Warten auf den neuen Senna

4. April 2003, 14:40
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Rubens Barrichello, Christiano da Matta und "Dschungel-Boy" Pizzonia stehen vor eigenem Publikum besonders in der Auslage

Sao Paulo - Ein neuer Senna ist nicht in Sicht. Seit dem tödlichen Unfall des dreimaligen Weltmeisters am 1. Mai 1994 in Imola warten die Formel-1-verrückten Brasilianer sehnsüchtig darauf, dass eines ihrer Talente in die überdimensionalen Fußstapfen Ayrton Sennas tritt. Vergeblich - und daran wird sich auch in absehbarer Zeit nichts ändern.

Fittibaldi, Piquet und Senna sind die Maßstäbe

Zwar ist das brasilianische Trio Rubens Barrichello, Cristiano da Matta und Antonio Pizzonia hinter dem deutschen Quartett Michael und Ralf Schumacher, Heinz-Harald Frentzen und Nick Heidfeld quantitativ die Nummer zwei in der Nationenwertung, aber qualitativ können sie weder dem fünfmaligen Champion aus Deutschland noch ihren erfolgreichen Vorgängern Emerson Fittipaldi, Nelson Piquet und Senna das Wasser reichen, die zusammen acht Titel holten.

Barrichello hat wohl am meisten darunter gelitten und sich nur langsam aus dem übergroßen Schatten gelöst. Lange setzte sich der seit 1993 Formel 1 fahrende 30-Jährige selbst unter Druck, der "neue Senna" zu werden. "Das hat mich regelrecht gelähmt", räumte "Rubinho" ein. Seit er seine fixe Idee aufgegeben hat, wirkt er befreit und bringt auch bessere Leistungen. Bei Ferrari steigerte sich der Südamerikaner in der WM-Wertung von 2000 an Schritt für Schritt vom vierten Platz bis zur Vizemeisterschaft im Vorjahr. "Der WM-Titel ist und bleibt mein Traum", sagte Barrichello.

Sieg beim Heim-GP wertvoll wie WM

Ein beinahe ebenso großer Traum ist ein Triumph bei seinem Heim-Grand-Prix. "Ich denke, das wäre das gleiche Gefühl wie der WM-Gewinn", betonte Barrichello die besondere Bedeutung eines solchen Erfolgs, der ihm in zehn Versuchen bislang verwehrt blieb. Bis auf 1994, als er Vierter wurde, schied er ausgerechnet im Autodromo Jose Carlos Pace immer aus. Liebevoll bezeichnet Barrichello die Buckelpiste als "mein Kinderzimmer, weil ich direkt hinter der großen Tribüne aufgewachsen bin".

Am Sonntag will es der fünfmalige Grand-Prix-Gewinner endlich auch zu Hause packen. Zumindest die Statistik spricht für einen brasilianischen Sieg: 1973 (Fittipaldi), 1983 (Piquet) und 1993 (Senna) triumphierte jeweils ein Einheimischer. "Deshalb bin ich 2003 dran", sagte Barrichello lachend, stellte dann aber direkt klar: "Ich glaube nicht an solche Dinge. Die Formel 1 hat mich dazu gebracht, ein reales Bild von der Wirklichkeit zu haben." Hoffnung keimt dennoch bei ihm auf. "Ich bin besser denn je und hoffe, mit meinem Team dieses Mal hier meinen Job machen zu können."

Wünsche der Frischlinge

Die Wünsche der beiden Formel-1-Frischlinge da Matta und Pizzonia sind bei ihrer Heimpremiere wesentlich bescheidener. "Ich will keine hohen Erwartungen wecken", sagte Toyota-Pilot da Matta. Der ChampCar-Meister macht sich keine Illusionen: "Ich wusste genau, dass es hart wird. Alles ist bisher etwa so gelaufen, wie ich das erwartet habe." Nach dem Ausfall in Australien und dem elften Platz in Malaysia hofft der 29-Jährige allerdings auf ein erfreulicheres Ergebnis in Sao Paulo. Schließlich ist er noch aus dem Vorjahr als siebenfacher Sieger in der nordamerikanischen Pendantserie zur Formel 1 erfolgsverwöhnt.

Pizzonia möchte in Sao Paulo seinen ersten Grand Prix beenden. "Das ist der Plan", sagte der 22 Jahre alte Jaguar-Pilot. Der aus der Amazonas-Metropole Manaus stammende "Dschungel-Boy" hat sich auf sein Heimspiel im Haifischbecken Formel 1 bestens vorbereitet. "Ich bin zu Hause im Dschungelfluss mit den Piranhas geschwommen", berichtete Pizzonia. Sein Aufstieg in die Königsklasse ist schon eine Leistung: Schließlich gab es in Manaus nicht mal eine Kartbahn, als er als Neunjähriger mit dem Motorsport begann. "Ich bin auf Straßen Rennen gefahren, ehe ich dann 1992 nach Sao Paulo kam." (APA/dpa)

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    Der unverkennbare Aryton Senna

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