Der schwierige Weg hinaus

3. April 2003, 18:10
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Architekt Klaus Kada im Interview zum Widerstand gegen Holzbauers Festspielhaus-Entwurf für Salzburg

Der Widerstand gegen Wilhelm Holzbauers Festspielhaus-Entwurf wächst. Klaus Kada, Vorstand des Salzburger Gestaltungsbeirats, erklärt im Gespräch mit Ute Woltron ausführlich, warum.


Salzburg - Sowohl die Stadtväter als auch die Grünen äußern mittlerweile öffentlich schwere Bedenken gegen Wilhelm Holzbauers Festspielhauskonzept. Auch der Salzburger Gestaltungsbeirat unter dem Vorsitz von Klaus Kada, der Einsicht in die noch immer - im Detail - unter Verschluss gehaltenen Pläne erhielt, steht der neuen Architektur im Hause Clemens Holzmeisters äußerst distanziert gegenüber. Kada, einer der renommiertesten heimischen Architekten (zuletzt plante er etwa die Grazer Stadthalle), erklärt nun im STANDARD, warum.


Klaus Kada: Das grundsätzliche Problem besteht darin, dass Wilhelm Holzbauer versucht hat, das neue Kleine Festspielhaus im dem Haus, das bereits dort steht, unterzubringen. Das hat er aufgezeichnet, und die Jury hat ihm seine Pläne nicht geglaubt. Er war also nie Erstgereihter, und zwar aus dem einfachen Grund: Es geht sich nicht aus.

STANDARD: Aus welchen Gründen geht sich das nicht aus?

Kada: Dieses Haus ist für Massenveranstaltungen gemacht, und da müssen gewisse Regeln eingehalten werden. Man braucht die entsprechende Menge von Fluchtwegen und Treppen in den erforderlichen Breiten, damit die Leute rasch das Gebäude verlassen können. Auf den ersten Blick sieht es zwar so aus, als ob er dieses Problem auf die Reihe gekriegt hätte, doch auf den zweiten Blick erkennt man, dass der vorhandene Platz nicht reicht.

STANDARD: Es wurde diesbezüglich dem Vernehmen nach doch bereits heftig umgeplant?

Kada: Es gab dieses berühmte ausschlaggebende Gutachten eines Ingenieurbüros, das besagte, wenn eine gewisse bestehende Mauer verletzt würde, so würde das viel Geld kosten. Holzbauer selbst hat erst weinerlich Holzmeister beschworen und sich dann plötzlich selbst dazu entschlossen, diese Mauer gänzlich abzureißen. Er bleibt trotzdem innerhalb der alten Grenzen - und es geht sich wieder nicht aus. Auch das geplante Foyer ist zu klein, die Nottreppe ebenfalls.

Er braucht Platz in Richtung Felsenreitschule und baut dort eine Fluchttreppe ein. Ein weiterer Fluchtweg für die Saalbesucher führt hinaus auf den Max-Reinhardt-Platz. Doch da der etwas tiefer liegt, braucht er wiederum eine Treppe. Für die Fluchtwege der Galerie benutzt er das Dach der Arkaden, die er erst wegreißt, um sie dann neu aufzubauen. Er flüchtet also über das Dach hinaus und in weiterer Folge über eine Treppe, die so breit ist wie die Arkaden, also immerhin knapp sechs Meter. Diese Treppe sieht aus wie die Albertinatreppe. Sie ist aber nur ein Fluchtweg. Es wird nie jemand hinaufgehen, weshalb Holzbauer vorgeschlagen hat, eine Kette davorzuhängen.

STANDARD: Wie steht es um den tatsächlichen Haupteingang?

Kada: Der befindet sich unter einem Dach, das eher Dekoration ist und keinen Schutz bietet, mit einer Stele davor wie bei einem Einkaufszentrum. Neu ist, dass für den Fluchtweg aus dem Parkett angeblich ein Sockel quer über den Platz gebaut wird. Dass man für einen Notausgang den halben Max-Reinhardt-Platz umgestaltet, ist schon eigenartig.

STANDARD: Wie gestalten sich die Eingriffe in den Bestand Clemens Holzmeisters?

Kada: Der totale Abriss. Den sehe ich als großes Problem. Es war doch vor allem Holzbauer, der Holzmeister stets als altvorderen Himmelvater angerufen hat. Vor allem der Eingriff in die Felsenreitschule ist problematisch. Es ist schon eine harte Sache, dort eine Fluchttreppe hineinzubauen. Auch die Foyerverbindung von Kleinem Festspielhaus, Großem Festspielhaus und Faistauer-Saal ist räumlich problematisch. Immerhin ist der Saal gemeinsam mit der Malerei als Gesamtkunstwerk zu sehen, in das man keine Öffnungen machen kann, wo man sie gerade braucht.

Außerdem ist in den Plänen nichts von der erforderlichen Haustechnik zu sehen, die bei solchen Gebäuden normalerweise enorm viel Platz in Anspruch nimmt. Ich habe keine Ahnung, wo er sie hintun will.

STANDARD: Wie sieht der Gestaltungsbeirat die Fassadengestaltung?

Kada: Die Fassade ist wieder ein eigenes Kapitel. Das, was an ihr neu ist, hat leider nicht die Qualität von Holzmeisters Vorgabe. Der Krampf entsteht durch die dahinterliegende Baustruktur, die teils neu, teils Bestand ist, und hat aus Platznot Zufälligkeitscharakter. Ein zufälliges Ergebnis einer sehr traurigen Situation.

STANDARD: Langsam wird die Zeit knapp, glauben Sie, dass rechtzeitig zum Mozartjahr 2006 eröffnet werden kann?

Kada: Wenn auch nur eine Kleinigkeit passiert, geht sich der vorgelegte Zeitplan nie aus, genauso gut könnte man sagen, man glaube noch an den Weihnachtsmann. Und das Geld langt mit ziemlicher Sicherheit nicht. Es wäre ein schönes Märchen, wenn Holzbauer mit dem vorgesehenen Budget auskommen könnte.

STANDARD: Wird das Haus in dieser Form gebaut werden?

Kada: Wenn sich die Salzburger mit dieser Architektur, in der wirklich wenig Konzeptives vorhanden ist, abgeben, dann sollen sie das Haus bauen. Darüber hinaus müsste man allerdings die nationale und internationale Bedeutung dieses Hauses und des Platzes davor mitbedenken, sonst sind die Konsequenzen für Salzburg in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht traurig. (DER STANDARD, Printausgabe, 4.4.2003)

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    Klaus Kada

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