung an eine unfähige Truppe zu überweisen.

Wahrscheinlich wird dort nicht Nützliches passieren, wahrscheinlich sogar was Blamables, was man gegebenenfalls ausschlachten kann. Sollte die Kärntner wirklich so etwas wie einen Beschluss zusammenbringen, stehen immer noch alle Wege von polemischen Zerpflücken („Kas!“) bis Adoption („Unser Vorschlag!“) offen.

Soviel strategisches Denken hätte ich F. wirklich nicht zugetraut.

Em sembla que ara em toca a mi.
05.01.2010 13:31
Der Herr Bundeskanzler ist kompetent

und sagte ganz recht, dass im Koalitionsabkommen unter "Süden" eben Kärnten gemeint war.
Authentische Interpretation. Punktum.
Ob diese Sache allerdings in der Kompetenz der beiden Koalitionsparteien (allein) liegt, darf sehr bezweifelt werden.

Em sembla que ara em toca a mi.
05.01.2010 13:26
Aus der Sicht Südafrikas

liegt fast ganz Afrika im Norden!

teuerzahler
04.01.2010 18:21
danke, Hr. Völker,

endlich einmal ein kommentar von ihnen, den man unterschreiben kann!

Dreistein
 
04.01.2010 18:06
Es wäre nicht der Völker, wenn er nicht eine Breitseite für den Faymann parat hätte.

Daher ficht es ihn auch überhaupt nicht an, dass gerade das südlichste und die westlichen Bundesländer ihre Aufnahmequoten weit unterschreiten, womit diese es sind, die ein weiteres Flüchtlingslager notwendig machen.

Kommt hinzu, dass Frau Fekter keine Gelegenheit auslässt, um das Image der Asylanten zu schädigen, sodass keiner ihre Nähe wünscht. Das alles sieht der Herr Völker nicht, bzw. will es nicht sehen, denn Hauptsache ist doch, er kann wieder einmal auf den Faymann hinhauen.

Schnabeltierfresser
05.01.2010 09:23
Dass Faymans Aussage jenseitig ist

argumentieren Sie damit aber nicht eben weg.

Em sembla que ara em toca a mi.
05.01.2010 09:53

Faymann ist aber noch im Diesseits!

der kleine mann
04.01.2010 17:56
Warum werden meist nur Schul- und Studienabbrecher Journalisten?

Hier der Gedanke den Hrn. Völker weiter gedacht:
* Das (Süd-)Burgenland liegt im Süden Österreichs. Eberau liegt direkt an der ungarischen Grenze => Ungarn ist unser südlicher Nachbar!
* Gaschurn in Vorarlberg ist südlicher als Eberau (und grenzt an in Italien). => Vorarlberg liegt auch im Süden Österreichs!
* Hohenau an der March (N.Ö) liegt an der Grenze zu Ungarn (unserem südlichen Nachbarland). Warum also nicht in Niederösterreich?

Bitte Hr. Völker noch einmal auf die Karte schauen und diesmal richtig herum halten!!!!

Nichtschweiger
 
04.01.2010 18:42
Sie posten jetzt zum 576 x das selbe was zahlreiche andere Poster ebenfalls gepostet haben....

...fällt den niemanden mehr etwas Sinnvolles zum Thema ein als die, von Faymann (wem sonst) begonnene, selten dumme Spitzfindigkeit von Süden oder Osten!!!

Eigentlich sollte alle Österreicher FÜR das Lager in Eberau sein. Eberau ist das letzte Kaff im tiefsten südlichem (ha!) Burgenland kurz vor der ungarischen Grenze - keine Sau (abgesehen von den läppischen 900 Einwohnern des Ortes für die der Steuerzahler auch noch einen Bürgermeister finanzieren muss) kräht nach dieser Gegend! Daher ideal für ein Aufnahme-Lager! Will man ein Lager tatsächlich in Kärnten oder Tirol und damit eine empfindliche Störung des Fremdenverkehrs riskieren - wer will schon Urlaub machen in näherer Umgebung eines Asyl-Lagers. Noch einmal - Eberau ist ideal!

der_kleine_pariser
 
05.01.2010 22:28

hat ja schon der artikel null relevanz in bezug auf ebergass.. nein eberndor...oder wie das dorf heisst.

nichteinmal die aussage faymanns ist richtig zitiert.

drum geht's dahier zB.: um die katastrophalen geographiekenntnisse des herrn völker.

um himmelsrichtungen und ihre auslegung...

dieser artikel von herrn vöker ist so jenseitig der politik, dass hier eben eine diskussion über politik und faymann das thema verfehlen würde.

oder anders gesagt: was ich vom erstdingsbums in ebenthal halte, habe ich NICHT hier geschrieben sondern woanders.

und andere halten's richtigerweise auch so.


Nichtschweiger
 
06.01.2010 09:14
Was sie nicht kapiert haben...

...es geht hier eben nicht um Geographie - es geht um ein Aufnahmelager und hier mit Spitzfindigkeiten wie "liegt Eberau nun im Süden oder doch mehr im Osten und kommt es desswegen nicht in Frage weil zu wenig im Süden"!!!!

Ihr tickt ja alle nicht richtig - diejenigen die das Thema der Himmelsrichtungen aufgegriffen haben und Faymann sowieso!

der_kleine_pariser
 
06.01.2010 22:49

bei der standortsuche für's lager geht's nicht um solche spitzfindigkeiten, bin ich einer meinung mit ihnen.

nur der artikel vom Völker hat soo null mit dem ursprungsthema lager zu tun und strotzt nur so von falschen aussagen zur österreichischen geographie, dass ich HIER NICHT über das lager ansich sondern nur über das abwegige geographieverständnis des herrn Völker diskutiere.

wenn sie der sprechblase folgen, werden's zu einem artikel kommen, wo ich sehrwohl meine meinung über den standort als solchen schreibe.

nur HIER ist eben nicht der platz dafür. dafür ist der Völker'sche artikel zu ... na ich sag' jetzt lieber nix, sonst geht's mir wie dem adamovich ;-)

Schnabeltierfresser
05.01.2010 09:29
Wissen Sie, was man als Bürgermeister einer 900-EW-Gemeinde verdient?

Einen Schlapf.

der_kleine_pariser
 
05.01.2010 22:27

im wahrsten sinne des wortes, der ist wahrscheinlich ehrenamtlich oder eh gleich auch der gemeindesekretär.

FII
04.01.2010 18:02

Hohenau liegt aber schon noch immer an der Grenze zur Tschechei Herr Gscheiterl!

Kuckenmucken
04.01.2010 18:02
Dort wo Gaschurn an Italien grenzt ...

wächst der Pfeffer am Grab des Hundes!

W.Hammerl
04.01.2010 17:41

Der Streit um die Himmelsrichtungen ist schon etwas lächerlich. Aber es ist wohl unbestritten, dass die meisten Zuwanderer aus dem Osten kommen und daher sollte man das Asylzentrum auch im Osten oder Südosten errichten. Aber natürlich, wenn man nur lange genug nach Westen fliegt, kommt man auch irgendwann in den Osten.

Kuckenmucken
04.01.2010 18:09

Und für Schwarzafrikaner Erstaufnahmezentrum vorzugsweise an der Grenze zu Italien!

Kuckenmucken
04.01.2010 18:07

Die meisten Zuwanderer kommen über die niederösterreichische Grenze im östlichen Norden Osterreichs und dessen Nordosten. Das Weinviertel ist da gefordert.

Paul K
04.01.2010 17:35
also

wenn man österreich auf der karte betrachtet, dann liegt das burgenland im osten und kärnten sowie teile stmks und osttirol im süden. wenn man nur von wien ausgeht, blickt man schon sehr einseitig ins land, aber das sind wir ja schon gewöhnt. wenn man aber bedenkt, dass wede kärnten noch tirol seine aufnahmequoten für asylanten erfüllen, dann ist der klare blick nach süden, sprich kärnten und osttirol, durchaus angebracht. faymann hat damit elegant, wenn auch etwas hinterlistig, aber doch sophisticated, frau fekter und joschi pröll eins ausgewischt: würden das von der övp gehätschelte kärnten und das schein-hl. land tirol die quote erfüllen, brauchten wir kein drittes zentrum, punkt.

Totaler Durchblicksstrudel
 
04.01.2010 22:26

"sophisticated", ist das Neusprech für nicht vorhandenen Geografie-Grundkenntnisse? Faymann hat sich damit nur blamiert!

silverbridge
04.01.2010 17:27
Warum nicht?

Warum eigentlich nicht in Kärnten? Es wäre eine durchaus praktikable Lösung. So können Flüchtlinge zentraler im Süden zusammengefasst werden und die Kärntner hätten endlich Ihre Chance sich auch an der Flüchtlingsverwahrung zu beteiligen.

Nachdem Hypo-Desaster werden die Themen Ausländer und Ortstafeln in mancher Partei eher nebensächlich. So elitär sind die Blauen und Orangen nicht, eher Leut mit reichlich Dreck am Stecken - aber über Ausländer schimpfen, die vermutlich noch nie was verbrochen haben.
So ein Lager in Kärnten hat schon was.

BarbaBianco
 
04.01.2010 17:22
Gpassig


Die NÄCHSTEN scheinheiligen Argumente.

Es geht um die etwas eigene (fragwürdige) Vorgangsweise von Fr. Scheckter - und sonst nichts. Das dürfte Michael Völker wohl übersehen haben - oder nicht kommentierungswürdig gehalten haben. Oder versucht da jemand vom Thema abzulenken ...

Südlich ist in Österreich vieles - kommt wohl auf den Blickpunkt an. Ob jetzt das Burgenland als südliches Bundesland zu verstehen ist, dürfte wohl keine Frage sein. Allerdings gibt es ein südliches Burgeland, eine südliche Steiermark, ein südliches Tirol. Auch Bezirksteile können südlich sein ...

Also die Frage nach dem Kompass, ist recht witzig. Dieser Kommentar geht am Thema vorbei. Und die Frage stellt sich -> warum geht es denn wirklich ...

Dipar
 
04.01.2010 16:44
Einen Kompass für Völker

bitte benutzen sie den Kompass selbst erstmal, bevor sie ihn an Faymann weiterschenken.
kleine Hilfestellung: von Ö Mitte ist Eberau Ost-Süd-Ost

Faymann-bashing ist vielleicht in, aber denken sie mal darüber nach, wer in diesem Fall
- einem roten Bundesland ein Ei legen will
- einen unabgestimmten Schnellschuss gemacht hat
- sogar vom schwarzen Bürgermeister des Ortes angegriffen wird
- alle anderen vor vollendete Tatsachen stellen wollte

Also schwarze Brille abnehmen, nochmals ganz fest nachdenken und dann zum wirklichen Übel Stellung beziehen (Tipp: Sie heisst Fekter)

Totaler Durchblicksstrudel
 
04.01.2010 22:29

Du schreibst ja selbst o-s-o. Also Süden; deiner Argumentation zur Folge würden dann nämlich nur Gemeinden in Frage kommen, die auf der Südlinie parallel zur Länge des Mittelpunktes liegen. Werden nicht viele sein!

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