US-Berufungsgericht zweifelt an Java-Urteil

4. April 2003, 09:25
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Richter: Sun kann den Schaden im Verfahren gegen Microsoft nicht beweisen

Das US-Berufungsgericht stellt im Prozess von Sun gegen Microsoft über die Integration von Java in Windows die Entscheidung der ersten Instanz in Frage. Nach einem Bericht des Wall Street Journals vertritt Richter Paul Neimayer, einer der drei Richter des Gremiums, die Meinung, dass die einstweilige Verfügung aus der ersten Instanz, die Microsoft zur Integration von Java verpflichtet, nicht gerechtfertigt sei. Sun Microsystems hat bisher nicht beweisen können, dass dem Unternehmen auf dem Markt durch das Verhalten Microsofts ein Schaden drohe.

Einstweilige Verfügung

In der ersten Instanz hatte US-Bezirksrichter Frederick Motz eine einstweilige Verfügung erlassen, die das Unternehmen aus Redmond dazu verpflichtet, Sun Java Virtual Machine in seine PC-Software zu integrieren. Diese Auflage sollte innerhalb von 120 Tagen erfüllt werden, wurde allerdings mit der Berufung von Microsoft ausgesetzt. Sun hat seinen Fall auf dem Wettbewerbsurteil gegen Microsoft aufgebaut und argumentiert, dass Microsoft bewiesenermaßen wettbewerbsschädlich agiert. Sun wirft seinem Konkurrenten vor, durch dessen Marketingpraxis für seine .Net-Technologie den Erfolg von Java zu behindern. Dieser Meinung schloss sich auch Motz an. Die Anwälte von Microsoft bestreiten diese Darstellung allerdings. Nach ihrer Meinung konnte Sun dies nicht beweisen.

Ewiger Kampf

Die Berufungsverhandlung ist die jüngste Runde eines langandauernden Kampfes zwischen den beiden Konzernen. Sun als Java-Erfinder hatte Microsoft bereits 1997 geklagt. Der Software-Konzern hatte als Lizenznehmer Java verändert, so dass Sun die Plattformunabhängigkeit von Java nicht mehr gegeben sah. Nach einem Vergleich im Jahr 2001 beschloss Microsoft Java in Windows XP nicht mehr zu führen, sondern auf eigene Technologien zu setzen. Sun klagte daraufhin im vergangenen Jahr nochmals gegen Microsoft. Neben einer Integration von Java in Microsoft-Produkte fordert das Unternehmen noch eine Mrd. Dollar an Schadenersatz. Microsoft wiederum antwortete im vergangenen Februar mit einer Gegenklage und beschuldigt Sun, die Vereinbarung aus dem Jahr 2001 gebrochen zu haben.(pte)

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