Große Bau-Korruptionsaffäre aufgeflogen

4. April 2003, 15:05
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Burgenländer in U-Haft - Dutzende Firmen im Burgenland, in Oberösterreich, in Wien und in der Steiermark involviert

Eisenstadt/Wien - Ein riesiger Korruptionsskandal beschäftigt seit wenigen Tagen das Bundeskriminalamt (BK). Involviert sind Dutzende Firmen im Burgenland, in Oberösterreich, in Wien und in der Steiermark. Nach Angaben der burgenländischen Sicherheitsdirektion wird einem leitenden Mitarbeiter des Wasserleitungsverbandes Nördliches Burgenland zur Last gelegt, an widerrechtlichen Auftragsvergaben beteiligt und dabei vermutlich persönlich begünstigt gewesen zu sein. Gegen mehr als 40 Personen wird ermittelt. Es geht um verbotene Geschenkannahmen, Begünstigung von Gläubigern und um Betrug bei Auftragsvergaben.

Burgenländer in U-Haft

Die Vernehmung der zweier Verdächtiger, die zunächst in Verwahrungshaft waren, wurde am Freitag abgeschlossen. Nur über einen der Männer - einen leitenden Angestellten des Wasserleitungsverbandes Nördliches Burgenland - wurde die Untersuchungshaft verhängt, bestätigte der Pressesprecher des Landesgerichtes Eisenstadt, Dr. Karl Mitterhöfer. Der zweite Verdächtige, ein Angehöriger einer Wiener Privatfirma, ist wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Bei dem Firmenvertreter wurde - im Gegensatz zu dem Burgenländer - Verdunkelungsgefahr nicht angenommen. Der Mann hatte sich sehr kooperationsbereit gezeigt. Der Mitarbeiter des Wasserleitungsverbandes war teilweise geständig. Der Verdacht der Geschenkannahme habe sich massiv verdichtet, hieß es nach den Einvernahmen.

Anzeige

Ins Rollen kamen die Ermittlungen durch eine Anzeige gegen einen Mitarbeiter eines burgenländischen gemeinnützigen Unternehmens. Dem Vernehmen nach dürfte es sich um ein Wohnbauunternehmen handeln.

61 Hausdurchsuchungen

"Das war aber nur die Spitze eines Eisberges", sagte Donnerstag Oberstleutnant Rainer Erhard von der burgenländischen Kriminalabteilung zum STANDARD. Derzeit seien 30 von einander unabhängige Komplexe anhängig. Im Auftrag des Landesgerichts Eisenstadt führten 125 Beamte insgesamt 61 Hausdurchsuchungen durch. Dabei wurden Hunderte Dokumente, Festplatten und Laptops beschlagnahmt. Mit weitere Verhaftungen ist zu rechnen. (simo, DER STANDARD Printausgabe 4.4.2003)

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