Schiiten hindern US-Soldaten an Vorrücken zu Moschee in Najaf

4. April 2003, 14:27
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Gläubige befürchten, die US-Soldaten könnten die heiligen Stätten von Najaf entweihen oder gar die Moschee zerstören

London/Kairo - In der irakischen Stadt Najaf haben wütende Schiiten amerikanische Soldaten am Freitag daran gehindert, zur Imam-Ali-Moschee vorzudringen. In der Moschee hatten sich am Donnerstag nach US-Angaben Milizionäre der Fedayin Saddam verschanzt. Laut Fernsehberichten aus Najaf befürchteten die Gläubigen, die US-Soldaten könnten die heiligen Stätten von Najaf entweihen oder gar die Moschee zerstören. Schiitische Geistliche versuchten, die Menschen zu beruhigen.

Unterdessen herrschte Verwirrung über eine angebliche Fatwa (islamisches Rechtsgutachten) von Großayatollah Ali el Sistani. Der im Irak hochangesehene Geistliche steht der Al-Hawza-Religionsschule von Najaf vor und lebt seit 1991 in seinem Haus in der Nähe der Imam-Ali-Moschee unter Hausarrest. In der Fatwa soll El Sistani die Schiiten von Najaf aufgefordert haben, "sich den (amerikanisch-britischen) Invasoren nicht entgegenzustellen", um Blutvergießen an einem heiligen Ort zu vermeiden.

In einer Erklärung des Büros von El Sistani in London, die dem arabischen TV-Sender Al Jazeera vorliegt, heißt es jedoch, die Fatwa sei eine Fälschung. Das Rechtsgutachten des Großayatollahs vom vergangenen September, in dem er zum Widerstand gegen die Besetzung des Irak aufgerufen habe, sei immer noch gültig. Andere irakische schiitische Geistliche im Exil erklärten dagegen, es sei durchaus möglich, dass El Sistani mit der neuen Fatwa unnötiges Blutvergießen verhindern wolle.(APA/dpa)

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