Überweisungen ins Ausland werden billiger

4. April 2003, 13:03
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Heimische Bankkunden profitieren ab 1. Juli von neuer EU-Verordnung

Wien - Auslandsüberweisungen bis 12.500 Euro werden innerhalb der EU ab 1. Juli 2003 für österreichische Bankkunden billiger. Zu diesem Zeitpunkt tritt eine EU-Verordnung in Kraft, wonach grenzüberschreitende Überweisungen nicht teurer sein dürfen als inländische. Für die österreichischen Konsumenten bedeutet dies in Summe eine Ersparnis von rund 70 Mio. Euro, gab der Syndikus der Kreditsparte in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Herbert Pichler, am Freitag in einer Pressekonferenz bekannt.

In Österreich werden pro Jahr rund 1 Mrd. Überweisungen durchgeführt, davon gehen 10 Mio. ins Ausland. Der größte Teil der grenzüberschreitenden Überweisungen entfällt mit 8 Mio. auf die EU-Länder.

Innerhalb von drei Werktagen

Mittels einer europäischen Standardüberweisung soll die Transaktion innerhalb von drei Werktagen über die Bühne gehen. Günther Gall von der Raiffeisen Zentralbank (RZB) wies bei der heutigen Pressekonferenz darauf hin, dass die Banken damit die EU-Vorgabe von fünf Tagen unterschreiten werden. Gearbeitet werde derzeit auch an einer Eilüberweisung, mit der das Geld noch schneller beim Empfänger ankommen soll. Auch über eine neue europäische Lastschrift wird von Europas Banken verhandelt.

Nicht mehr möglich ist mit der EU-Standardüberweisung die einseitige Übernahme aller Bankspesen durch den Auftraggeber und die Überwälzung aller Bankspesen auf den Auftraggeber. Die einzig zulässige Abrechnungsvariante ist, dass der Auftraggeber die im Inland anfallenden Spesen übernimmt und der Empfänger jene im Ausland.

Obergrenze wird angehoben

In EU-Länder, die nicht der Währungsunion angehören, können zu Inlandskonditionen nur Euro-Beträge überwiesen werden, aber beispielsweise nicht britische Pfund. Dies gilt mit ihrem EU-Beitritt auch für die Kandidatenländer.

Die Obergrenze von 12.500 Euro wird ab 2006 auf 50.000 Euro angehoben. Die derzeitige Beschränkung sei gewählt worden, weil in vielen Ländern, darunter auch in Österreich über diesen Betrag hinaus devisenstatistische Meldeverpflichtungen der Banken gegenüber der Notenbank bestehen. Eine kostenminimierende automatische Abwicklung sei daher nicht möglich, so die Banken.

Keine neuen Überweisungsformulare

Eingeführt werden für den so genannten "Binnenzahlungsverkehr" normierte Angaben der Kontoverbindung. Über den acht- bis elfstelligen "BIC" (Bank Identifier Code) ist jede Bank der Welt im globalen Banken-Kommunikationsnetz erreichbar. In der EU-Standardüberweisung muss der BIC des Empfängers angegeben werden. Die internationale Kontonummer IBAN vermittelt die Informationen über das kontoführende Land, die Weiterleitung im internationalen Clearingsystem und die Kontonummer selbst. Neue Überweisungsformulare wird es für die EU-Standardüberweisung voraussichtlich nicht geben, die nun erforderlichen Angaben können auf die alten Formulare aufgedruckt werden. Mit der richtigen Angabe von BIC und IBAN ist die vollautomatische Durchführung möglich.

Die europäischen Banken wollen bis 2006 einen gemeinsamen Zahlungsraum inklusive der neuen Mitgliedsländer schaffen. Als Plattform für den Binnenzahlungsverkehr wurde das European Payment Council (Europäischer Zahlungsverkehrsausschuss/EPC) ins Leben gerufen. Das europäische Clearing-Haus (PE-ACH) nimmt ab Anfang Juli den Betrieb auf und soll zur Kostenreduzierung beitragen.

Einnahmeentfall: 70 Millionen Euro

Den Einnahmenentfall von 70 Mio. Euro können Österreichs Kreditinstitute nicht wie in anderen Ländern ganz einfach durch eine Erhöhung der Spesen auf ihre Kunden überwälzen. Laut Konsumentenschutzgesetz dürfen die Preise nur im Rahmen der Inflationsrate angehoben werden.

Österreichs Banken zählten bei den Zahlungsverkehrsspesen zu den günstigsten in ganz Europa, betonte Pichler. Billiger seien Holland, Luxemburg und Irland. Die Unterdeckung im Zahlungsverkehr liege nach wie vor bei 153 Mio. Euro wenngleich sie durch Rationalisierungen und Automatisierungen bereits deutlich gesenkt werden konnte. Vor vier Jahren habe die Unterdeckung noch 3,4 Mrd. S (247 Mio. Euro) betragen. Der Auslandszahlungsverkehr sei u.a. wegen eines geringeren Automatisierungsstandards und der größeren Fehleranfälligkeit - die Fehlerquote liege hier bei 30 Prozent, im Inland lediglich bei rund 1 Prozent) - teurer als der inländische.

Durch eine geplante Novelle des Bankwesengesetzes (BWG) zur Erfüllung von Richtlinien der Anti-Geldwäsche-Organisation FATF komme auf die Banken eine weitere Kostenbelastung im Zahlungsverkehr zu. Name, Anschrift und Kontowortlaut müssen in Hinkunft nicht nur überprüft, sondern auch an die Empfängerbank weitergeleitet werden. (APA)

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