Aus für Reaktor war Bedingung für EU-Beitritt
Vilnius - Auf Verlangen der EU hat Litauen am Donnerstag
sein einziges Atomkraftwerk endgültig abgeschaltet. Der zweite
Reaktor des AKW Ignalina im Osten des Landes wurde wie geplant um
23.00 Uhr Ortszeit (22.00 Uhr MEZ) heruntergefahren, wie Direktor
Viktor Sevaldin der Nachrichtenagentur AFP sagte. Das 26 Jahre alte
AKW hatte 70 Prozent des Stroms in Litauen produziert. Brüssel hatte
die Abschaltung der Zentrale, die von der selben Bauart wie das
Atomkraftwerk in Tschernobyl war, zur Bedingung für den EU-Beitritt
des kleinen baltischen Staates im Mai 2004 gemacht. Der erste Reaktor
war bereits am 31. Dezember 2004 heruntergefahren worden.
Das 3,3-Millionen-Einwohner-Land muss sich ab Freitag auf einen
Preisanstieg von rund 30 Prozent für Privathaushalte und 20 Prozente
für Unternehmen einstellen. Das Aus für das AKW verstärkt die
Abhängigkeit der ehemaligen Sowjetrepublik Litauen von russischen
Strom- und Gaslieferungen. Die Beziehungen zwischen Vilnius und
Moskau sind durch die einstige sowjetische Besatzung historisch
belastet. Litauen ist bis heute nicht an westeuropäische Stromnetze
angeschlossen, will sich nun aber an schwedische und polnische
Leitungen hängen. Estland und die Ukraine haben zugesichert, ab dem
1. Jänner Strom zu liefern. (APA/AFP)