Von "La Boheme" bis zu "The Wall"

4. April 2003, 14:47
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Salzburger Landestheater präsentiert letztes Programm der Ära Hochstraate

Salzburg - Das Salzburger Landestheater präsentierte das Programm für die Spielzeit 2003/2004. Es ist dies das 18. und letzte Programm des scheidenden Intendanten Lutz Hochstraate. Höhepunkte im kommenden Theaterjahr sind zweifellos "La Boheme" von Giacomo Puccini, die Johann Strauß-Operette "Wiener Blut", eine getanzte Version des Rockklassikers "The Wall" von Pink Floyd, "Ein Sommernachtstraum" von Shakespeare oder "Tartuffe" von Moliere.

Sparkurs

"Ein Bericht für eine Akademie" von Franz Kafka mit Karl Merkatz, "In der Löwengrube" von Felix Mitterer, "Der Theatermacher" von Thomas Bernhard sowie eine Wiederaufnahme von "Die Hochzeit des Figaro" in der Inszenierung Hochstraates ergänzen ein Programm, dem insgesamt der Sparkurs deutlich anzumerken ist. So gibt es in der kommenden Saison keine "riskante" Uraufführung (in der laufenden Spielzeit sind es vier, Anm.), das "Landestheater jung" ist gar von fünf bis sechs Stücken in den vergangenen Jahren auf zwei reduziert worden.

Auch das bereits fix geplante Musikdrama "Julie & Jean" von Gerhard Schedl nach August Strindberg wird zwar vom Landestheater gemeinsam mit dem Klangbogen Wien produziert, in Salzburg aber nicht gezeigt, weil die dafür nötigen 100.000 Euro fehlen. "Das ist ein künstlerisch schwerer Stich in mein Herz. Das hat bestätigt, dass mein Entschluss, zurück zu treten, richtig war", sagte Hochstraate.

Renovierungsarbeiten

Nicht nur finanziell, sondern auch räumlich ist die kommende Spielzeit eingeschränkt. Das Haupthaus und die Kammerspiele werden um insgesamt 5,4 Mio. Euro teilrenoviert, sämtliche Produktionen zwischen Herbst 2003 und 7. Jänner 2004 (Premiere von "Wiener Blut") werden im Großen Festspielhaus ("La Boheme") bzw. hauptsächlich im republic über die Bühne gehen.

"Das Publikum wird die Renovierung hauptsächlich im Bereich der Toiletten merken, auch die Technik und der Orchestergraben werden verbessert. Leider kann mit diesem Umbaubudget nicht einmal das saniert werden, was in diesem Haus schon bald auseinander fallen wird", argumentierte der Regisseur und Theaterleiter.

"Die Zeit ist reif"

"Ich bin in Salzburg zu einem bequemen 'Kulturmöbel' geworden, die Zeit ist reif abzutreten", sagte der Intendant nicht ohne theatralische Wehmut. "Dieses Theater ist in seinen Möglichkeiten beschnitten worden, wir haben gespart, wo es nur ging. Noch mehr sparen würde bedeuten, dass die soziale Absicherung der Mitarbeiter und die Qualität des Programms leiden würde, für beides bin ich nicht zu haben. Da fehlt es an Wertschätzung der Gesellschaft. Salzburg scheint in eine Sportstadt mutieren zu wollen (Hochstraate kritisierte den Bau des Stadions, Anm.). Ich glaube, das ist der falsche Weg, Salzburg ist und bleibt eine Touristen- und Kulturstadt", meinte der Salzburger Langzeit-Intendant.

Persönlich zeigte sich Hochstraate, der die Intendanz im kommenden Sommer an seinen Nachfolger Peter Dolder übergeben wird, gegenüber dem Posten eines Rektors der Hochschule Mozarteum "nicht abgeneigt". Für diese Position habe er sich beworben. (APA)

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