Das Jahr der Wahrheit

1. Jänner 2010, 18:15

Die Regierung muss erklären, wie sie das Budget sanieren will

Die nächsten Monate werden nicht nur wegen der Landtagswahlen spannend: Sie werden Aufschluss darüber geben, was die Koalitionäre im Bund wirklich wollen - außer an der Macht zu bleiben. Dieses Jahr wird zeigen, ob die Entscheidungsträger in dieser Republik Verantwortung übernehmen.

2009 hat es keine Konsequenzen auf politischer Ebene für das Drama bei der Austrian Airlines, für die Kostenexplosionen beim Schwechater Flughafenterminal Skylink, die wachsenden Schulden bei ÖBB und Asfinag oder das Desaster bei der Hypo Alpe Adria gegeben. Das, was die Kärntner Politiker als "monetären Abwehrkampf" bezeichneten, war in Wahrheit ein Über-den-Tisch-Ziehen der anderen Verhandlungspartner. Diese Spezi-Kapitalisten vom Wörthersee, die Landeshaftungen für die Hypo Alpe Adria von 18 Milliarden Euro übernommen haben, wollen nun eine neue Landesbank gründen. "Verhöhnung der Steuerzahler" , wie Finanzminister Josef Pröll es ausdrückte, ist eine zu höfliche Bezeichnung dafür.

Die Wirtschaftsbelebung hat die Regierung im Großen und Ganzen gut hinbekommen, auch wenn man einzelne Projekte kritisieren kann. Es wurden insgesamt rund zwölf Milliarden Euro verteilt. Die heimischen und die internationalen Konjunkturprogramme haben ihre Wirkung rascher als erwartet entfaltet, sodass die Wirtschaft in Österreich im dritten Quartal 2009 auf Wachstumskurs eingeschwenkt ist und 2010 ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um bis zu 1,5 Prozent von den Wirtschaftsforschungsinstituten vorausgesagt wird.

Bisher hat vor allem der private Konsum die Wirtschaft gestützt: Die Konsumausgaben haben auch in der Rezession real zugelegt, zumal viele ihr Geld angesichts niedriger Zinsen und der Volatilität an den Finanzmärkten lieber ausgegeben haben. Aber nächstes Jahr ist vorbei, was 2009 die Konjunktur gestützt hat: relativ hohe Reallohnabschlüsse, die Ausweitung von Sozialtransfers und die letzte Steuerreform. Außerdem wird der Anstieg der Arbeitslosigkeit dazu beitragen, dass das Geldbörsel nicht mehr so locker sitzt.

Auch der Staat wird sparen müssen. Konjunkturprogramme und Rettungsaktionen für Banken haben das Budgetdefizit laut EU auf 4,3 Prozent getrieben. Ab 2011 muss Österreich jährlich 0,75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts an Budgeteinsparungen vornehmen, um die Maastricht-Kriterien wieder zu erfüllen.

Wo gespart wird, muss die Regierung heuer festlegen. Es wird sich zeigen, ob die seit Jahren angekündigte Verwaltungsreform, die bis zu drei Milliarden Euro bringen soll, ein Placebo bleibt, wie die Finanztransaktionssteuer, bei der auf eine EU-weite Lösung verwiesen wird. Bisher hat diese Regierung schon beim kleinsten Widerstand - Beispiel zwei Stunden Mehrarbeit für Lehrer - aufgegeben. Auch Steuererhöhungen, wie sie bereits in Deutschland diskutiert werden, werden wohl kommen - nach der Wien-Wahl.

2010 wird das Jahr der Zumutungen und ein Test, ob Politiker ihre Ankündigungen - wie die angesprochene Verwaltungsreform - umsetzen und ob sie Mut haben, Bürgern die Wahrheit zuzumuten. Das Volk hat ein Recht darauf: Denn die Rechnungen muss immer der Steuerzahler begleichen. (Alexandra Föderl-Schmid/DER STANDARD, Printausgabe, 2.1.2010)

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fasziniert
00
Es wird auch höchste Zeit, die extra für die AUA geschaffenen Flugrouten über Liesing einzustellen

Denn nur weil es etwas kürzer oder einfacher ist, einfach über 100.000 Menschen d'rüberzufliegen, war vielleicht mit einer österreichischen Fluglinie noch irgendwie argumentierbar, mit einem deutschen Konzern ist es das nicht mehr.

Schon gar nicht, wenn man bedenkt, dass Fluglärm bereits ab 40 dB(A) Dauerschall pro 1 Dezibel mehr zu einer Erhöhung des Risikos für Schlaganfälle+Gehirnblutungen um 13% führt und das Risiko für Depressionen um 18% erhöht.

Die daraus resultierenden Gesundheitskosten sind um so höher, je mehr Fluglärmbetroffene es gibt. Und die belasten - abgesehen vom persönlichen Leid - auch alle Steuerzahler. Die Verwendung von Alternativen zu Flugrouten über Liesing => nur 1% Betroffene, nützt also der Allgemeinheit!

fasziniert
00
Sparen könnte man bei der Verursachung unnötiger Gesundheitskosten z.B. beim Fluglärm

Flugrouten über dicht besiedelten Gebiet verursachen unnötig viele Betroffene. Nachdem sich die Gesundheitskosten aus der Multiplikation Betroffene * Risiko ergibt, bietet die Einstellung unnötiger Flugrouten über dicht besiedelten Gebiet, ein entsprechendes Einsparungspotential. Alleine durch die Verwendung von Alternativen zur Flugroute über Liesing könnte man die Betroffenen von 100.000 auf 1000 senken.

Leider läuft die Entwicklung aber noch immer in die falsche Richtung. So scheinen Studien, welche die Gesundheitsschädlichkeit von Fluglärm ab 40 dB(A) Dauerschall unter Tags belegen, das Infrastrukturministerium nicht daran zu hindern, die Werte auf 62 dB(A) hinaufsetzen zu wollen
("Luftverkehr-Immissionsschutzverordnung").

h k
02
ganz klar - die berühmte Österreichische Lösung

keine Verwaltungsreform, der "Föderalismus" als Beschäftigungsmittel für zweitklassige Politiker und tausende Beamte mit "wohlerworbenen" Rechten bleibt unangetastet.
Dafür "Sparpaket das X." Heißt selbstverständlich Steuererhöhung, die "Reichen" müssen zahlen,wobei der "Reichtum" in Österreich bekanntermaßen so niedrig beginnt wie sonst nirgendwo auf der Welt.

Dr.in Luitpold Bäringer
00
Wenn die Reichen nur adäquat zahlen täten

Und zwar die richtig Reichen, die 10% die über 54% des Vermögens im Land verfügen

Aguirre74
 
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Die Tragik unserer Tage ist, dass Politiker geistiges Mittelmaß und moralisch unterste Schublade sind. Aber was erwartet man sich, wenn Politik zu einer Fernsehshow verkommt?

Dr.in Luitpold Bäringer
02
Nicht nur die Politiker, auch die Journalisten

teuerzahler
03
diese regierung wird kein budget mehr sanieren!

diese regierung ist unser aller ruin.

bis auf ein paar eliten: minister, mandatare, parteikassen und die top-'manager' aller staatsnahen 'unternehmen' von asfinag bis öbb, von evus bis önb, von orf bis wkö.

Verkaufe Religionsscharlatan 90 Cent / Kg
03

Ich werde hier keine Wertung abgeben weil kritische Meinungen speziell bei Föderls Berichterstattungen undemokratisch zensiert werden.

Dr.in Luitpold Bäringer
01
Ich muss Ihnen absolut recht geben

Unfassbar - sitzt die Dame da selbst dabei mit dem Schneideapparat?

S. Enfspender
00
Literaturtipp:

Das jüngste Buch von Roland Leuschel -"Die Inflationsfalle" - gibt einige Hinweise, wie sich die Regierung ihrer Schulden auf elegante (?) Weise (z.B. durch eine bewußt gesteuerte Hyperinflation mit anschließender Währungsreform) entledigen könnte - und vermutlich auch tun wird. Alternative: drastische Erhöhung der Massensteuern. Es kann einem jedenfalls angst und bang werden, wenn man diese Chaostruppe (nicht nur in Österreich) bei ihrer "Arbeit" beobachtet.

potz
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ich wage eine Prognose: das Forschungs- und Unibudget wird zusammengestrichen werden.

Plato meint: das sieht auch ein Blinder
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i hob di so gern

i könnt narrisch wern... und i könnt beschwörn, dass i dei herzerl schlagn hörn

Wieviel Demokratie ist es bitte?
01
Solange

die Berufsurlauber und Lethargokraten ständig und zuverlässig als Steuerstaat frisches Geld vom steuergebenden Anteil der Bevölkerung nachgefüllt bekommen, - zumeist am 15. und 30. jeden Monats -, würde ich weder mit Erklärungen, noch mit Überraschungen rechnen, schon gar nicht mit Spannung(en).

Was die Wahlen betrifft, werden sich die Stimmen derjenigen die überhaupt noch Wahllokale aufsuchen ca. dritteln. Ein Drittel für die durchfallfarbene Ein-Thema-Partei im blauen Eimer, zwei Drittel für die grau-grauen Koalitionäre, die aus Gründen der absichtlichen Wählerverwirrung noch immer als "Rote" und "Schwarze" auftreten werden, abzüglich einer homöopathischen Dosis für die Treehugger der Grünen.

Dr.in Luitpold Bäringer
01
Die Macht- und Planlosigkeit der Treehugger ist in der Tat entsetzlich

Magic Wand
 
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also, das mit dem wünschen ist halt schon fast 2 Wochen vobei


Jetzt heißt es, der Realität in's Auge zu sehen:

Und das sind unsere Politiker ...

Fred Fido
010
Und warum?

Die Regierung muss erklären, wie sie das Budget sanieren will. Aber warum sollte sie?
Der österreichische Wähler hat über Jahre bewiesen, dass er/sie belogen werden will.
Die SPÖ hat 1983 VOR den Wahlen Steuererhöhungen angekündigt und hat die Mehrheit verloren.
Die ÖVP hat 2000 den Österreichern erzählt, dass keine Steuern erhöht werden. Der Grasser hat uns dann die größte Steuer und Abgabenerhöhung der 2 Republik beschert (68.000.000.000 ATS mehr!) und die ÖVP ist als Sieger aus der nächsten Wahl hervorgegangen.
Liebe Leute, die Wahrheit zahl sich politisch in Österreich nicht aus.

Bergdolm
13

Das ist eben die Schwachstelle jeder Demokratie.
Trotz allen humanen Vorteilen, muss man diese Nachteile eben auch zur Kenntnis nehmen.

Ehrliche Aussagen, Ankündigungen von langfristigen richtige Maßnahmen sind eben nicht populär und bei der breiten Bevölkerung nicht mehrheitsfähig.

Da die Medien das Wahlvolk entsprechen lenken, kann man ohne weiters von "Scheindemokratie" sprechen.

Aber ein besseres System kenne ich auch nicht - event. das der alten Griechen.

Zur Kenntnis nehmen sollte man eben, dass jedes System seine Leistungsgrenzen hat - auch die Demokratie.
Ganz große, wichtige, notwendige Weichenstellungen sind "demokratisch" eben nicht möglich.

Dr.in Luitpold Bäringer
02
Und "Das ist eben...." :

Das kann als Aussage nicht akzeptiert werden, DAS IST EBEN viel zu wenig um als Staatsbürger diese Bezeichnung auch zu verdienen.

Ich will Sie nicht persönlich angreifen, jedoch dies in aller Deutlichkeit sagen.

MfG

Bergdolm
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Ich fühle mich nicht "persönlich" von Ihnen angegriffen.
"Das kann als Aussage nicht akzeptiert werden .." ist eben "Ihre" Meinung.
Bitte schreiben Sie daher: "Ich kann diese Aussage nicht akzepieren ..." - nur so ein Vorschlag.
Oder sprechen Sie für "die Masse" - sind Sie deren Sprecher? Sind sie autorisiert und wenn, von wem?

Dr.in Luitpold Bäringer
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Demokratie und Ochlokratie, da gibts einen gewaltigen Unterschied

Bergdolm
00

Ich kenne den Unterschied:
Ochlokratie ist die "Pöbelherrschaft" http://de.wikipedia.org/wiki/Ochlokratie
Genau die möchte ich nicht - eher das Gegenteil.
Möglicher Weise war meine Aussage zur Demokratie "event. das der alten Griechen" nicht präzise, sogar falsch gewählt.

Demokratie = Volksherrschaft
Bei den alten Griechen war der Begriff "Volk" aber relativ eng gefasst.
Genau das meinte ich.

Ich bedaure die dadurch ausgelösten allfälligen Mißverständnisse.

Ernst Bernhart
 
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Fred Fido Sie sprechen aus der Seele .

myschkin
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Die Politiker könnten sich doch so einig zeigen wie wenn es um die Parteienfinanzierung geht: Wahlversprechen müssen zwingend eingehalten werden. Wer dagegen verstößt, wird bei den nächsten Wahlen ausgeschlossen.

toneburst
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... oder gleich eine sog. "Volksdemokratie" einführen, wenn Sie so ungezwungen von Zwang reden ;-)

saxo lady
 
00

looooool

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