George Bushs Reisender in Sachen Irak

4. April 2003, 14:21
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Der Exilafghane Zalmay Khalilzad gilt als Präsidentenmacher im Irak - Ein Kopf des Tages

"Zal", wie ihn Freunde nennen, befand sich diesmal in der Delegation des ungern reisenden US-Außenministers Colin Powell, meistens ist er allein unterwegs: Der von George Bush ernannte "Botschafter für die freien Iraker", der Exilafghane Zalmay Khalilzad, zieht die US-Fäden, an denen die irakische Opposition zappelt.

Und da das schon in Afghanistan seine Rolle war - wo er im Juni 2002 in den Kulissen der Versammlung stand, die Hamid Karsai zum Präsidenten machte (dazu musste Khalilzad zuerst den König, Zahir Shah, weich klopfen) -, gilt er auch für den zukünftigen Irak als Präsidentenmacher.

Zalmay Khalilzad ist wohl das, was man eine graue Eminenz nennt. Sein Einfluss übertrifft bei weitem den des bisher wichtigsten offiziellen Postens, den er 1991/92 innehatte: Staatssekretär im Verteidigungsministerium unter Paul Wolfowitz. Dass er in der jetzigen Bush-Regierung kein Regierungsamt bekleidet und "nur" im "National Security Council" sitzt, erklären Beobachter mit seiner Karriere, die vielleicht im Senat Anstoß erregt hätte.

In den 80er-Jahren organisierte der aufgrund der Besetzung Afghanistans durch die Sowjets heimatlos Gewordene die US-Zusammenarbeit mit dem Widerstand der islamistischen Mudjahedin. Und als Repräsentant der amerikanischen Ölfirma Unocal, die bereits Mitte der 90er-Jahre ihr (nach dem Afghanistankrieg 2002 endgültig auf die Schienen gebrachtes) Pipeline-Projekt in Afghanistan verfolgte, pflegte Khalilzad gute Beziehungen zu den Taliban. Damals legte er Washington dringend nahe, deren Regime offiziell anzuerkennen: "Die Taliban praktizieren keinen Anti-US-Stil des Fundamentalismus wie die Iraner", schrieb er als Stratege der Rand Corporation im Jahr 1996. Später, nach den Anschlägen auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam 1998, musste er anerkennen, dass Afghanistan "eine Schutzzone für einige der gefährlichsten antiamerikanischen Terroristen der Welt" geworden war.

Khalilzad wurde 1951 in Mazar-e Sharif geboren, studierte in Beirut und Chicago, wo er einmal propalästinensisch und eher links gewesen sein soll. Heute ist er ein aufrechter Neokonservativer, dazu ein Ölmann unter Ölmännern und -frauen (Condoleezza Rice, seine Vorgesetzte im Sicherheitsrat). Dass ausgerechnet einer aus dieser Branche entscheidend mitbestimmen soll, wer im Nachkriegsirak das Sagen hat - und die Ölverträge vergibt -, ist Wasser auf die Mühlen derjenigen, für die der Irakkrieg nur wegen des Öls geführt wird.

Verheiratet ist Khalilzad mit einer Österreicherin: Cheryl Benard (vom Autorinnenduo Benard/Schlaffer). Sie sind Eltern zweier Kinder und haben auch als Buchautoren ("Gott in Teheran") zusammengearbeitet. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 4.4.2003)

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