US-Verfahren gegen Blackwater geplatzt

1. Jänner 2010, 15:04

Angestellten war Erschießung irakischer Zivilisten zur Last gelegt worden - Richter wies Klage zurück - Irak erwägt Klage

Washington/Bagdad - Ein US-Bundesgericht hat das Verfahren gegen fünf Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Blackwater gestoppt, die wegen des Todes von 14 Irakern bei einer Schießerei 2007 in Bagdad angeklagt waren. Der Richter kritisierte am Donnerstag, die Staatsanwaltschaft habe für ihre Anklage zu unrecht Aussagen verwendet, die die Beschuldigten unter Androhung eines Jobverlusts gegenüber Ermittlern des US-Außenministeriums gemacht hätten. Damit seien die Verfassungsrechte der Männer eklatant verletzt worden. Die irakische Regierung zeigte sich enttäuscht und erklärte, sie erwäge eine Klage gegen die Firma Blackwater, die sich inzwischen Xe Services nennt.

Der US-Richter erklärte, entgegen der Darstellung der Regierung seien die unter Drohungen entstandenen Aussagen entscheidend für die Anklagebegründung gewesen. Ermittler und Staatsanwaltschaft hätten sich aus Übereifer über mehrfache Warnungen erfahrener Strafverfolger hinweggesetzt, dass ihr Vorgehen den ganzen Fall gefährde.

Irak erwägt Klage gegen Blackwater-Nachfolger

Die irakische Regierung bedauerte die Entscheidung des US-Gerichts. Die fünf Männer hätten ein schweres Verbrechen begangen, sagte Regierungssprecher Ali al-Dabbach. Sein Land erwäge nun eine Klage gegen Blackwater.

Auch der Kommandeur der US-Truppen im Irak, General Ray Odierno, zeigte sich irritiert über die Entscheidung. "Natürlich regt es uns auf, wenn wir glauben, dass Menschen ein Verbrechen begangen haben könnten, und sie dafür nicht zur Rechenschaft gezogen werden, sagte er vor Journalisten in Bagdad. Die Empörung darüber könne auf andere private Sicherheitsfirmen zurückschlagen, die im Irak arbeiten.

Ein Sprecher des US-Justizministeriums sagte laut "Washington Post", man sei von der Auffassung des Gerichts enttäuscht. Das Ministerium prüfe die Entscheidung und wäge seine Optionen ab.

Die fünf privaten Wachleute, allesamt frühere US-Soldaten, waren wegen 14-fachen Totschlags, 20-fachen versuchten Totschlags und Verstoßes gegen das Waffenrecht angeklagt. Sie hatten am 16. September 2007 einen Konvoi von US-Diplomaten durch Bagdad begleitet. Nach der Explosion einer Autobombe kam es an einer belebten Kreuzung zu einer Schießerei, bei der viele Zivilisten getötet oder verletzt wurden. Der Fall löste im Irak Empörung aus, und Blackwater verlor in der Folge einen Auftrag des US-Außenministeriums, der den Schutz der Botschaft in Bagdad umfasste. Blackwater firmiert seit Februar unter dem Namen Xe Services.

Ein sechster Wachmann hatte sich der vorsätzlichen Tötung und des versuchten Totschlags für schuldig bekannt und zur Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft bereiterklärt.

 

Zahl der zivilen Opfer von Gewalttaten im Irak 2009 auf tiefstem Stand seit US-Einmarsch

Die Sicherheitsfirma mit Sitz in North Carolina war seinerzeit vom US-Außenministerium beauftragt gewesen, Diplomaten und andere Zivilisten zu beschützen. Als Folge der Geschehnisse in Bagdad weigerte sich die irakische Regierung 2009, die Lizenz für das Unternehmen zu verlängern, das inzwischen nicht mehr Blackwater, sondern Xe Services heißt. Die neue Regierung unter US-Präsident Barack Obama beschloss, keine Verlängerung der bestehenden Verträge mehr vorzunehmen. Eine Untersuchung des US-Außenministeriums war 2007 zu dem Schluss gekommen, dass die Regierung die im Irak eingesetzten privaten Sicherheitsfirmen nicht ausreichend kontrolliert habe.

Im Jahr 2009 kamen laut irakischer Regierung so wenige Zivilisten durch Gewalttaten ums Leben wie noch nie seit dem US-Einmarsch 2003, nämlich 2.800. Die Nichtregierungs-Organisation Iraq Body Count (IBC) hatte am Donnerstag ebenfalls erklärt, die Zahl der zivilen Opfer sei auf den niedrigsten Stand seit dem US-Einmarsch gesunken, mit 4.497 getöteten Zivilisten nannte sie aber eine deutlich höhere Opferzahl. Außerdem sei zu befürchten, dass sich die Opferzahl auf diesem Niveau stabilisiere, da sie in der zweiten Jahreshälfte im Vergleich zum ersten Halbjahr 2009 nicht zurückgegangen sei. IBC verzeichnet die Zahl der getöteten Zivilisten auf der Grundlage von Behördenangaben und Medienberichten.

Der irakische nationale Sicherheitsberater Safa Hussein warnte unterdessen im Vorfeld der Parlamentswahlen im März vor weiteren massiven Anschlägen des Terrornetzwerks Al-Kaida. Er rechne damit, dass sich Anschlagsserien wie im Oktober und Dezember bis zu den Wahlen am 7. März wiederholen würden, sagte Hussein im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. (APA/AFP/APD/Reuters)

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Martin Blechbichl
 
02
US gerechtigkeitssinn

immer wieder faszinierend. Da werden individuen über jahre ohne anklage entführt, gefangengehalten, gefoltert, egal was dahintersteckt...
aber das sind ja keine menschen, im ggsatz zu den US bürgern. Die opferliste im irakkrieg bestand bezeichnenderweise ja auch nur aus US verlusten, und nie aus getötetn irakerinnen.

der erleuchtete
01
mit diesen schurkereien

erzeugt der schurkenstaat usa täglich dutzende neue rekruten für alle arten von selbstmordattentaten.
einmal wird einer von ihnen zugang zu atomwaffen haben.

der erleuchtete
04
verglichen mit diesem rechtsverständnis

der us-justiz war stalins udssr zur zeit der schauprozesse ein rechtsstaat

Freiwilliger
80
Das 21.Jahrhundert wird eben in immer mehr Asymetrischen Konflikten mittels Privatarmeen ausgefochten.

Das 21.Jahrhundert wird eben in immer mehr Asymetrischen Konflikten mittels Privatarmeen ausgefochten. Und ehrlich gesagt da die neueren Verbrecher der Welt wie Osama Bin Laden oder Anwar Al-Awlaki mittls Terroristen und Aufständischen sowie moderne Piraten (nicht nur vor Somalia) eigene Privatarmeen heranzüchten sollte man denk ich schon Feuer mit Feuer bekämpfen und mit Privaten Sicherheits und Militärfirmen sowie Geheimdienste und Spezialeinheiten von Seiten der Westlichen Militärs und deren Verbündeten Antworten!
Wie man im Afghanistankrieg sieht kommt man mit normalen Panzern und Kampfflugzeugen einfach nicht mehr weiter da dies (wie der Begriff Asymetrischer Konflikt bereits sagt) kein Krieg Staat gegen Staat ist.

x x3
05
Ich weiss zwar nicht, wie ihr "Feuer mit Feuer bekämpfen" genau gemeint ist.

Ich würd Feuer eher mit Wasser bekämpfen.

Wenn sie meinen, wir sollten Terror mit Terror, Folter mit Folter, Unrecht mit Unrecht bekämpfen,
wenn wir also unsere, in einem Jahrhunderte langen Kampf erfochtenen rechtstaatlichen Prinzipien, Menschenrechte, dass staatliche Gewaltmonopol, Folterverbot etc. einfach den Bach runtergehen lassen und uns auf eine Stufe mit diesen Terroristen stellen (weil wir uns anders nicht mehr zu helfen wissen), dann, ja dann haben die Terroristen all ihre Ziele erreicht.
Dann haben sie auf ganzer Linie gewonnen.

Ich hoffe, das sie mit "Feuer mit Feuer bekämpfen" genau das nicht meinen.

marko serbe
01
Hoffnung

Amerikanische Soldaten, Politiker, Offiziere und Andere Amerikanische Mörder sollen angeklagt werden vor dem Internationalen Gericht in Den Haag.
Warum sind USA befreit von der Verantwortung gegenüber der Weltgemeinschaft ?
Wie Lange soll die Weltbevölkerung das Dulden ?

Sind die Amerikaner ein Volk mit der Lizenz zum Töten ? nach Lust und Laune ?

nAK
026
Man beachte: Aussagen unter Androhung von Job-Verlust sind nichtig

Aussagen unter Folter aber nicht.

Die Rechtsprechung der USA ist beispiellos.

Entsetzen!
03

Wieso eigentlich "US-Bundesgericht"???

Dafür müssten doch die irakischen Gerichte zuständig sein!

Die Amis lassen sich ja auch jeden ausliefern, der eine Straftat in Amerika begangen hat!

Bernd Senf for Wirtschaftsminister
04

Den ein oder andern holt man sich auch per Entführung.

Stephen Ferrando
01
Rebranding nach schlechter PR

Blackwater heißt jetzt XE und das Logo wurde auch geändert.

Pi der Grieche
00

XE wie Xenophob; wie passend.

Nathan Drake
00

Nein, wie "Executed" (ausgefuehrt). Das ist ein Wortspiel wie Gute N8! ;)

Pi der Grieche
00

Danke, das war mir klar, mein Wortspiel war aber sarkastisch gemeint.

joergipoergi
04
"Ermittler und Staatsanwaltschaft hätten sich aus Übereifer über mehrfache Warnungen erfahrener Strafverfolger hinweggesetzt, dass ihr Vorgehen den ganzen Fall gefährde."

sagt eigentlich schon alles...

Carlito336
015
"Das Verfahren ist geplatzt"


Wie naiv muss ein Journalist sein, der so eine Justizfarce nicht durchschaut?
Wenn sich das gleiche im Iran abspielte, würde er dieselbe Formulierung wählen?

Shrike
019
Bestechende Logik

Bei den Söldnern darf nichteinmal mit Jobverlust gedroht werden. Unter Folter erpresste Geständnisse von Guantanomo-Häftlingen dürfen aber verwendet werden?

Gelsomina
90

Das wird sich erweisen. Es ist, wie man sieht, sehr gut moeglich, dass Khalid Sheik Mohammed bei seinem Strafprozess in New York auch wegen eines Verfahrensfehlers freigesprochen wird. Und was dann?

Sind wir dann stolz auf unser Rechtsempfinden, weil ein Mann freigesprochen wurde, der einen juedischen Journalisten vor laufender Kamera enthauptet hat?

Shrike
010

Von Stolz kann keine Rede sein. Aber ein großer Teil der Menschheit würde dann wenigstens erkennen, dass die Justiz der USA 1. keine Folter legitimiert und 2. nicht mit zweierlei Maß mießt.

Gelsomina
100

Und Sie glauben, die Jihadisten werden aufhoeren, ihre eigenen Glaubensbrueder in die Luft zu sprengen, wenn die USA Khalid Sheik Mohammed freilassen?

Was haben denn diese voellig unschuldigen Zivilisten davon, dass ein Grossteil der Menschheit erkennt, dass die USA nicht mit zweierlei Mass messen? Nichts.

Es geht hier in Wirklichkeit offensichtlich nur darum, dass wir im Westen uns auf die Schulter klopfen wollen, weil wir dem Rest der Welt moralisch so ueberlegen sind.

Dass wir damit sehr viele Menschen zum Tode verurteilen, indem wir Leute wie Khalid Sheik Mohammed und andere Terroristen wieder auf die Menschheit loslassen, ist offenbar nebensaechlich.

Shrike
08

Das Festhalten an unseren zivilisatorischen Errungenschaften ist die einzige Möglichkeit unsere Idendität zu behalten und wieder zum Vorbild für den Rest der Welt zu werden. Ein Rückfall in mittelalterliche Barbarei hilft niemandem und am wenigsten uns selbst. Auch damals wurden Hexenverbrennungen und Folter mit vermeintlich richtigen Argumenten verteidigt. Bürgerrechte und Demokratie haben uns zu Wohlstand verholfen und ein paar Terroropfer (so tragisch sie sind) dürfen nicht dazu führen, dass wir unsere Freiheit aufgeben. Jedes Jahr stirbt im Straßenverkehr ein Vielfaches dieser Zahl und dennoch werden Alkolenker nicht drakonisch bestraft.

Gelsomina
60

Wenn das naechste Mal ein alkoholisierter Autolenker 88 unschuldige Menschen in die Luft sprengt, weil er eine theokratische Weltherrschaft errichten will, werde ich daran denken. Danke.

isidor vom billa
06
Muss zugeben:

Habe mich geirrt! Dachte, die Privatisierung des Krieges hieße, die US-Staatlichkeit würde damit Verantwortung für Massaker nur von Soldaten weghalten und die Söldner im Regen stehen lassen. Stimmt nicht! Die US-Justiz schützt jeden Mörder im Namen des Imperiums! Somit ist der Zulauf zu Blackwater weiter gesichert!

xxxxXXXX111
00
vor laufender Kamera enthauptet

haben Sie das gesehen, wie er den journalisten eigenhändig enthauptete? nein!
weil er unter folter alles gestehen wollte und sein prozess geriet zur farce!

der Rabe
013
früher einmal


galten die USA als Rechtsstaat.
Heute hat dort die Allianz aus Spekulanten und Massenmördern die Hebeln der Macht usurpiert.
Ein Terrorstaat wie aus dem Bilderbuch.

a b1
04
Wow im besten Fall

Höchststrafe von 10 Jahren für "Massenmor ..." äh ... "Massentotschlag"?

Echt abschreckend.

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