AUA-Boden-Betriebsratschef

"Lufthansa hatte längst die Kontrolle"

03. Jänner 2010 18:29
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    Foto: privat

Die Stimmung in der AUA-Belegschaft ist nicht gut, die Branche verrückt und die AUA in einer verdammt schwierigen Situation, meint Junghans

STANDARD: Wie beurteilen Sie die Rolle der ÖIAG beim AUA-Verkauf an die Lufthansa?

Junghans: Die Aussage des damaligen Finanzministers Wilhelm Molterer, dass die Zeit der politischen Intervention vorbei sei, war eher eine Kabaretteinlage. Im Übrigen: Die Lufthansa hatte schon längst die Kontrolle über die AUA, weil wir seit Jahren die Systeme der Lufthansa unkontrolliert übernommen haben. Wenn man so will, war unser größter Konkurrent unser eigener Partner. Über das Vielfliegerprogramm Miles & More hat die Lufthansa immer schon die Übersicht über unsere Kunden gehabt.

STANDARD: Wie spürt man den Einfluss der Lufthansa?

Junghans: Man spürt ihn nicht direkt. Aber mir ist klar, es geht um die Frage, will man den Standort Österreich halten oder nicht. Das sollte man uns sagen. Man kann nicht alles auf die Personalkosten abwälzen, die beim kaufmännisch-technischen Personal nur neun Prozent der Gesamtkosten ausmachen. Semperit war zwar ein Produktionsbetrieb, es hat aber schlussendlich auch nichts genützt, dass Traiskirchen der zweitprofitabelste Standort im Konzern war.

STANDARD: Wie viele Mitarbeiter werden das Unternehmen verlassen müssen und viele davon werden gekündigt?

Junghans: Um die angestrebten 6000 Mitarbeiter zu erreichen, werden 1000 gehen müssen. Es wird zu 90 Prozent einvernehmliche Lösungen mit zusätzlichen Abfertigungen geben. Die Hälfte der betroffenen 1000 Mitarbeiter wird in die Arbeitsstiftung gehen. Darüber hinaus gibt es etliche, die Angebote wie Teilzeitarbeit oder Bildungskarenz in Anspruch nehmen.

STANDARD: Es hieß immer, die zweite und dritte Ebene bei der AUA sei mit rund 20 Bereichsleiter zu aufgebläht.

Junghans: Die Swiss hat etwas weniger, aber die haben viele Bereiche ausgelagert. Wir sind flexibler. Wir schauen etwa, dass wir von den 100 Mitarbeitern, die beim Callcenter abgebaut werden, so viele wie möglich für Funktionen beim Bodendienst übernehmen können. Und ich hoffe, dass wir auch die internationale Ausrichtung im Konzern nützen können und Jobs bei Partnerairlines anbieten können.

STANDARD: Wie beurteilen Sie die Arbeit der Vorstände Peter Malanik und Andreas Bierwirth?

Junghans: Den Umständen entsprechend akzeptabel. Man kann sich nur wünschen, dass es halbwegs so bleibt. Sie sind zumindest nicht beratungsresistent.

STANDARD: Man hat den Eindruck, der Betriebsrat fährt mit dem Vorstand einen Kuschelkurs.

Junghans: Ganz im Gegenteil. Wir wollen die Absicherung des Standortes, und da ist es wichtig, auf Augenhöhe zu diskutieren. Aber die AUA ist in einer verdammt schwierigen Situation, die Erträge werden nicht in den Himmel wachsen. Wir haben das Schlimmste noch nicht überstanden. Die Branche ist so blöd, weil sie alles tut, damit es weiter schwierig bleibt. Es ist doch verrückt, wenn man um zwei Bier nach London fliegen kann. Und es ist geistesgestört, wenn die Leute 19 Euro für eine Flugticket zahlen und sich um 200 Euro ein Hotelzimmer ohne Frühstück leisten. Was wir tun, ist Pragmatismus der Realität.

STANDARD: Glauben Sie, dass der Vorstand bleibt?

Junghans: Wenn nicht alles schiefläuft, sehe ich keinen Grund, ihn abzulösen. Sollte die Lufthansa sagen, wir wollen einen eigenen Mann hinsetzen, dann sage ich, wir haben eh den Bierwirth. Was wir brauchen, sind Leute mit Airline-Erfahrung und keine Manager mit steilen Lernkurven.

STANDARD: Die Stimmung in der Belegschaft soll sehr schlecht sein.

Junghans: Die Stimmung ist nicht gut. Die Verunsicherung hat viel zu lange gedauert. Angefangen von der "Sanierung der Airline" durch Alfred Ötsch, wurden wir jedes Quartal wegen eines anderen Grunds verunsichert. Auch bei der Lufthansa findet eine Konzentration statt. Ich verstehe, wenn der dortige Betriebsrat der AUA-Übernahme skeptisch gegenüberstand, weil gleichzeitig mehrere defizitäre Airlines übernommen wurden. Die Rolle des Betriebsrates ist in der aktuellen Situation jedenfalls frustrierend, weil sie hauptsächlich auf ein Rückzugsgefecht hinausläuft.

STANDARD: Wird das Netzwerk so bleiben?

Junghans: Die Größe des Netzwerkes bestimmt der Markt. Ich glaube nicht, dass es zu massiven Einschnitten kommt, weil dann die Sinnhaftigkeit des gesamten Netzes infrage gestellt wird.

STANDARD: Wird die AUA weiter alle Bundesländerflughäfen anfliegen?

Junghans: Ich denke, das wird man davon abhängig machen, ob die Länder bereit sind, Zuwendungen zu geben, wie das etwa bei der Ryanair der Fall war. Ryanair hat angeblich eine Million Euro bekommen, dass sie Klagenfurt anfliegt. Ein Großteil der Passagiere blieb nicht in Kärnten, sondern ging nach Slowenien. Es ist ja nichts Anrüchiges daran, aber was Ryanair kann, muss auch der AUA möglich sein. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe, 4.1.2010)

Zur Person

Alfred Junghans (51) ist seit fast 32 Jahren bei der AUA, seit 1981 ist er Betriebsrat (SPÖ). Aktuell vertritt er 3200 Mitarbeiter. Seit 2004 ist er Vorsitzender des Boden-Betriebsrates. Seit 1981 macht der Vater zweier Töchter ein eigenes Kabarett. Die jüngste Show hieß "Christmas in Las Vegas".

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Posting 1 bis 25 von 101
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Sophist1
16.01.2010 17:16
Der Herrr Junghans, Betriebsrat und Intellligenzbeste,...

...hat wohl das ewige Leben? Den hätte ich als erstes an die Luft gesetzt, trotz seinem Status als Betriebsrat. Selbst auf die Gefahr, dass dies eine teure Veranstaltung geworden wäre. Aber auch seine Anwesenheit ist eine teure Veranstaltung - und ohne Gegenleistung.

Elfmeter
04.01.2010 16:31
Wikrlich erschütternd, ....

.... dass es des Verkaufes der Airline bedurfte, dass die AUA vom Shinig Star zu einem matten fremdgesteuerten Schatten mutierte, bis auch der Betriebsrat kapiert, dass "Verhindern" zu einfältig ist, um Unternehmen profitabel zu führen. Jetzt ist es zu spät, lieber Herr Junghans, Ihre Möglichkeiten sind vertan, Sie sitzen seit Jahrzehnten im kündigungsgeschützten Sessel, Hunderte andere AUA-Mitarbeiter werden jetzt auf staatliche Almosen angewiesen sein. Letztlich beibt's bei der Schieflast unserer Arbeitsverfassung in Österreich: Betriebsräte dürfen viel mitreden, fast alles verhindern, sind aber für nichts verantwortlich. Ein Beispiel dafür ist die AUA.

hog_moa
04.01.2010 17:36

Almosen? Piloten bekommen golden handshakes, dass einem schwindlig wird.

StF753
05.01.2010 13:36

weil die eine starke Gewerkschaft haben, wenn man einen böse anschaut, streiken alle Piloten.

Aber ich denke das der Anteil der Piloten an den Angestellten max. 5% ausmacht. (eigene unqualifizierte Schätzung)

Airbusflieger
06.01.2010 21:34
Wen man einen böse anschaut, dann streiken die Piloten?

Soll das plakativer Schwachsinn sein, oder nur der Neid auf das Unbekannte, denn jemand der sich auskennt neidet uns die Arbeit nicht mehr, bzw. hat Jeder die Möglichkeit es selber zu versuchen.

vertico
08.01.2010 13:25
Ich kann mir nur einen Motivator vorstellen Pilot

zu werden und der heisst Geld. Ansonsten ist das doch eine ziemlich stupide Hacke 12 Stunden im Cockpit zu sitzen um dann 2 Nächte in BKK mit dem Jet Leg zu kämpfen und sich dann wieder 12 Stunden den gleichen Weg zurückzulangweilen.

h 90
13.01.2010 03:16

und im Idealfall die ganze Zeit praktisch nichts zu tun haben.

StF753
06.01.2010 23:56

hmmm? sinnerfassend gelesen?

mein Verdienst ist mit dem eines Piloten vergleichbar und ich kann wenn ich will fast jeden abend in meiner eigenen wohnung schlafen... also das einzige worum ich piloten beneide ist das sie gratis ein flugzeug steuern dürfen ;)

kauwvn
04.01.2010 16:05
ich bin nur froh,

dass ich mit meinen steuern bei einem einkommen von 2.000 euro die aua und ihre mitarbeiter bei einem durchschnittlichen einkommen von 4.000 euro und spitzeneinkommen von bis zu 18.000 euro unterstützen darf.

edmundo5
04.01.2010 21:33

bis jetzt hatten die betriebsräte ein schönes leben, da ihnen die politiker die stange gehalten haben, leider hat man gesehen wohin das geführt hat. Jetzt müssen auch mal die br aufwachen und sehen wie es im freien wettbewerb (lt junghans "geistesgestört") ist.

raine
04.01.2010 15:34
basel Wien

Basel-Wien 16 Fluggäste , 25.12
Wien -Basel 10 Passagiere ,29.29

Dieses Unternehmen kann doch nur Profit machen!!

mief quirl
06.01.2010 13:16

Na ja, an diesen Tagwn habens dass bei so ungefähr jeder Fluglinie. Und da wird sowieso schon nur mehr reduziert geflogen.....

biobert
04.01.2010 16:11

aus diesem Grund werden ja "grössere" Flugzeuge gebaut!

aiuto
04.01.2010 13:11
nur Rülpser und sonst gar nix !

Schön, dass der Herr Junghanns jetzt wieder einige Rülpser von sich gibt, die allerdings entbehrlich sind.
Was er kann, das hat er ohnehin in den letzten Jahren bewiesen, als er mitverantwortlich dafür war, dass die AUA an die Wand geknallt wurde.
Wann begreift er eigentlich, dass er sich endlich aus seinen Ämtern zurückziehen sollte?

gueaufderalm
 
04.01.2010 12:59
AUA-Lufthansa

Also wenn der Herr Junghans die niedrigeren Preise der Konkurrenz als "geistesgestört" (damit meinte er eigentlich die Kunden) bezeichnet, möchte ich wirklich seine Kenntnis anzweifeln. Wer (welche Firma) bezahlt zB nach Moskau durchschnittlich um 200 Euro mehr als mit Nicki (und bitte kein Kommentar zum schlechteren Service - das stimmt einfach nicht)? Warum sollte ich nach Amerika oder Fernost mit Lufthansa - AUA fliegen wenn ich mit Air France oft viel billiger unterwegs bin? Wenn die Firma nicht mehr Konkurrenzfähig ist gehört sie in den Konkurs und neu gegründet (siehe Swiss) – sonst wird man den Ballast nie mehr los.

t-bonesteak
04.01.2010 14:09
aus sicht einer airline sind preíse wie die der lccs

natürlich schwachsinn. das kann man nur mit betriebswirtschaftlichem vodoo rechtfertigen.

h 90
04.01.2010 13:40

ich bin oft BKK-VIE-BKK geflogen.
Online Buchen bei der AUA war doppelt so teuer wie bei der EVA Air.
AUA war ein uralt Flieger ohne Entertainment. Bei EVA hatte jeder einen Bildschirm.
Da nutzt es auch nichts das die AUA Kellnerinnen freundlicher sind.

F F
12.01.2010 19:22

Der Ausdruck Aua Kellnerinnen sagt einiges über sie aus

h 90
13.01.2010 03:13

und was sagt das jetzt ueber mich?

F F
13.01.2010 09:47

Das sie ein Problem mit Frauen haben.

h 90
13.01.2010 10:19

OK, gibt ja auch einige Maenner in dem Beruf: Kellner und Kellnerinnen.

skip it
13.01.2010 10:18
wot?...

...sind s' wo ang'rennt?

F F
13.01.2010 17:08

Schreiben sie einmal etwas sinnvolles, bitte nur einmal

skip it
14.01.2010 08:10
bitte, nach ihnen...

Ceterum Censeo2
04.01.2010 13:12
AUA produziert zu teuer

Ich bin immer wieder erstaunt, wen ich höre, wie wenige Flüge das fliegende Personal macht, viel weniger als bei anderen Airlines. Zusammen mit den stattlichen Gehältern und den alten Flugzeugen ergibt das hohe Kosten. Und ich sehe bisher nur Kostenkosmetik, keine echten Maßnahmen.

In Hochpreiszeiten war das Produkt wettbewerbsfähig, derzeit überhaupt nicht, weder hinsichtlich Qualität, noch hinsichtlich Preis.

Allein schon der verkniffene Gewerkschaftsblick der Flugbegleiter (innen) schreckt ab!

Bezüglich Air France kann ich Ihnen nicht zustimmen. Deren Service ist durch Arroganz geprägt, der Kunde zählt gar nichts.

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