"Nathans Dackel"

4. April 2003, 13:15
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dietheater bringt Franzobels "haarsträubende Science-Fiction-Farce" ebenso auf die Bühne wie Elfriede Jelineks "Körper und Frau"

Wien - Elfriede Jelineks "Körper und Frau", ihr selbstironischer Diskurs über die Entfremdung des weiblichen Körpers, gastiert in einer Produktion des forum stadtpark theater Graz vom 22. 4. bis 26. 4. auf Einladung des dietheater zu nächtlicher Stunde (22.30 Uhr) im Foyer des Wiener Konzerthauses. Die Inszenierung von Ernst M. Binder wurde bereits im schauspielfrankfurt gezeigt. Auch das prinz regent theater aus Bochum ist mit einer österreichischen Produktion in Wien zu Gast: Franzobels "Nathans Dackel" steht vom 23. 4. bis 26. 4. im dietheater Künstlerhaus auf dem Programm.

Der weibliche Körper - im Monolog "Körper und Frau" des Unterwäschemodels Claudia - wird bei Elfriede Jelinek zum Objekt der Begierde, Projektionsfläche oder einfach Kleiderständer. In der ihr eigenen bildgewaltigen, obsessiven Sprache voller Sarkasmus und Selbstironie wird die konventionelle Auffassung jeglicher Identität dekonstruiert. Juliane Werner spielt die Geschichte des Verschwindens einer Frau hinter Schminke, Mode und cellulitefreien Oberschenkeln. Die "Frankfurter Rundschau" lobte die Inszenierung des "sorgfältig verzahnten Wortkonglomerats", das Jelinek aus Prosatexten, Stückfragmenten und einem Essay zusammenstellte. Regisseur Ernst M. Binder verleihe diesen "Scherenschnitten weiblicher Rollenzuweisungen prägnante Konturen."

Eine "Lessing-Vollstreckung" vollführt Franzobel in "Nathans Dackel": In einer "haarsträubenden Science-Fiction-Farce" zeigt der österreichische Autor eine Gesellschaft, in der Alter, Krankheit und Tod überwunden sind - und nur noch allwöchentlich in der Fernsehlotterie verlost werden. Es "gewinnen" allerdings immer nur Zugewanderte wie der "Proletenzüchter" Hans Nat mit seiner Tochter Aphrodite. Auf der Flucht geben sie sich als Schauspieler aus und spielen Lessing. Inszenierung und Bühne stammen von Sibylle Broll-Pape, es spielen Maria Ammann, Ute Kaiser, Martin Molitor, Andreas Ramstein und Christoph Wehr.(APA)

"Körper und Frau" von Elfriede Jelinek. Regie: Ernst M. Binder. Koproduktion des forum stadtpark theater Graz und dem schauspielfrankfurt im Foyer des Konzerthauses, Lothringerstr. 20, 1030 Wien, vom 22. 4. bis 26. 4., jeweils 22.30 Uhr.

"Nathans Dackel" von Franzobel, Gastspiel des prinz regent theater Bochum im dietheater Künstlerhaus, Karlsplatz 5, 1010 Wien vom 23. 4. bis 26. 4., jeweils 20 Uhr.

Informationen und Karten unter 587 05 04 oder über die Webseite von dietheater
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