Eine gleichere Kindheit

Ana Tajder, 1. Jänner 2010, 17:53
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    foto: reuters

    Tito wurde im "Haus der Blumen" beerdigt, was zu schön klang, um mit dem Tod in Verbindung gebracht zu werden. Für uns war er aber immer noch lebendig. Er schaute immer noch in den Klassenzimmern auf uns herab.

Was für ein Name! Wie Cher oder Madonna. Wie Jesus. Oder Che. An einen solchen Namen muss man einfach glauben. Und er war allgegenwärtig. Über Josip Broz Tito

In der Schule musste ich eine blaue Kutte tragen. Wegen der "Brüderlichkeit und Gleichheit" . Das war das Motto von Titos Jugoslawien. Und Tito blickte immer und von überall auf uns herab. Um zu sehen, ob wir alle brav brüderlich und gleich waren. In jedem Klassenzimmer hing ein schwarz-weißes Bild von ihm. Direkt über der Tafel. Tito.

Was für ein Name! Wie Cher oder Madonna. Wie Jesus. Oder Che. An einen Menschen mit solch einem Namen muss man einfach glauben. Und er war allgegenwärtig: Er war in jedem öffentlichen Raum, in den Zeitungen, im Fernsehen und in den Filmen. Wir dachten, er würde für immer da sein. So wie die Sonne.

Ich mochte Tito! Er erinnerte mich an meinen Großvater. Nicht, dass sie sich ähnlich sahen. Vielleicht war es nur die Brille mit dem dicken Rahmen. Oder der Blick des Menschen, der alles wusste.

Aber Tito wusste nicht alles. So wusste er zum Beispiel nicht, dass meine Mama nähen konnte. Und dass sie es gerne für mich tat. Das waren die Zeiten, als man, um etwas Besonderes zu haben, es selber machen musste. Oder ins Ausland fahren. Also ja, meine Kutte war blau, hatte aber Rüschen um die Schultern und am Rock und auch eine riesige Schleife am Popo. Sogar uniformiert sah ich anders aus. Ich war die sozialistische Sarah Kay. Die Prinzessin der blauen Kutten.

Das mit der Gleichheit in Jugoslawien war überhaupt sehr interessant. Ja, wir waren gleich, es gab aber Gleiche und Gleichere. Meine besten Freunde in der Schule waren: Titos Enkelsohn, der Sohn der berühmtesten jugoslawischen Opernsängerin, der Enkel des Staatspräsidenten zwischen 1983 und 1984, die Tochter eines Schaffners und die Tochter einer Kellnerin. Ich weiß nicht, ob das an der Gleichheit oder nur an unserem Alter lag. Aber insgesamt waren wir wirklich alle irgendwie gleich. Oder besser gesagt, die Unterschiede waren nicht groß. Alle hatten einen sicheren Job, ein Dach über dem Kopf, ein Auto, und alle kauften in den gleichen Geschäften ein. Wir gingen auch alle in die gleiche Ballettschule und zum gleichen Schwimmtraining.

Meine Eltern waren gleicher. Und dabei war unser einziger Luxus, dass meine Mama auf der Straße erkannt wurde, was manche Türe schneller öffnete (das war wichtig, weil sich Mama immer verspätete). Sie war Schauspielerin, eine der berühmtesten in Jugoslawien, und trotzdem arbeitete sie auch als Grafikdesignerin für die einzige kroatische Schülerzeitung. In Jugoslawien waren Stars gleich wie Nichtstars. Niemand verdiente mehr Geld, weil er/sie ein Star war. Ich besuchte Mama wahnsinnig gerne auf den Sets, und noch lieber spielte ich selbst mit. So verdiente ich mir mein erstes Fahrrad. Papa war Architekt und plante Kindergärten und Schulen. Wir standen oft in Zeremonien, als er Preise erhielt, und der schwarz-weiße, streng eingerahmte Tito blickte immer stolz auf uns herab.

Während die Eltern arbeiteten, war ich in der Ganztagsschule. In Jugoslawien hatte jeder einen Job, und es war auch selbstverständlich, dass Frauen arbeiteten. Hausfrau war für uns ein unbekannter Begriff. Die Schule endete um vier Uhr, und danach ging ich in die Ballettschule.

Ja, Ana, so wie Anna Pawlowna! Ballett war für die Mädchen aus gleicheren Familien ein absolutes Muss. Es gab nur eine Ballettschule, und das war die der Staatsoper. Sie war natürlich gratis, so wie für Jungs Hockey, Basketball oder Schwimmen gratis war. Und da sie gratis war, musste man eine Aufnahmeprüfung bestehen. Der Staat wollte kein Geld auf hoffnungslose Pawlownas verschwenden.

Der Ballettunterricht war genauso trocken wie der Unterricht in der Schule, aber die Atmosphäre war romantischer. Die Ballettschule war in der Altstadt in einem Altbau, aus dem man über ganz Zagreb blicken konnte. Von meinem Platz beim Fenster schaute ich direkt auf einen Magnolienbaum, der im Frühling mit atemberaubenden rosa Blüten bedeckt war. Das war das einzige Rosa in der Ballettschule. So wie es sich in der russischen Balletttechnik gehört, machte ich jeden Tag hunderte Pliés und Tendus und Grands Battements und verstand absolut nicht, was dieser schmerzhafte Drill mit dem geträumten Pas de deux mit Svebor (damaliger Startänzer an der Zagreber Oper) zu tun haben sollte. Außerdem war der rosa Traum vom Ballet bald farbenblind geworden - zwecks Gleichheit mussten wir schwarze Trikots und weiße Strumpfhosen tragen. Und anders als bei meiner Schuluniform gab es hier kein Schummeln. Meine Eltern versuchten es einmal, es endete aber in einem traurigen Fiasko. Sie waren in Wien gewesen und hatten mir dort ein schwarzes Trikot mit einem Mini-Tutu gekauft. Und rosa Strumpfhosen. Ich trug diese nichtgleichen Sachen genau ein einziges Mal. Die Lehrerin rief gleich nach der Stunde meine Mama an. Sie erklärte, dass man unter dem Tutu meine Hüften nicht sehen konnte. Das bedeutete: zurück in die schwarz-weiße Uniform. Ich wurde wieder gleich.

Treue und ehrliche Freunde

Das einzige Mal, das ich gerne gleich war, war, als ich zu Titos Pionieren aufgenommen wurde. Das passierte in der ersten Klasse, also mit sechs Jahren. Wir mussten einen Eid auswendig lernen, in dem wir auf die Gleichheit und Brüderlichkeit schworen und auf die Ideen, für die Tito gekämpft hatte. Wir mussten auch schwören, dass wir brav lernen und arbeiten werden, unsere Eltern und Ältere und alle Menschen, die Freiheit und Frieden wollen, respektieren werden. Und dass wir immer treue und ehrliche Freunde sein werden. Wir trugen weiße Blusen (ausnahmsweise hatte ich keine Rüschen, wahrscheinlich hatte die Lehrerin meine Mama vorgewarnt), dunkelblaue Röcke/Hosen und weiße Strümpfe. Nachdem wir den Eid brav rezitiert hatten, bekamen wir unsere blauen Kappen mit rotem Stern, rote Tücher und glänzende rote Pionierausweise. Wir waren von Stolz erfüllt! Bald danach tunten Mama und ich meinen Stern mit rotem Nagellack. Ich kann mich nicht mehr erinnern, warum. Vielleicht war er uns nicht rot genug. Oder er war zu gleich.

Die aufregendste Zeit meiner Kindheit in Titos Jugoslawien war das Jahr, in dem wir Energie sparen mussten und mehrmals in der Woche der Strom abgeschaltet wurde. Das war fantastisch! Mein Papa kaufte mir eine coole schwarz-gelbe Taschenlampe, die in die Schultasche reinpasste. Es war ein unvergessliches Abenteuer, mit meiner Nachbarin Ivana nach der Schule durch stockdunkle Straßen nach Hause zu gehen. Und das finstere Stiegenhaus bis in den vierten Stock nur mit dem kleinen Licht aus der Lampe! Endlich konnten wir unseren Pionier-Geist beweisen. Zuhause warteten meine Eltern, umhüllt von warmem Licht aus der Petroleumlampe und geheimnisvoller Stille. Diese Ruhe war unvergesslich. Kein Fernseher. Was nicht so schlimm war: Es gab sowieso nur einen einzigen Zeichentrickfilm am Tag, und ohne den konnten wir gut leben. Aber, was für meinen Vater wirklich schlimm war, keine Musik aus seiner Hi-Fi-Anlage. Es gab keine Ablenkungen. Es war gut.

Unsere größte Freude waren die Rollerskates, die wir immer anhatten, wenn wir nicht in der Schule oder im Ballett waren. Auch Gumi-Gumi, ein zwei Meter langes zusammengeknotetes Gummiband, mit dem wir zu dritt oder in Teams spielten. Zwei Mädels hielten das Band, und eine oder mehrere sind in streng geregelten Choreografien drübergehüpft. Dann gab es natürlich die Barbie, die man im Ausland kaufen musste und an der sich zeigte, wer gleich und wer gleicher war. Ich war gleicher, weil ich zwei Barbies, einen Ken und einen Barbie-Koffer hatte. Aber noch aufregender waren Stifte, Radiergummis und Blocks mit "Hello Kitty" oder "Little Twin Stars" . Diese Sachen waren so anders, so bunt und so speziell, dass wir bei jedem neuen Bleistift die glücklichsten Momente unserer Kindheit erlebten. Wir liebten sie, weil sie rar und unerreichbar waren. Man konnte sie nur im Ausland kaufen. Außerdem waren sie für unsere Verhältnisse teuer. Daher brauchten wir nur ein paar von diesen Sachen, um uns wie Königinnen vorzukommen.

1980 starb Tito. Wir hörten die Nachricht aus Papas riesiger Hi-Fi-Anlage, und die Sirene auf der Fabrik in der Nachbarschaft heulte hysterisch. Die gleiche Sirene schickte uns elf Jahre später in den Keller und holte uns nach ein paar Stunden voller Schrecken wieder heraus. Zwei Stunden nachdem ich diesen Bombenalarm zum letzten Mal im Leben gehört hatte, saß ich im verdunkelten Zug nach Wien. "Nur für ein paar Tage, bis sich die Lage beruhigt." Das war vor 18 Jahren, und Wien ist jetzt mein Zuhause.

Tito wurde im "Haus der Blumen" beerdigt, was zu schön klang, um mit dem Tod in Verbindung gebracht zu werden. Für uns war er aber immer noch lebendig. Er schaute immer noch in den Klassenzimmern auf uns herab.

1989 fiel die Mauer. Das ging uns aber nichts an. Seit dem Streit zwischen Tito und Stalin 1948 gehörte Jugoslawien nicht mehr dem kommunistischen Lager an. Obwohl sozialistisch, war Jugoslawien blockfrei und viel liberaler als der Ostblock. Die Grenzen waren offen, und mit unserem Reisepass konnte man ohne Visum in beide Richtungen, nach Westen und nach Osten, reisen. Wir hatten ein gemütliches und sicheres Leben. Lange Sommerurlaube am Meer, Reisen nach London und Paris. Und jedes Jahr Ski fahren in Österreich.

Papa war seit seiner Kindheit ein leidenschaftlicher Skifahrer, und Mama und ich mussten mitmachen. "Mussten" , weil es nicht immer nur lustig war. Dieser Urlaub kostete nämlich viel hart erspartes Geld und musste daher optimal ausgenutzt werden. Wir waren immer die Ersten und immer die Letzten auf den Liften. Wir fuhren bei jedem Wetter. Nebel, Schnee, minus 20 Grad? Nema problema! Mit drei stand ich schon auf kleinen roten Plastikski zwischen Papas Beinen. Und mit sieben gewann ich meine erste goldene Medaille in Fügen. Keine Ahnung, wo Janica Kostelić damals war. Ich glaube, sie war noch nicht geboren.

Die lange und mühsame Fahrt mit unserem roten Škoda hat sich immer gelohnt. Österreich war ein Wunderland. Es war das Land der mit weißem Schnee bedeckten Berge, der Frittatensuppe, Überraschungseiern, Mini-Kuhglocken und der riesigen Kellnerinnen, die Puppenkleider trugen. Ah, diese Puppenkleider! Genauso eins hatte die Frau in meinem Wetterhaus. Meine beste Freundin hatte eine Puppe mit diesem Kleid. Und es gab sogar ein Foto von meiner Oma, als sie jung war und so ein Puppenkleid trug. Ich liebte diese Puppenkleider. Sie stammten aus einem Märchenland, genau wie Tutus und Prinzessinnenkleider (es dauerte Jahre, bis ich lernte, dass das eigentlich Hochzeitskleider sind - meine Mutter heiratete in Jeans).

Erst als ich mit 17 nach Österreich übersiedelte, verstand ich, was diese Puppenkleider eigentlich waren. Mit 19 bekam ich dann endlich ein Dirndl und war überglücklich. Leider war mir schon beim ersten Blick in den Spiegel klar, dass aus mir nie eine echte österreichische Kellnerin in einem Skigebiet wird. Ich bin zu zierlich, und mein Busen ist definitiv zu klein. Immerhin war es schön zu wissen, dass einige Träume doch wahr werden - ein Tutu werde ich nie haben. Und zum Hochzeitskleid will ich mich lieber nicht äußern.

Und so besitze ich jetzt ein Dirndl, aber die Pionierkappe und das rote Tuch habe ich wohl verloren. Was Marschall Tito nur dazu sagen würde? Vielleicht lacht er gerade darüber. Und zwar zusammen mit dem Kaiser Franz Joseph. (Ana Tajder, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 02./03.01.2010)

Zur Person:
Ana Tajder, geb. 1974, studierte Wirtschaft in Wien. Nach Jobs in der Diplomatie und Werbung ist sie als freie Autorin und Journalistin tätig. Zuletzt erschienen: "Von der Barbie zum Vibrator" (2009, Czernin Verlag).

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  • Ein Mensch im Bild

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  • Fotos um mich herum [4]

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  • Beim Kanzler, 1977 [26]

    TitelbildDer Kanzler ist sechsundsechzig, er mag die kritischen Jungen im Land, die ließen ihn wichtige Wahlen gewinnen. Der Redakteur ist siebenundzwanzig, hat einen Kassettenrekorder mit

  • Ein Leben auf Grundstufe

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  • Fürchten müssen [3]

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Posting 1 bis 25 von 41
1 2
gerhuda
00
Nur zwei große Führer ...

... haben in der neueren Geschichte gelungene Vielvölkerstaaten zustande gebracht: einer davon war Tito, der andere Sukarno (in Indonesien).
Da ein weltumspannendes Staatsgebilde einfach noch unerreichbare Utopie ist, täten wir gut daran, von dem vielen Positiven an diesen zwei Beispielen zu lernen, anstatt es gänzlich in Frage zu stellen!
Wollen wir immer mehr kosovarische "Lösungen"?
In jedem Fall freilich wird noch allenthalben viel Blut fließen. Aber es kann weniger werden, wenn unsere Standpunkte offener werden!

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
Nur um Legenden vorzubeugen:

Auch Tito konnte längerfristig sein Vielvölkergebilde nur mit mehr oder weniger (jedenfalls weniger als die UdSSR, das sicher) brutaler Gewalt zusammenhalten - es wurden, und das wurde bald nach Titos Tod deutlich, die alten Konflikte, die schon den "SHS-Staat" in Schieflage gebracht hatten, nur unterdrückt, aber nie saniert. Siehe 1990 und folgende Jahre.

mumuj
02
Eine andere sicht der Dinge

Ich wurde im Jahre 1962 als Tochter eine Österreicherin und eines Kroaten in Split geboren. Da mein Vater aus einer vor dem 2. Weltkrieg vermögenden Familie stammte, wurden wir als Folksfeinde betrachtet. Es wurden ihm unglaubliche Stolpersteine in der Kariere eingebaut.Beim Begräbnis des Großvaters haben die Geheimpolizisten den Trauerzug fotografiert. Willkürlich wurden die Regimekritiker auf "Goli otok" verschleppt.Die Stadt Split war dreckig und verwahrlost, für jede einfachste Leistung hat man Bestechungsgelder kassiert.Die selben Leute, die den Tito beweint haben, sind jetzt die eifrigsten Kirchengeher, dazu kamen die Ultranationalisten von Diaspora.Ein geprüftes Land.

mitrovic dejan
91
Begründung warum

Erstens ihre Vater ist nicht Österreicher sonder Nazi Deutscher.Damals haben keine Österreicher existiert in Nazi Deutschland.Als ihre Vater Dinst nacht vorschrift gemacht habe.und Ihre vermügen stamt vom Geraubtem und brutal emordetem armen Opfer.Schemen sie sich nicht einbisien.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
04
wer oder was die Vorfahren von mumuj waren,

ist nicht ganz so klar. Warum das Vebrecher gewesen sein sollen, schon gar nicht.

Deine jedenfalls müssen I*&#ten gewesen sein, und Du setzt die Familientradition eifrig fort.

Quasis Herr Karl
00
Applaus!

mumuj
01
Analphabet

wären sie des Lesens mächtig,hätten Sie gelesen, dass meine Mutter, die als Touristin und gebürtige Wienerin im Jahre 1960 nach damals Jugoslawien gekommen war und dort meinem Vater, dessen Familie seit immer dort gelebt hat kennengelernt hat, geheiratet und geblieben ist.Die Represalien, die die Familie meines Vaters hatte waren, weil sie sich als intellektuelle nicht der Diktatur des Proleteriats unterwerfen wollten, waren nicht bereit, ihren Land den Rücken zu kehren und da sie politisch immer Demokraten waren konnte man ihnen nichts anhängen.

mitrovic dejan
40
Diktatur des Proleteriats ?

Aber sie haben gerne den Rücken gekehrt vom ihren Heimat und nach Österreich gekommen um zu bespucken Unseren Führer Tito.

Gegenflieger
00

Es hieß nicht Führer sondern Drug , oder auch Stari
im Volksmund.)

mumuj
06
Ich habe Diktatur der Liebe gewählt

einen kultivierten, wunderbaren Österreicher geheiratet und mit ihm vier Europäer in die Welt gesetzt.

Vollmeise
 
00

lol

Meine Güte, Dejan!

Sand
01
In jedem Klassenzimmer hing ein schwarz-weißes Bild von ihm. Direkt über der Tafel. Tito.

Als 10-jähriger, 5 Jahre nach dem Krieg wusste ich es als wir von Jugoslawien nach Österreich kamen. Was Tito für Jugoslawen war Theodor Körner für Österreicher. Beide von der Klassenwand auf uns Schüler herabsehend. Wenige Jahre später verstand ich, dass beide eigentlich nur den Habsburgerkaiser nachahmten.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
20
Gut beobachtet!

Aber natürlich, Kunststück: Körner war im 1. WK General der k. u. k. Armee, und Josip "Tito" Broz Mechaniker und Einfahrer bei Austro Daimler, also auch im "Elitebereich" der Doppelmonarchie tätig.

Petar K
00
Libertas

Gleichheit ist eine Sache der Gerechtigkeit. Jede andere Gleichheit, als jene, dass alle darin gleich sind, dass sie frei sind, führt zu Ungerechtigkeit. Aus dieser Sicht betrachtet ist Freiheit Reichtum. Das Problem liegt nicht in der Verteilungsfrage der Ungleichheit der Freiheit bzw. des Reichtum. Sondern das Problem liegt darin, dass eine winzige Minderheit über Verwendung von Reichtum bzw. von Freiheit entscheidet und diese zu ihrer Privatsache macht. Diese Minderheit denkt gar nicht daran von der Freiheit etwas mitzuteilen, sie ist also gar nicht frei, sondern despotisch. In der Despotie wurde es verabsäumt eine Diskussionskultur zu lernen. In der Despotie waren die daran gewöhnt, anderen ihre Meinung ohne Diskussion aufzuzwingen.

JonBut
00

Fehlt das Wort Verantwortung in Ihrer gutgemeinten "Verallgemeinerung", denn sie hält Freiheit leider zunehmend im Stich.
Ausserdem: Recht ist Konsens, somit Gerechtigkeit die Konsequenz daraus.

Petar K
00
Unterschiedliche Rechtstheorien

Es gab im ehemaligen Jugoslawien mehrere ganz unterschiedliche Rechtstheorieentwicklungen.
In griechischen Stadtstaaten hatte der Begriff "Freiheit" eine andere Bedeutung, als im ländlichem Raum, wo das Gewohnheitsrecht teilweise in manchen Gegenden auch den Begriff "Verantwortung" kannte.
"Gerechtigkeit" in ehemaligen griechischen Stadtstaaten war die unparteiliche Gemeinsamkeit, die jedem individuell von Geburt an zu stand, also, ein idealer Zustand, aus welchem sich später der Begriff Freiheit entwickelte, als man auch Nichtgriechen nämlich Barbaren kennenlernte. Diesen Barbaren stand auch die Gerechtigkeit zu, weil sie Menschen waren, jedoch denen stand nicht a priori die Freiheit des jeweiligen griechischen Stadtstaates zu.

jean-pierre
03
molto sympatico

Toporosso
02

Hätten sie in den Siebzigern auch noch freie Wahlen, unabhängige Justiz und Pressefreiheit eingeführt, hätte Jugoslawien wohl ein attraktives Gesellschaftsmodell abgegeben. Mit einer pluralistisch-demokratischen Öffentlichkeit wäre es vielleicht auch schwerer gewesen, die in der Bevölkerung schlummernden nationalistischen Ressentiments zur Durchsetzung der machtpolitischen Interessen einiger Funktionärsschichten zu entfesseln.

Vollmeise
 
03

Frau Tajder ist ihrer Mama sehr ähnlich (laut Foto in der Standard-Printausgabe), und sehr sympathisch. :)

Meine Erinnerungen wären ähnlich, ein bisschen anders, aber ähnlich. An Titos Tod erinnere ich mich sehr genau, es war der Sonntag, 04.05.1980, um 15:05 im "Nedeljno popodne" wurde die traurige Nachricht bekannt gegeben. Meine Mama weinte, mein Papa war sehr betroffen und ich konnte das nicht glauben. Ich dachte, Tito würde nie sterben. Eine Stunde später ging ich in den Park und spielte allein Volleyball gegen die Wand. Ein vorbei gehender Mann meinte: "Weißt Du nicht, dass Tito gestorben ist, was machst Du da?" Ich antwortete: "Drug Tito wäre sehr stolz auf mich, weil ich weiter trainiere und fleißig bin!" Er stimmte mir zu. :)

Gewinner
02
Tolle Geschichte!

wunderschön, mal die Geschichte anders zu erfahren, aus dem Persönlichen Winkel einer heranwachsenden jungen Frau. Tolle Arbeit!

Jukebox
01

Wurscht.
In spätestens 10 Jahren sind alle nationalistisch geprägten Nachfolgestaaten YUs in der EU. Für die Gleichschaltung sorgt dann nicht die Partei sondern der Markt.

geoff hurst
04
jaja, die gleichheit...

"bratstvo i jedinstvo" heißt "brüderlichkeit und EINHEIT", aber dann hätte man ja die geschichte anders erzählen müssen...

Vollmeise
 
01

Das stimmt, das Motto war "Brüderlichkeit und Einheit", aber auch die Gleichheit. Der Fehler ändert an dem Sinn und der Aussage des Textes von Frau Tajder eigentlich gar nichts. :)

mitrovic dejan
10
Die Geburtsstunde vom Tito als Partisanen.

http://derstandard.at/1547365

Lazarsfeld
54

Titos Jugoslawien (YU) wurde von vielen westlichen Intellektuellen als gelungenes sozialistisches Experiment (z.B. Arbeiterselbstverwaltung) betrachtet. Gleichzeitig galt Tito bei der hohen Politik als Verbündeter im Konflikt mit der UdSSR. Auch den Touristen erschien YU meist als sicheres und gut geordnetes Urlaubsland. In dieses Bild fügt sich die Erinnerung Frau Tajders. Der Zerfall Jugoslawiens überraschte viele. Zahlreiche Intellektuelle (z.B. Burger, Handke in Ö) bedauerten ihn.

Verdrängt bleibt bis heute, dass Tito mit Fug und Recht zu den größten Massenmördern Europas gezählt werden kann.

http://www.wehrschuetz.com/2009/03/0... -entdeckt/

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