Zweifel an Eindämmung der Seuche

4. April 2003, 20:11
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US-Diplomaten aus Angst aus China abgereist - Wissenschaftler vollkommen uneinig über mögliche weltweite Ausbreitung der Epidemie

Washington/Genf/Peking - Der Abzug der US-Botschaftsmitarbeiter aus China wird mit den Aussagen von Julie Gerberding, Direktorin der US-Gesundheitsbehörde CDC, begründet. Sie hatte in einem Artikel für ein Medizin-Fachmagazin über Sars (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom) geschrieben: "Das Virus ist schneller als unsere wissenschaftlichen, kommunikativen oder Kontroll-Mechanismen." Daher sei die Frage zu stellen, ob ein Ausbruch in allen Kontinenten der Erde noch zu verhindern sei. Weltweit registrierte die Weltgesundheitsorganisation WHO bisher 2270 Sars-Fälle und 80 Tote.

Die WHO ist nach wie vor überzeugt davon, dass Sars unter Kontrolle zu bekommen ist. "Wenn jetzt ein Fall in einem neuen Land auftaucht, sind alle Behörden alarmiert", sagte am Freitag ein WHO-Sprecher in Genf. So könne man weitere Ausbrüche auch unter Kontrolle bekommen.

"Keine Überreaktion" Die Organisation widerspricht auch Vorwürfen, sie habe mit ihrer Reisewarnung für Hongkong und Guangdong übertrieben oder leiste einer Panik Vorschub. Noch sei unbekannt, wo Sars herkomme und wie es sich ausbreite. "Wenn wir Sars durch Warnungen unter Kontrolle bekommen, ist dies keine Überreaktion", sagte der Sprecher.

Ein Ärzteteam der WHO war am Donnerstag erstmals in die südchinesische Provinz Guangdong eingereist, wo der Ursprung der Infektionen vermutet wird. Die Mediziner loben nun die Zusammenarbeit mit den chinesischen Behörden. Ihrer Meinung wollen die zuständigen Chinesen damit beweisen, dass sie die Seuche unter Kontrolle haben und die WHO die Reisewarnung aufheben könne.

Reisewarnungen

Japan weitete am Freitag seine Reisewarnungen aus. Nicht nur Hongkong und Guangdong sollten gemieden werden, sondern auch Toronto, Hanoi und Singapur. Rund 100 Flüge täglich von und nach Hongkong wurden mittlerweile gestrichen, teilten die dortigen Flughafenbehörden mit. Die AUA meldeten am Freitag, sie führten als Vorsichtsmaßnahme ab sofort an Bord von Langstreckenflügen Gratismundschutzmasken für die Passagiere mit.

Neue Sars-Verdachtsfälle wurden aus Australien, Japan und den USA gemeldet. In der Nacht zum Freitag bestätigten die kanadischen Behörden den Tod einer Sars-Patientin, am Freitag starb eine Frau in Singapur an der heimtückischen Krankheit. (AFP,red, DER STANDARD Printgausgabe 5/6.2003)

Die Angst vor Sars im asiatischen Raum nimmt zu: Angehörige der US-Botschaften in China verlassen das Land, Reisewarnungen führen zu drastischen Ausfällen im Flugverkehr
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