Ergebniseinbruch bei AWD

4. April 2003, 12:15
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Österreichs größter Finanzberater muss Halbierung des Betriebs-Ergebnisses hinnehmen - Deutsche Mutter in Turbulenzen

Wien - AWD-Österreich, die 100-prozentige Tochter des börsenotierten deutschen Finanzberaters AWD, weist für 2002 bei stabilem Umsatz einen deutlichen Rückgang beim Betriebsergebnis (Ebit) aus. Während die Umsatzerlöse des nach AWD-Angaben mit Abstand größten Finanzdienstleisters in Österreich um 0,7 Prozent auf 56,1 (2001: 55,7) Mio. Euro leicht verbessert werden konnten, halbierte sich das Ebit von 12,9 auf 6,0 Mio. Euro. Als Grund dafür nannte AWD-Österreich-Sprecher Wolfgang Prasser wichtige und weit reichende Investitionen in die zukünftige Entwicklung.

Den Schwerpunkt der Investitionen habe 2002 die Freischaltung des "Finance Managers" gebildet, so Prasser am Freitag im Gespräch mit der APA. Mit diesem Online-Tool können AWD-Kunden per Internet ihren tagesaktuellen Vermögensbestand einsehen. Beinahe 6.000 Kunden haben sich den Zugang bereits freischalten lassen. Weitere wichtige Investitionen hätten die Gewinnung und Ausbildung von Mitarbeitern (E-Learning-Programm) und das Vergütungssystem betroffen.

Leichtes Umsatzwachstum

Insgesamt habe AWD-Österreich 2002 mit dem leichten Umsatzwachstum gegenüber dem Branchentrend Marktanteile gewinnen können, da im Vergleich das Neugeschäftsvolumen der gesamten heimischen Finanzdienstleistungsbranche 2002 um 25 Prozent eingebrochen sei, so Prasser unter Bezugnahme auf eine Statistik der Wirtschaftskammer Wien. Bei den Investmentfonds habe es Rückgänge gegeben, bei den Lebensversicherungen habe es dagegen deutliche Zuwächse gegeben.

Das Jahr 2003 habe sehr gut begonnen, so Prasser. Eine enorme Nachfrage herrsche nach dem staatliche geförderten Zukunftsvorsorgeprodukt, von dem bereits 2.300 Verträge verkauft worden seien. Prasser geht für 2003 von einem zweistelligen Umsatzwachstum aus. Da diesmal keine größeren Investitionen geplant sind, sollte auch das Ergebnis deutlich steigen.

34 Niederlassungen

Per Ende Dezember 2002 war AWD in Österreich mit 34 Niederlassungen vertreten, um drei mehr als ein Jahr davor. Die Zahl der in Österreich tätigen voll ausgebildeten Wirtschaftsberater erhöhte sich von 454 auf 516. Rund 60.000 Kunden sind beraten worden, der gesamte Kundenstock beläuft sich auf rund 200.000. Innerhalb des AWD-Konzerns hat Wien die operative Verantwortung für die Aktivitäten in Zentral- und Osteuropa übernommen. Im Vorjahr wurden mit Finance.EU und dem Ostgeschäft der ECG zwei Finanzdienstleister übernommen. Beide erreichten 2002 einen Umsatz von 6,5 Mio. Euro.

Der Mutterkonzern und zweitgrößte Finanzdienstleister Deutschlands, die börsenotierte AWD, hat infolge von Sonderbelastungen durch Zukäufe im vorigen Jahr deutliche Einbußen beim Jahresüberschuss erlitten. Der Reingewinn sei 2002 um 61 Prozent auf 16,9 von 43,3 Mio. Euro im Jahr zuvor zurückgegangen, teilte AWD bei der Bilanzpressekonferenz in Hannover mit. Der Rückgang war allerdings erwartet worden. Schon das operative Konzernergebnis (Ebit) war durch Aufwendungen in Höhe von 24 Mio. Euro für die Nebenkosten der Zukäufe in Deutschland und Großbritannien im vorigen Jahr deutlich gesunken.

50 Klagen laufen

AWD bestätigte für 2002 seinen Dividendenvorschlag von 0,50 Euro je Aktie nach 0,70 Euro im Jahr zuvor. Offen ist noch, in welchem Umfang das Ergebnis durch weitere Klagen von Anlegern gegen AWD belastet wird. Derzeit sind im Zusammenhang mit der Vermittlung von so genannten Drei-Länder-Fonds 50 Klagen mit einer Schadenssumme von 2,9 Mio. Euro anhängig. AWD-Finanzvorstand Ralf Brammer erwartet keine Gewinneinbußen.

Die AWD-Tochter in der Schweiz hat 2002 wegen Investitionen in eine neuartige Finanzplanungssoftware einen Gewinnrückgang um 21 Prozent auf 13,4 Mio. Franken (9,02 Mio. Euro) hinnehmen müssen. Der Umsatz war mit 101,1 nach 101,8 Mio. Franken stabil.

Die AWD-Aktien notierten im Nebenwerteindex MDax der Frankfurter Börse am Vormittag 0,84 Prozent im Plus bei 10,76 Euro. (APA/Reuters/sda)

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