Weiße Pferde mit blauem Blut

3. April 2003, 19:49
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Das Lipizzanergestüt in Piber ist bereit für die Landesausstellung "Mythos Pferd"

Piber - "Diese Pferde sind unser Heiligtum, unser Kapital", erklärt Alfred Pischler, der Leiter des Bundesgestüts Piber inmitten des rundum erneuerten Pferde-Dorados in der Weststeiermark. Das Gestüt wird von 1. Mai bis 26. Oktober 2003 die steirische Landesausstellung "Mythos Pferd" ausrichten. Der Direktor der Spanischen Hofreitschule in Wien, Werner Pohl, rechnet mit 150.000 Besuchern.

Stammmütter im 18. Jahrhundert geboren

Zunächst freut man sich hier aber über eine Weltpremiere: Alle 15 klassischen Lipizzaner-Stutenfamilien - deren Stammmütter im 18. Jahrhundert geboren wurden und die Basis des kaiserlichen Gestüts bildeten - sind seit kurzem in Piber wieder vereint. Die fehlenden Stuten aus den Klans der Rava, Argentina und Spadiglia konnten aus der Slowakei und Italien in die Steiermark gebracht werden. Die Lipizzaner stammen aus Spanien und wurden von den Habsburgern im 16. Jahrhundert nach Mitteleuropa gebracht. Dem noch namenlosen schwarzen Fohlen, das die Stute Ravenna vor einem Monat auf dem Gestüt zur Welt brachte, ist sein Stammbaum schwerlich bewusst.

Renovierung und Verbesserung

Neben der Familienzusammenführung wurde in den letzten sieben Monaten auch eine groß angelegte Renovierung und Verbesserung der gesamten Anlage um über sechs Millionen Euro vollbracht. Unter anderem wurden 3000 Quadratmeter Dachflächen und drei Ställe saniert, ein Reitplatz im Ausmaß von 5000 Quadratmetern adaptiert und eine Tribüne für 1500 Besucher von Architekt Ernst Giselbrecht errichtet. Diese fällt durch ihr - wie bei einer Schirmkappe - nach vorne abfallendes Dach auf. Ein neues Wegekonzept und die Verlegung einer Straße sorgen außerdem für eine verkehrsberuhigte Umgebung.

Riesenhaftes Trojanisches Pferd

Die Besucher der Landesausstellung, die durch ein riesenhaftes Trojanisches Pferd in das Schloss gelangen, können sich aber nicht nur über die Geschichte und Zucht der Lipizzaner informieren, sondern auch eine Reise quer durch die Kunstgeschichte unternehmen: Neben dem Gestüt stehen eine romanische Kirche, ein gotischer, kürzlich renovierter Schüttkasten und das barocke Schloss. (cms, DER STANDARD Printausgabe 4.4.2003)

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    foto: steiermark tourismus
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