Terrorkampagne in Stammesregionen

3. Jänner 2010, 14:11

Zwei Stammesälteste getötet - Verheerender Anschlag auf Sportplatz international verurteilt - Zahl der Toten auf bis zu 105 gestiegen

Shah Hassankhel/Islamabad/Washington/Berlin - Die Terrorkampagne islamischer Extremisten in Pakistan richtet sich offenbar verstärkt gegen die Bevölkerung in den Stammesregionen. Zwei Tage nach dem Blutbad auf einem Sportplatz mit rund 100 Toten sprengten die Aufständischen ein Auto in die Luft, in dem Taliban-Gegner zu einem Treffen mit Behördenvertretern unterwegs waren. Dabei wurden zwei Stammesälteste getötet.

Die Bombe wurde nach Angaben der Behörde ferngezündet, als die beiden Männer auf dem Weg in die Ortschaft Khar waren. Vier weitere Stammesälteste wurden schwer verletzt. Sie wollten in der Region Bajaur eine Miliz zur Verteidigung gegen die Taliban gründen. In der Nähe von Mamund wurden am Sonntag die von Kugeln durchsiebten Leichen eines Mannes und einer Frau gefunden, zusammen mit einer schriftlichen Notiz, wonach das Paar gegen das islamische Recht verstoßen haben soll.

Anschlag vermutlich Racheakt islamischer Extremisten

Auch zum Zeitpunkt des verheerenden Anschlags am Freitag in Lakki Marwat fand ein Treffen von Stammesältesten in einer nahe gelegenen Moschee statt, wie Polizeichef Ayub Khan am Samstag mitteilte. Der Täter steuerte sein mit Sprengstoff beladenes Auto auf einen Sportplatz, als dort gerade ein Volleyball-Turnier vor 300 Zuschauern stattfand. Laut Polizei brachte er rund 250 Kilogramm Sprengstoff zur Explosion. Durch die Wucht der Detonation stürzten mehr als drei Dutzend umliegende Häuser ein. Der Anschlag war vermutlich ein Racheakt islamischer Extremisten, weil Bewohner von Lakki Marwat eine eigene Miliz zur Verteidigung gegen die Fundamentalisten gegründet hatten.

Die Behörden haben nach eigenen Angaben nun erste Spuren der Täter. "Der Anschlag wurde von Militanten aus der Region ausgeführt", sagte ein Sprecher im Distrikt Lakki Marwat am Sonntag. Einzelheiten nannte er nicht. Lokale Medien berichteten unterdessen, die Zahl der Toten sei auf bis zu 105 gestiegen.

Lakki Marwat liegt in unmittelbarer Nähe von Nord- und Süd-Waziristan, zwei Zentren der Aufstandsbewegung. Im südlichen Teil haben die pakistanischen Streitkräfte mit Unterstützung der USA im Oktober eine Großoffensive gegen Kämpfer von Taliban und Al-Kaida begonnen. Seitdem sind mehr als 500 Menschen bei Bombenanschlägen ums Leben gekommen.

Clinton: USA werde weiterhin an der Seite Pakistans stehen

Der Anschlag vom Neujahrstag löste international Abscheu und Empörung aus. Die USA, die EU und Deutschland verurteilten den Terrorakt. Das Attentat war das schwerste in Pakistan seit gut zwei Monaten und eines der blutigsten der vergangenen Jahre.

Der russische Präsident Dmitri Medwedew hat die internationale Gemeinschaft zu einer "Einheitsfront gegen den Terror" aufgerufen. "Alle Terroristen haben eine blutige Gemeinsamkeit: eine grenzenlose Grausamkeit und Gleichgültigkeit gegenüber menschlichen Schicksalen, um ihre selbstsüchtigen Ziele zu erreichen", sagte Medwedew in einer Stellungnahme, aus der die Nachrichtenagentur RIA Nowosti am Sonntag zitierte.

US-Außenministerin Hillary Clinton versicherte in einer Erklärung, Washington werde weiter an der Seite Pakistans stehen. Die USA unterstützten die Pakistaner bei ihren Anstrengungen im Kampf gegen den gewalttätigen Extremismus und bei der Stärkung der Demokratie. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton zeigte sich schockiert: "Dieser schändliche Angriff ist ein weiteres Beispiel für die abscheuliche Gewalt, unter der Pakistan und seine Bevölkerung leiden." Zugleich bekräftigte die EU ihre Unterstützung der Regierung und der Bevölkerung Pakistans. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle erklärte, solche Terrorakte zeigten, wie notwendig regionale Zusammenarbeit und ein entschlossenes Vorgehen gegen Terrorismus seien. (APA/APD)

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André Perez
00
Sehr deprimierend, dort wie hier!

Die Meldung selbst überflogen weil austauschbar. Hätte genauso gut heißen können: jugendliche in Kleinkleckersdorf schlagen sich die Fresse ein. Dann die Kommentare; der Indifferenz des Artikels wird eine absurde Eskalation simuliert. Ich möchte dieses Medium jedenfalls nicht dazu genutzt wissen, die alltägliche Paranoia zu bestärken. Ergo, und das habe ich hier heute (woanders) gelesen: aus Verzicht wird Stärke.

kurt haenel
 
02

"Alle Terroristen haben eine blutige Gemeinsamkeit: eine grenzenlose Grausamkeit und Gleichgültigkeit gegenüber menschlichen Schicksalen, um ihre selbstsüchtigen Ziele zu erreichen", sagte Medwedew



Bravo, Herr Medwedew, das ist genau meine Meinung.

Nur Deppen im Standard Foren finden für diese Verbrecher eine Entschuldigung

Abu Simbel
 
00
22.1.2010, 11:33
nur wer zählt zu den terroristen?

nur die fundamentalisten die ohne frage menschen wahllos umbringer oder auch zB die cia mit ihren drohnenattacken? oder israel mit gezielten tötungen auf verdacht?

beide seiten eine schande für die menschheit!

Fritz094
 
41
Die USA werde weiterhin an der Seite Pakistans stehen?

Ich hoffe der Irak und Afghanistan haben gezeigt dass man solche Probleme ausschliesslich (!) intern lösen kann, sie sind ja auch ein Ausdruck interner Probleme.

Der Ruhestifter
 
01
Das können die entwicklungen in afghanistan und irak nicht zeigen

In irak und afghanistan gibt es beispiele dafür, dass interventionen von außen zu unerfreulichen resultaten führen. Das beweist erstens nicht, dass interventionen nicht auch gelingen können; zweitens nicht, dass die probleme intern lösbar wären.

Markus M.
08
Ein betraechtlicher Teil der Extremisten in Pakistan

kommt allerdings aus anderen Laendern, meist dem arabischen Raum. Die Konflikte daher als Ausdruck interner Probleme zu bezeichnen, ist daher nicht gerechtfertigt.

Georg Schütt
310
Mittlerweile also über 100 Tote bei diesem Bombenanschlag. Auffalned, dass die Frage nach dem Zweck kaum gestellt wird.

Was haben wir an Fakten? Zu einem Volleyballspiel treffen sich hunderte Menschen; keine Soldaten, keine Polizisten, keine religiösen oder sonstigen Minderheiten, kurz: keine Personen, die sich prinzipiell als potentielle Angriffsziele verstehen müssten; also auch niemand, der durch eine Verhaltens-, d.i. eine Politikveränderung derartiges abwenden könnte. Ein "Das ist die Reaktion auf den US-Staatsterorismus" passt also nicht.

Sondern: Opfer, zu denen wirklich jeder werden kann, jeder Marktgänger, jeder Cafe-Besucher, jeder Sportzuschauer. Es handelt sich also um einen alle betreffenden, in diesem Sinne totalitären Gewaltakt, dessen Ziel eine allumfassende lähmende Atmosphäre von Angst und Schrecken ist: totalitärer Terror.

seek+destroy
00
aus dem grund , was sie beschreiben, heissts ja "terroranschlag" und nicht rebellenangriff etc.

aber mit terror wird durchaus ein ziel verfolgt, in diesem falle wohl die destabilisierung pakistans, das ziel das land in einen bürgerkrieg (wenn nicht eh schon) zu stürzen.

der terror in nahost sollte zum beispiel die israelis zum abzug zu bewegen, nur sind diese (isr.) genauso stur wie ihre arab. brüder...

schmeiser
02
"Fahndung nach Attentätern - Attentäter jagte sich mit Sprengstoff beladenem Auto in die Luft"

eher unglückliche formulierung - oder seltsame fahndung ...

Corleone73
01

Naja, was vorausgesetzt wird und deshalb nicht extra für dich erwähnt wird ist, daß es sich sehr wahrscheinlich nicht um einen Einzeltäter gehandelt hat...

Der Waehlerwille
 
00
naja .. deshalb wohl plural ..

hintermänner.

kurt haenel
 
12

wieso distanzieren sich die islamischen Behörden in dr Welt nicht von diesen Schuften ?

seek+destroy
00
welche "islam. behörde" schlaumeier ?

es gibt kein papst, oder ein rabbinat im islam.

kurt haenel
 
02
@ seek+destroy

es gibt in jedem europäischen Land Moslemsverbände . Dass Sie als fanatischer Islamo-Propagandist das nicht wissen, wundert mich eigentlich.

Mit den Behörden meinte ich EBEN DIESE und das hätten Sie eigentlich schon erraten können, wenn Sie ja EH so ein Schlaumeier sind.

teukros
11
welche behörden denn?

haben sie sich schonmal für den terror der katholischen IRA entschuldigt?

Nick Tameer
01

Der Objektivität halber muss man allerdings sagen, dass die IRA doch nur insoweit katholisch war, als sie sich ganz überwiegend aus der katholischen Bevölkerung rekrutiert hat (der Führer der Provisional IRA, John Edward Drayton Stephenson, aka Sean MacStiofain, war allerdings Protestant). Sie lag aber die meiste Zeit mit der katholischen Kirche über Kreuz (ich glaube, eine Zeitlang galten IRA-Mitgliedern sogar exkommuniziert) und und hat sich nie als religiöse Bewegung verstanden.

Irland wäre freilich kein überwiegend katholisches Land, wenn diese Abgrenzungen völlig verlässlich, eindeutig und widerspruchsfrei wären.

Markus M.
01
Wenngleich die IRA

gewiss auch Religion dazu nutzte, um Unterstuetzung von der Bevoelkerung zu erhalten, war es nicht ihr Ziel, einen katholischen Staat zu errichten, sondern die britische Besatzung von "irischem Boden" zu verdraengen. Hier ging es also vorwiegend um Nationalismus. Islamisten hingegen geht es praktisch nie um Nationen, sondern um die Islamisierung der Welt. Ihr Vergleich hinkt daher gewaltig.

seek+destroy
00
wie kommens drauf dass islamisten um die islamisierung der welt geht ? die meisten wollen einen gottesstaat in dem betr. islam. land.

und der vergliech hinkt überhaupt nicht, weil wenns "kath. bomben" sind, dann hat das gz rien gar nichts mit religion zu tun.. oder "christl. us bomben", sind moslems in den gewaltakt involviert, wird sofort die religion u damit ALLE moslems, immerhin ne milliarde, u die mehrheit davon friedfertig, an den pranger gestellt.
osama hat seinen kampf auch gg die us präsenz IN saudi arabien und im arab. raum UND gg die scheichs begonnen - es war durchaus "nation." bedingt.
noch ein beispiel: die moslems in thailand oder vietnam wollen auch ihren eigenen staat, hier ist es auch nationalistisch.
oder die relig. fundis in ägypten, jord., syrien etc. wollen in erster linie von der diktatur wegkommen, der einzige "freiraum" gibt da die religion.

Der Waehlerwille
 
01
stille duldung eventuell?

kurt haenel
 
55

der Islam ist ja sooo tolérant......

Aber das ist ja nicht der Islam :!!!


Ja was ist das denn dann ?

hmmm ?

seek+destroy
10

gert ploetzl ?

gue galie
613

es bleibt zu hoffe, dass es jeden in europa klar wird: wir müssen die dinge was die religion betrifft massiv ändern, denn sonst beginnt hier der kampf (oder hat er schon begonnen?)

Ava Tar
247

Ich mag daran erinnern, daß es in Pakistan solche Dinge vor 1 Jahr nicht gab

Was kam neu hinzu? Der Islam? Nö, der war vor 1 Jahr schon dort. Pakistan als Ziel brutaler US-Operationen? Ui, siehe da, das könnte es sein

Aber wo, aber nein woher, das ist sicher nur ein Zufall...

kurt haenel
 
02
@AVATAR

Ich mag daran erinnern, daß es in Pakistan solche Dinge vor 1 Jahr nicht gab

Da lachen ja die Hühner.

Markus M.
03
Ihr geschichtliches Wissen

scheint dann wohl nicht ueber 1 Jahr hinauszugehen. Gewaltsame Konflikte in der Region, in denen der Islam eine Rolle spielte, gehen Jahrhunderte zurueck. Viele Millionen Hindus mussten im Zuge der islamischen Eroberungen ihr Leben lassen. Heute noch (s.h. Terroranschlaege in Indien) toeten Islamisten unbeteiligte Zivilisten. Wann haben Sie hingegen das letzte mal davon gehoert, dass sich Hindus zwecks Toetung von Frauen und Kindern in pakistanische Staedte begeben?

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