Österreich zur ESO

4. April 2003, 12:50
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Forschungsrat empfiehlt Beitritt zu einer der weltweit führenden Astronomie-Organisationen

Wien - Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) empfiehlt eine Mitgliedschaft Österreichs bei der Europäischen Südsternwarte ESO (European Southern Observatory). Damit könnte ein lang gehegter Wunsch der österreichischen Experten in Erfüllung gehen: der Beitritt zu einer der weltweit führenden Astronomie-Organisationen. "Ein Nicht-Beitritt würde mittelfristig zur Marginalisierung der astronomischen Forschung und Lehre in Österreich führen", heißt es in der Empfehlung, die der RFT in seiner jüngsten Sitzung verabschiedet hat.

Im Sinne der Weiterentwicklung der österreichischen Forschung und Lehre im Bereich der Astronomie und Astrophysik, zur Sicherung ihrer Qualität und ihrer internationalen Konkurrenzfähigkeit sei ein Betritt zur ESO unerlässlich, heißt es in der Rats-Empfehlung. Ein ESO-Mitgliedschaft hätte nach Ansicht des RFT darüber hinaus positive technologische und wirtschaftliche Effekte, da Impulse für die Entwicklung eines breiten Spektrums von unterstützenden Technologien ebenso wie Impulse für die wissenschaftsbasierte Industrie zu erwarten seien. Es gebe ein ausreichendes Potenzial an österreichischen Instituten und Firmen, die als Lieferanten und Partner der ESO fungieren können.

Der Rat empfiehlt der Bundesregierung, Verhandlungen über die österreichische Mitgliedschaft bei der ESO aufzunehmen. Gleichzeitig nennt der Forschungsrat allerdings Bedingungen, die eine endgültige Entscheidung auch auf den "Sankt Nimmerleinstag" verschieben könnten: Denn über den Beitritt tatsächlich entschieden werden sollte erst "nach Vorliegen der Strategie zur Schwerpunktbildung an den Universitäten und nach gleichzeitiger gesamthafter Prüfung der Mitgliedschaft Österreichs in den verschiedenen forschungsrelevanten internationalen Organisationen und Einrichtungen", meint der RFT.

Die österreichischen Astronomen wollen schon lange zur ESO, die seit mehr als 40 Jahren besteht und mittlerweile zehn Mitgliedsländer hat (Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Portugal, Schweden und Schweiz). Erste Anläufe gab es bereits in den siebziger Jahren.

Bei der ESO werden nach Angaben eines Sprechers aus wissenschaftlich-technologischer Sicht keine Hindernisse gegen einen Beitritt Österreichs gesehen, bisher scheiterte es allerdings immer an den Finanzen. Denn für eine Mitgliedschaft ist nicht nur eine Beitrittsgebühr zu entrichten, mit der die bestehende Infrastruktur, vor allem die riesigen, modernsten Teleskope in einer extrem trockenen, wetterbegünstigten Gegend Chiles, anteilsmäßig abgegolten wird. Es ist auch ein jährlicher Mitgliedsbeitrag zum ESO-Jahresbudget (rund 86 Mio. Euro) zu bezahlen.

Sabine Schindler, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Astronomie und Astrophysik und Professorin am Institut für Astrophysik an der Universität Innsbruck, zeigte sich im Gespräch mit der APA überaus froh über die Empfehlung des Rates, die "ganz wichtig für die Zukunft der österreichischen Astronomie" sei. Es gehe dabei nicht nur um den Zugang zu den Großteleskopen der ESO, sondern auch um die Integration in den Europäischen Forschungsraum und den Anschluss an die internationale Forschungsspitze. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das La Silla Observatorium der ESO in Chile

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