Duisenberg vor Amtsverlängerung

4. April 2003, 18:02
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EU-Finanzminster machen sich für einen Verbleib des EZB-Chefs stark - Die für 9. Juli geplante Ablöse wird damit immer unwahrscheinlicher

Athen - Eine Verlängerung des Mandats des EZB-Präsidenten Wim Duisenberg zeichnet sich ab. Zahlreiche Finanzminister haben sich heute Freitag beim Eintreffen zum Informellen EU-Finanzministertreffen (Ecofin) bei Athen für eine Verlängerung des Mandats ausgesprochen. Die Dauer blieb allerdings noch offen.

Am Samstag beim Mittagessen dürften die Minister über die Verlängerung des Duisenberg-Mandats sprechen. Zugleich steht eine Entscheidung über die Nachbesetzung des EZB-Direktoriumspostens der Finnin Sirkka Hämäläinen an, wofür die Österreicherin Gertrude Tumpel-Gugerell als aussichtsreiche Kandidatin gilt.

Einige Monate verlängern

Duisenberg hatte angekündigt, am 9. Juli sein Mandat zurückzulegen. Als wahrscheinlicher Nachfolger gilt der Franzose Jean-Claude Trichet, der allerdings noch ein Gerichtsverfahren anhängig hat und vor dem Urteil, das für Juni erwartet wird, nicht offiziell nominiert werden kann. Daher soll Duisenberg nun gebeten werden, einige Monate länger im Amt zu bleiben, was er auch schon angeboten hat.

Der Luxemburger Finanzminister Jean-Claude Juncker sprach sich am Abend für den längeren Verbleib Duisenbergs aus und meinte, er kenne keinen Amtskollegen, der gegen diesen Vorschlag sei. Der deutsche Finanzminister Hans Eichel sagte, Duisenberg sei "ein hervorragender Präsident und vorderhand sein eigener Nachfolger". Auch der französische Ressortchef Francis Mer ging vor Beginn der Sitzung der Finanzminister der Eurogruppe davon aus, dass Duisenbergs Mandat verlängert wird.

Finanzminister Karl-Heinz Grasser äußerte sich zwar nicht zur Verlängerung des Duisenberg-Mandats, hofft aber an diesem Wochenende zumindest informell auf eine Entscheidung über die Nachbesetzung Hämäläinens und Nominierung Tumpel-Gugerells.

Am Freitag Abend stehen die Konjunktur in der Eurozone und die Folgen des Irak-Krieges auf der Tagesordnung.(APA)

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