Heinzls "Chili con Carne": Der ORF als Info-Killer

3. Jänner 2010, 17:39

Wieder einmal hätte Österreich es in der Hand gehabt, besser zu sein - Die Chance wurde vergeben

Am Montag nach den Weihnachtsfeiertagen war im ORF-Fernsehen eine Sparvariante der Zeit im Bild um 19.30 Uhr zu besichtigen - eine Sendung, die fast völlig der ZiB um 13.00 Uhr glich. Inklusive TV-Ausschnitt und Story aus der aktuellen Ausgabe der Krone.

So schaut die Info-Wirklichkeit des Wrabetz-Fernsehens aus. Bevor er die Macht im Staatsrundfunk übernahm, war die Abend-ZiB noch auf beiden Großprogrammen zu sehen. Der von einer Regenbogenkoalition unter kräftiger Mithilfe der Grünen in diese Position gehievte ehemalige Spitalmanager reduzierte die ZiB auf den Zweierkanal. Jetzt sind - so scheint es - vermehrte Wiederholungen von Nachrichtensendungen mit Zustimmung des Info-Direktors eine konstruktive Maßnahme zur Kostenreduzierung im ORF.

Das reicht (oder qualifiziert ihn?), um im Branchenblatt Extradienst von Medienleuten - mehrheitlich aus dem Werbesektor - zum "Kommunikator des Jahres" gewählt zu werden. Als die Jury zusammentrat, war der nächste Wrabetz-Coup bereits bekannt. Um höhere Zuseherquoten und mehr Werbeeinnahmen zu generieren, wurde Dominic Heinzl von ATV ins ORF-Abendprogramm geholt. Als Konkurrenz zur ZiB ab 11. Jänner. Weiter sinkende Nachrichtenquoten sind offenbar eingeplant.

"Is eh wurscht", könnte man meinen. Von Medienleuten ist das bereits zu hören, "denn damit rücken die Politiker-Statements in den Hintergrund". Wichtiger sei ohnehin die ZiB 2. Bravo. Anstatt die ZiB 1 durch gesteigerte Qualität aufzumotzen, überlässt man sie ihrem Schicksal. Heinzl, als Adabei eine Art Platzhirsch, wird die Einschaltziffern "seiner" Konkurrenz weiter drücken. Mit "Chili con Carne", Würze mit Fleisch.

Sollten sich die Spitzenleute der österreichischen Werbewirtschaft über die Koalitionäre aufregen, weil die den ORF über das neue Gesetz noch enger an die Parteipolitik ketten, müssten sie eigentlich darüber nachdenken, was sie mit der zitierten Auszeichnung signalisieren: dass sie, wenn es um die Qualität und die Unabhängigkeit des ORF geht, um nichts besser sind als die Spitzenpolitik. Denn worin besteht die Leistung von Wrabetz? Auf Kosten der Demokratie den eigenen Job gerettet zu haben.

Dass die Zustände der Medienpolitik in Italien (vor allem), aber auch in Deutschland teils noch übler sind, ist keine Ausrede. Wieder einmal hätte Österreich es in der Hand gehabt, besser zu sein.

Die Chance wurde vergeben. Verständlich, wenn man erlebt, wie ernst eigene Auftritte in Seitenblicke-Sendungen von Medienmachern genommen werden und mit welcher Inbrunst (Beispiel: ein Club 2 im Herbst) die "Unterhaltung" verteidigt wird. Das Donnerstag-Kabarett (das gibt es noch) war damals nicht gemeint.

Gut, dass es bei den Printmedien noch einen halbwegs argumentierbaren Pluralismus gibt. Die Prioritäten der "Medienwelt" sind auch hier ziemlich klar. Im zitierten Ranking steht der Österreich-Chef an zweiter Stelle. Und damit sich der Kreis schließt, werden Extradienst-Herausgeber Christian W. Mucha und Krone-Kolumnist Michael Jeannée mit Heinzl von ATV zum ORF wechseln. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, Printausgabe, 4.1.2010)

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bixente uhudla
 
01
18.1.2010, 13:25

seit heinzl gleichzeitig mit der zib rennt,schaue ich um diese uhrzeit wieder die zib...vorher hab schon mal öftters lieber den onkel charlie geschaut...

werwolfi
00
18.1.2010, 23:02

mir gehts ganz präzise genau so...

pringles
01
wo ist

der "gefällt mir nicht" Button?

t-bonesteak
00
der orf hat bis zeiler

sehr gutes öffentlich-rechtliches programm gemacht. nachrichten, dokus, eigenproduktionen oder "sport am montag" im vergleich zu dem schrott, der heute produziert wird.

seit zeiler geht es anstatt sich abzugrenzen vom privat-tv-müll nur noch darum, möglichst denselben stuss zu senden. da bräuchte es schon einen gewaltakt, um eine umkehr zuwege zu bringen

avalon87
00
Bei aller Liebe...

... aber die Aufgabe der Massemedien, wie der Name impliziert, ist es nicht ein paar Intellektuelle in Österreich (und die Zahl derer ist nun wirklich schwindend gering) mit Informationen zu versorgen, sondern eben die Masse zu unterhalten. Daran ist nichts verwerfliches - solange sich diverse Medienmacher nicht im Nebel der Pseudo-Intellektualität verstecken sondern sich klar dazu bekennen. Der Masse sind die Nachrichten genauso wichtig wie ein Heinzl. Nur wird Letzterer eher gern gesehen, immerhin unterhält er und mann muss sich nicht den Kopf über wirtschaftliche oder politische Dinge zerbrechen. Denn der dröhnt ohnehin noch vom lesen der Schlagzeile einer gewissen Tageszeitung beim Frühstück.

the_ladybug
02
Die "Aufgabe" der Massenmedien...

oder das was Sie darunter verstehen ist nicht gleichzusetzen mit der eines öffentlich-rechtlichen Senders.

Dieser hat einen Programmauftrag zu erfüllen. Der besteht natürlich auch aus Unterhaltung, aber der Bildungs- und Kulturauftrag wird seit Jahren alles andere als erfüllt...

und offenbar interessiert das auch keinen. Sonst würde nicht dauernd an Qualität gespart - Ö1 ist auch schon am absteigenden Ast. Warum man hier die Nachrichten auf Ö3-Niveau zusammenkürzt bleibt mir schleierhaft...

Sinnhafte Medienpolitik: Mission Impossible in Österreich :/

Heilige Hostie
01
Heinzl ist der Todesengel

des guten Geschmacks, in jeder Hinsicht.

lilian
02
bei den printmedien gibt es pluralismus?

höhöhö - 3x kurz gelacht.

werwolfi
00
18.1.2010, 23:04

ich darf Armin Thurnher zitieren:

"im übrigen bin ich der meinung, der Mediamil-komplex muss zerschlagen werden"

seit jahren und nach wie vor sehr sehr wahr...

KomaPoster
00
Wen juckt denn der Extradienst?

Jeder weiß doch wie man was wird im des Hrn. Promissars Extrablättchen.

Jede Müncher, Stuttgarter oder Berliner Vereinszeitung ist gewichtiger als diese angebliche Branchenblatt im Wiener Dorf.

Wir alle wissen, dass Hr. W. nur ein Politikum ist. Der ORF längstt zu PR Postilie der Parlamentsparteien verkommen ist und die Östereichs Medienlandschaft selbst für Nordkoreanische Verhältnisse eine gar Kümmerliche ist.

Wer da noch einen Kommentar zu einer Meldung des Extrablättchens verfassen muss, muss wohl schon arg am Gagenhungertuche nagen. Oder ist reif für die (Wörthersee)Insel.

Vermeeren
00

Wieviel ist eine Auszeichnung des Extrablatts wirklich wert? Beziehungsweise, gibt es ähnliche Auszeichnungen auch von anderen Medien-Fachzeitungen in Österreich wie der medianet? Und sind diese Rankings auch bezahlte PR-Einschaltungen?

Fragen über Fragen!

wasweißich?
00
hab gestern zufällig irgendeine ZIB gesehen

da wurde über irgendeine Oldtimerrallye berichtet

bin ich froh wenn es nicht mehr ZIB gibt

m3a
02

michael jeannee bei orf? holts ma bitte an schnops, des hoit jo keine sau aus!

Crazy Business
00
ha ha ha


ui jeggerl - da scheppert aber unsere linkes reichsdrittel :-(((

äh
00
ZIB zum Hypo-Skandal:

Nur "Pröll fordert Aufklärung".
Fein heraußen!

lautsprecher
00
Wrabetz hat den Preis dafür erhalten,

dass er dem Ablösedruck standgehalten hat, nicht für konstruktive Programmansätze. Die Systemerhalter tragen ganz einfach dazu bei, dass Fernsehen weder im Bereich der Information noch im Entertainment in Zukunft Relevanz haben wird

Ceterum Censeo2
210
Extremes Info Defizit

Erbärmliche Wirtschaftsredaktion
In Ö1, dem einzig vernünftigen Sender (außer zeitweise FM4) praktisch nur Kultur.
Im TV keinerlei Wirtschaft. Wenig Politischer Hintergrund. Wenig Reportagen, Dokumentationen.

Wozu also öffentlich rechtliches TV?

werwolfi
00
18.1.2010, 23:06

"Wozu also öffentlich rechtliches TV?"

was für eine frage - damit man zwangsgebühren einheben kann! ;oP

gr.ado
 
00

... der Werbewirtschaft isses wurscht, solange zwischen 19:00 und 20.15 45min Werbung läuft ...

taufrisch
00
Hat's beim ORF nicht einmal einen "Informations-Intendanten"(!) gegeben ?

sachertorte2
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Solange es arte und 3 sat gibt und sky einigermaßen erschwinglich bleibt gibt es keinen Grund sich über das ORF Fernsehprogramm zu ärgern. Allerdings ist und bleibt die Zwangsgebühr eine bodenlose Frechheit.

F F
00

Und wodurch finanzieren sich 3Sat und arte

werwolfi
21

nicht durch die österreichische ORF-zwangsgebühr, soviel ist mal sicher.

F F
00

Was macht sie so sicher? 3Sat ist ein Gemeinschaftssender von ZDF , ORF und dem Schweizer Fernsehens und als solcher Gebührenfinanziert. Aber ihre Eistellung ist, sollen die Anderen nur Zahlen.

typograph
01
Na ja, die Zwangsgebühr ...

... ist ohnehin nicht wirklich durchzusetzen.
"Haben sie einen Fernseher?"
"Nein."
"Darf ich reinkommen?"
"Nein."
Ende der Geschichte.

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