Taximord: Anzeigen gegen die Ermittler

3. April 2003, 19:07
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Schlampereien bei Beweisstücken - sechs Ermittler könnten von Zeugen auf die Anklagebank wechseln

Salzburg - Von der Zeugen- auf die Anklagebank wechseln könnten sechs Ermittler, die mit dem Salzburger Taxi-mord beschäftigt waren. Wie nun bekannt wurde, laufen nach einer Anzeige durch die Verteidiger des Angeklagten Peter Heidegger gerichtliche Vorerhebungen gegen die Kriminalbeamten. Die Vorwürfe: Amtsmissbrauch, Urkundenfälschung und -unterdrückung sowie falsche Beweisaussage.

Protokolle

Am vergangenen Montag landete die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, wie deren Leiter Friedrich Ginthör bestätigt. Nun will man die Protokolle der Verhandlung gegen Heidegger genau studieren. Ob der Angeklagte, dem der Mord an einer Taxilenkerin im Jahr 1993 vorgeworfen wird, freigesprochen oder verurteilt wird, ist dabei nicht so wichtig, erklärt Ginthör: "Wenn ich eine Urkunde unterdrücke, ist das vom Prozessausgang unabhängig."

Beweisstücke spät übergeben

Die Kriminalisten waren im bisherigen Prozessverlauf immer wieder von Verteidiger Franz Gerald Hitzenbichler und dem Vorsitzenden Peter Reifenberger kritisiert worden. Selbst Staatsanwältin Barbara Feichtinger reagierte ungehalten. So sollen handschriftliche Protokolle von Beamten nicht korrekt übertragen worden sein, Aktenvermerke über Beweisstücke waren unvollständig. 39 dieser Beweisstücke wurden überhaupt erst im Jahr 2001 an das Gericht übergeben.

Die Anzeige machte sich am Donnerstag im Verfahren gegen Heidegger bereits bemerkbar. Der erste Zeuge, ein ebenfalls von den Verteidigern beschuldigter Inspektor, entschlug sich der Aussage. Nach einer halben Stunde wurde der Prozess auf Freitag vertagt. (moe, DER STANDARD Printausgabe 4.4.2003)

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