Deutschland: Jungsteinzeitlicher Feuerstein-Dolch entdeckt

5. April 2003, 10:00
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Fund war von Kreideschichten des Bodensees überdeckt

Konstanz/Bregenz - In Allensbach am Bodensee (Kreis Konstanz, Baden-Württemberg) wurde bei Rettungsgrabungen ein jungsteinzeitlicher Feuerstein-Dolch entdeckt. Archäologen sprechen von einem "sensationellen Fund". Es handelt sich laut Mitteilung des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg vom Freitag um ein "hervorragend gearbeitetes Importstück aus Norditalien mit vollständigem Griff aus Holunderholz". Die Steinklinge ist mit Teer im Griff befestigt, in dem Abdrücke einer Umschnürung erhalten sind.

Der Fund lag 1,30 Meter unter der heutigen Oberfläche und war von Kreideschichten des Bodensees überdeckt. Die ständige Lagerung unter Luftsauerstoff-Abschluss konservierte die organischen Teile. Es ist das erste Mal, so das Landesdenkmalamt, dass ein ganzer Dolch dieser Art gefunden wurde: "Auch südlich der Alpen gibt es keine vollständigen Stücke". Die Schneide des Feuersteindolches ist nahezu doppelt so lange wie das Messer von "Ötzi" (um 3.300 v. Chr.), an dem sich durch Konservierung im Eis der Eschenholzgriff erhalten hat. Im Vergleich zum Ötzi-Dolch ist der Neufund eine "repräsentative Waffe".

Weitere Funde

Der Dolch von Allensbach kommt aus der Kulturschicht einer großen Pfahlbausiedlung der so genannten späten "Horgener Kultur" (benannt nach dem Fundort Horgen am Zürichsee, Anm.), die in das 29. Jahrhundert v. Chr. zu datieren ist. Die Rettungsgrabung in Allensbach erbrachte reiches Fundmaterial. U.a. wurden Steinbeile aus einem durchscheinend grünen Gestein (Edelserpentin) aus den Zentralalpen oder vermutlich aus dem Mittelmeergebiet importierte Perlen aus dem Gehäuse eines Meerestieres (Dentalium) gesichert: "Die Funde belegen enge Kontakte der Pfahlbausiedler vom Bodensee in den Alpenraum und bis nach Norditalien".

Die Untersuchungen des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg finden an der heute verlandeten Stelle einer ehemaligen Bucht des Bodensees statt. Anlass für die Notgrabung, die bis Ostern abgeschlossen sein muss, war der geplante Bau eines neuen Strandbad- und Sanitärgebäudes. Die Arbeiten werden von Spezialisten begleitet, die dendrochronologische, archäobotanische und sedimentologische Untersuchungen durchführen. (APA)

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