China bestreitet Sars-Problem

3. April 2003, 20:04
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Reisewarnung stellte Gesundheitsminister als unnötig dar - WHO-Team durfte erstmals in die Südprovinz Guangdong

Peking/Hongkong/Toronto - Chinas Regierung hat die internationale Kritik an seinem Umgang mit der Lungenkrankheit Sars (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom) zurückgewiesen. Die Warnungen vor Reisen nach Südchina stellte Gesundheitsminister Zhang Wenkang am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Peking als unnötig dar. China sei "sicher".

Krankheit sei unter Kontrolle

Die Krankheit sei "unter Kontrolle", sagte der Minister, wenn auch nicht beseitigt. Er wehrte sich auch gegen den Vorwurf, dass Chinas Verwaltung die Welt nicht schnell genug über die Epidemie informiert habe.

Absagen

Nach Absagen internationaler Konferenzen, Sportwettbewerben, Konzerten und Touristenreisen beteuerte der Minister: "Es ist sicher, nach China zu kommen, hier zu leben und an Konferenzen teilzunehmen." Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sei sich "nicht ganz im Klaren" gewesen über die Situation in Südchina, als sie ihre Reisewarnung ausgesprochen habe, sagte der Minister.

Ein WHO-Expertenteam, das am Donnerstag nach fünftägigem behördlichen Zögern in die Südprovinz Guangdong reisen durfte, begann mit den Untersuchungen. Die Provinz hat mit 1153 Infizierten weltweit die meisten Fälle.

47 Tote eingestanden Die Epidemie war dort im November ausgebrochen und hatte im Februar ihren Höhepunkt erreicht. China hat bisher 1190 Kranke und 47 Tote offiziell zugegeben. Weltweit hatte die WHO in Genf bis Mittwochabend 2223 Fälle registriert. Es gebe "keinen wissenschaftlichen Beweis", dass Guangdong der Ursprungsort der Krankheit sei, auch wenn die ersten Fälle von dort berichtet worden seien, sagte Minister Zhang Wenkang.

Angst nimmt zu

Die Angst vor der lebensbedrohlichen Lungenkrankheit nimmt unterdessen weiter zu. In Hongkong wurden Priester dazu aufgerufen, Hostien beim Abendmahl den Gläubigen nicht mehr in den Mund, sondern nur noch in die Hand zu legen. Das öffentliche Leben in Hongkong ist durch Sars teilweise lahm gelegt. Von den weltweit mindestens 80 Toten entfallen allein 17 Opfer auf die Hafenstadt.

In Kanada wurde erstmals die Polizei zur Isolierung von möglicherweise Infizierten eingesetzt: Zwei Einwohner der am schwersten betroffenen Stadt Toronto wurden von Polizisten zur Einhaltung der Quarantäne gezwungen. Rund 2500 Menschen im Großraum Toronto haben sich freiwillig in Quarantäne begeben. Bisher sind sechs Kanadier an Sars gestorben. (dpa, DER STANDARD Printausgabe 4.4.2003)

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