ÖHB-Teammanager Higatzberger träumt davon, dass Österreich bei der EM einen Lauf kriegt. Er sieht durchaus einen Heimvorteil und bewundert Teamchef Sigurdsson
Standard: Worum geht's in den letzten Tests vor der EM? Es will sich ja niemand wehtun.
Higatzberger: Feinschliff ist ein blödes Wort. Aber man kann taktische Varianten ausprobieren, man spielt sich ein. Natürlich versucht man, die Verletzungsgefahr niedrig zu halten. Aber wir wollen mitspielen bis gewinnen.
Standard: Österreich hat sich intensiv auf die EM vorbereitet. Wie groß kann der Heimvorteil sein?
Higatzberger: Ein großes Plus ist, dass unsere Liga früher in die Pause ging. Andere Länder haben bis Ende Dezember Meisterschaft gespielt. Unsere Spieler konnten länger Kraft tanken.
Standard: Österreich stützt sich sehr auf Deutschland-Legionäre.
Higatzberger: Das stimmt. Doch die Legionäre haben genug Routine, um zur EM in Topform zu sein.
Standard: Österreichs Teamchef Dagur Sigurdsson ist auch Trainer der Füchse Berlin. Was bedeutet es, dass er dem Team nicht rund um die Uhr zur Verfügung steht?
Higatzberger: Für Dagur ist es wichtig, mittendrin zu sein im großen Handballsport. Vor allem sieht er in Deutschland auch die Legionäre der anderen EM-Teams, einige kommen auch bei der EM auf uns zu. Das ist viel wert.
Standard: Mit Sigurdssons Amtsantritt ging ein Ruck durchs Team. Was zeichnet ihn aus?
Higatzberger: Es ist bewundernswert, wie er auf den Erfolg fokussiert ist, alles andere ausklammern kann. Es ist ihm gelungen, eine verschworene, kampfstarke Einheit zu formen. Er kann sehr impulsiv sein, aber meist wirkt er wie ein Schachspieler, ein Stratege, der viele Züge vorausdenkt.
Standard: Von welchem EM-Verlauf träumen Sie?
Higatzberger: Die meisten Teams sind höher einzustufen als wir. Aber man kann auch sagen, wir können immer gewinnen. Mein Traum ist es, dass wir das richtige Spiel gewinnen und mit zwei Punkten in die Hauptrunde aufsteigen. Dann ist viel drin.
Standard: Sie waren Teil jenes Teams, das 1992 bei der Heim-B-WM für Furore sorgte und aufstieg. Gibt es Parallelen?
Higatzberger: Kaum. Seinerzeit hatten wir keine Legionäre, gab's einen Westwien- und einen Linz-Block. Jetzt bauen wir auf elf Legionäre, die haben mehr Erfahrung, können mit Druck umgehen, sind volle Hallen gewöhnt. (Fritz Neumann; DER STANDARD Printausgabe 2. Jänner 2010)
ZUR PERSON
Stefan Higatzberger (44), 163-facher Teamspieler, ist seit 2007 als
Teammanager für den Handballbund tätig. Aktuell bei seinem Stammverein
Westwien der (mit Abstand) älteste HLA-Spieler. Verheiratet, vier
Kinder.