Baby als "Ersatz" für zerrüttete Familie

4. April 2003, 13:13
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Die Mütter im Linzer "Haus für Mutter und Kind" werden immer jünger - Probleme der Frauen verschärfen sich

Linz - Die Mütter, die in das "Haus für Mutter und Kind" in Linz ziehen, werden immer jünger. In dieser Einrichtung der Caritas können Frauen, die nicht mehr weiter wissen, eine Zeit wohnen. War das Alter der Mütter früher "gemischt", so waren in den vergangenen drei Jahren im Schnitt rund zwei Drittel der Frauen unter 25 Jahre alt, berichtete Leiterin Hildegard Öfferlbauer in einer Pressekonferenz am Freitag in Linz.

Familienersatz

Aus den Gesprächen mit den jungen Müttern sei deutlich geworden, warum Frauen sehr jung schwanger werden, obwohl sie in einem schwierigem sozialen Umfeld leben und sich in den meisten Fällen noch keine sichere Existenz aufbauen konnten, erklärte Öfferlbauer. Beziehungen würden oft gar nicht bewusst eingegangen und entwickelt, sondern einfach "hingenommen". Auch werde ein Baby oft zum "Ersatz" für die eigene zerrüttete Familie. Mit einer frühen Schwangerschaft würden die Probleme der Frauen, die schon vorher vorhanden waren, aber noch verschärft, so Öfferlbauer.

Rund-um-die-Uhr-Betreuung notwendig

Diese besonderen Lebensumstände und Belastungen der jungen Mütter würden einen erhöhten Aufwand an Betreuung im "Haus für Mutter und Kind" erfordern. Denn: "Die Frauen brauchen ein wesentliches Mehr an Unterstützung" - sowohl in psychischer Hinsicht als auch in der praktischen Arbeit bei der Haushalts- und Kinderversorgung, erläuterte die Leiterin. "Im Grunde bräuchten die jungen Mütter mit ihren Kindern eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung, die aber auf Grund der personellen Kapazität derzeit nicht leistbar ist", so Öfferlbauer. Die Finanzmittel würden für einen höheren Betreuungsaufwand nicht ausreichen. (APA)

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    Zwei Drittel der Frauen im Linzer "Haus für Mutter und Kind" sind unter 25 Jahre alt.
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