Roboter-Fußball-WM im Herbst in Wien

4. April 2003, 19:00
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Autonome Steuerung der würfelförmigen "Kicker" durch Computer

Wien - Auch wenn ihre menschlichen Kollegen auf dem grünen Rasen derzeit nicht so erfolgreich sind, die heimischen Roboter-Fußballer mischen durchaus im Spitzenfeld der Weltelite mit. Für dieses Jahr ist es der Technischen Universität (TU) sogar gelungen, die Austragung der Weltmeisterschaft der Federation of International Robot-Soccer Association (FIRA) vom 28. September bis 3. Oktober nach Wien ins Messegelände zu holen. Bereits im Sommer fährt ein Team der TU-Graz zur Konkurrenzveranstaltung des Robo-Cups nach Padua (Italien).

Die FIRA setzt im Gegensatz zum Robo-Cup auf relativ kleine Roboter als Spieler, nämlich Würfel mit einer Kantenlänge von exakt 7,5 Zentimeter. Es werden verschiedene Kategorien ausgetragen, wobei zwischen drei und - heuer erstmals - elf Spieler mit bis zu zwölf Kilometer pro Stunde über das Feld rasen und versuchen, einen Golfball in das 40 Zentimeter große Tor zu bugsieren. Die Größe des Spielfelds beträgt je nach Kategorie 150 x 130 oder 220 x 180 Zentimeter.

Autonome Steuerung

Dabei geht es teilweise auch ganz heftig zur Sache, es wird gestoßen, abgedrängt, zeitweise haben gleich drei Robo-Würfel den Ball in der Zange; nur "Haxl-Stellen" geht nicht, die Spieler haben nämlich Räder. Die oberste Regel lautet: Die menschlichen Trainer dürfen während des über zwei Mal fünf Minuten gehenden Spiels nicht eingreifen, der Computer steuert seine Robos völlig autonom. Um sich laufend über den Verlauf zu informieren, hängt über dem Spielfeld eine Kamera, jeder Spieler ist farbig markiert.

Als Vater des Wiener Roboter-Fußballs gilt Peter Kopacek, Vorstand des Instituts für Handhabungsgeräte und Robotertechnik der TU Wien. Er ist auch der Teamchef. So lustig das Ganze anmutet, für Kopacek ist der Roboter-Fußball auch eine ernst zu nehmende Beschäftigung. Soft- und Hardware der völlig eigenständig agierenden Würfel zu entwickeln und laufend zu verbessern ist eine echte Herausforderung für absolute High-tech-Spezialisten der Universität. "Wir haben kürzlich die gängige 'Blue-tooth-Technik' getestet, sie wäre für unsere Zwecke viel zu langsam", illustrierte Kopacek. Für die WM kündigte der Professor auch eine völlig neue Entwicklung, über die er noch nichts sagen will, "die Konkurrenz hört möglicherweise mit".

Unterstützung durch Stadt Wien

Vom ernst zu nehmenden Aspekt des Spektakels ist auch der Wiener Vizebürgermeister Sepp Rieder (S) überzeugt. Nur wer wissenschaftliche Errungenschaften sichtbar, erlebbar und nutzbar mache, könne langfristig Verständnis für die Wissenschaft erzeugen, so Rieder bei einer Pressekonferenz am Freitag. Die Stadt Wien unterstützt die Ausrichtung der WM mit 15.000 Euro.

Im Vorjahr wurde die FIRA-WM in Seoul (Korea) ausgetragen. Das TU-Wien-Team "Austro Music" scheiterte im Semifinale an Deutschland und landete auf Platz vier von 36 Teilnehmern. "Da war auch noch viel Pech dabei, nur ein 'Bug' in der Software bescherte uns in der letzten Minute noch ein Eigentor", berichtete Kopacek. Für die diesjährige WM in Wien sind drei österreichische Mannschaften gemeldet, neben dem bewährten Team "Austro Music" - Haydn im Tor sowie Mozart, Beethoven, Strauß und Lanner auf dem Feld - werden "Austro" und "Austro 7" mit von der Partie sein.

Robocup

Für technisch interessierte Fußballfreunde erreicht das Jahr mit dem 2. Juli seinen Höhepunkt. Dann findet in Padua der Robocup - die Weltmeisterschaft der Fußball spielenden Roboter statt (bis inkl. 11. Juli). Die Grazer Technische Universität nimmt als einzige Uni Österreichs mit völlig autonomen Robotern an diesem Wettbewerb teil, zu dem sich weltweit über 3.000 Forscher angemeldet haben. "Die letzten Vorbereitungen dazu laufen auf Hochtouren", so der Grazer Teamleiter Franz Wotawa, Vorstand des Institutes für Softwaretechnologie im Pressegespräch in Graz.

Der gesamte Wettbewerb versteht sich als Testfeld, in dem sich Institute aus aller Welt im Bereich der artifiziellen Intelligenz messen und Techniken vergleichen können. "Das Fußballspiel zwischen den Robotern dient als ideales Szenario zur Entwicklung und Bewertung neuer Ideen im Einsatz von autonomen, mobilen Robotern, wie sie in der Industrie und später auch in anderen Bereichen der Gesellschaft eingesetzt werden könnten", erläutert Wotawa den ernsthaften Hintergrund des Cups, für den die Grazer TU gleich vier Roboter programmiert. (APA)

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