Gorbach wünscht sich Verkehrserziehung statt Latein

4. April 2003, 11:32
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Während Ministerium Stundenkürzungen plant, werden neue Fächer gefordert: Arbeiterkammer plädiert für Verbraucherbildung

Wien - Während man im Bildungsministerium eine Reduktion der Schulstunden plant, kommen von anderer Seite Forderungen nach neuen Unterrichtsgegenständen. Verkehrsminister Hubert Gorbach (F) will zur Senkung der Verkehrsunfallzahlen ein Fach "Verkehrserziehung", und die Arbeiterkammer (AK) forderte am Freitag eine verpflichtende Verbraucherbildung in den Schulen. Auf der anderen Seite protestieren die Kunst-Universitäten und Historiker gegen die Stundenkürzungen.

Wenn Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) über Kürzungen in Latein rede, "hätte ich den Wunsch, dass man Verkehrserziehung macht", sagte Gorbach am Donnerstag im "Kurier". Und die AK will angesichts der "rasant ansteigenden Zahl verschuldeter Jugendlicher" "Schüler aufs Leben vorbereiten, statt in der Schule zu sparen".

Proteste von den Kunst-Universitäten

Inzwischen häufen sich auch die Proteste einzelner Interessengruppen an den Stundenkürzungs-Plänen Gehrers. Die Musik-Uni Wien, die Universität für angewandte Kunst Wien, die Akademie der bildenden Künste Wien und die Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz sehen in einer gemeinsamen Aussendung am Freitag in der Stundenreduktion "keinerlei bildungspolitisches Konzept, sondern eine von Willkür bestimmte und lediglich auf Druck des Finanzministers durchzusetzende Maßnahme". Diese sei dadurch geprägt, dass den Kürzungen keine tiefer gehende Fachdiskussion vorausgegangen sei, sondern die gesamte Aktion unter enormem Zeitdruck ablaufe und bei den Kürzungen offenbar einfach nach der Rasenmähermethode verfahren werde. Wenig verwunderlich erscheint es den Kunst-Unis, dass gerade auch so genannte allgemein bildende Fächer wie Latein, Deutsch, Psychologie, Philosophie, aber auch die "Kreativfächer" Textiles Werken, Bildnerische Erziehung und Musik gekürzt werden.

Auch Geschichtsinstitute der Uni Wien protestieren: "Schenllschüsse"

Fünf Institute für Geschichte der Uni Wien wenden sich in einer Aussendung gegen die Kürzungen im Fach Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung um eine Stunde in der 5. Klasse AHS. Für dieses Fach sei - bedingt durch die Aufnahme der Politischen Bildung in die 7. und 8. Klasse - mit dem Schuljahr 2002/03 ein neuer Lehrplan in Kraft gesetzt und die neuen Lehrbücher für die 5. Klasse AHS gerade erst ausgeliefert worden. Der im neuen Lehrplan vorgesehene Stoff sei aber mit nur einer Wochenstunde Geschichte "überhaupt nicht zu vermitteln". Dies sei der Beweis, dass es sich bei den Stundenkürzungen um budgetär bedingte Schnellschüsse handle, meinen die Historiker. (APA)

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