WHO-Bericht: Weltweit steigende Krebsraten

7. April 2003, 01:35
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Lungenkrebs als häufigste Krebsform - Trend wäre aufhaltbar

Genf - Bis 2020 könnten die weltweiten Krebserkrankungen um weitere 50 Prozent auf 15 Mio. neue Fälle ansteigen. Dies geht aus dem aktuellen 352-seitigen World Cancer Report der WHO hervor. Der Bericht enthält aber auch eindeutige Hinweise dafür, dass ein gesunder Lebensstil und Maßnahmen in der Gesundheitspolitik den Trend aufhalten und "bis zu einem Drittel der weltweiten Krebsfälle verhindern könnten", betont Paul Kleihues, Leiter der internationalen Krebsforschungs-Behörde IARC. Die höchsten Krebsraten in Industrieländern verzeichnen die USA, gefolgt von Italien, Australien, Deutschland, den Niederlanden, Kanada und Frankreich. Weltweit ist Lungenkrebs die häufigste Krebsform mit jährlich 1,2 Mio. neuen Fällen. Es folgen Brustkrebs mit etwas mehr als einer Mio. neuer Fälle pro Jahr und Kolorektal-Krebs, an dem jährlich 940.000 Menschen neu erkranken.

Der prognostizierte starke Anstieg von zehn Mio. Fällen weltweit im Jahr 2000 auf 15 Mio. 2020 wird hauptsächlich auf die ständig steigende Alterung der Bevölkerung sowohl in Industrie- als auch in Entwicklungsländern zurückgeführt. Hinzu kommt der Trend zum Rauchen und ein ungesunder Lebensstil. "Global gesehen ist die Fokussierung der Krebspräventions-Aktivitäten insbesondere auf die häufigsten Krebsursachen, Ernährung und Tabak, nur gerechtfertigt. Diese Faktoren sind für 43 Prozent aller Krebstode im Jahr 2000, in Zahlen 2,7 Mio. Menschen, und 40 Prozent aller neuen Fälle (vier Mio. Menschen) verantwortlich", so WHO-Experte Rafael Bengoa.

Die "gute" Nachricht im Bericht: Die Brustkrebs-Sterblichkeitsrate sinkt in Nordamerika, Westeuropa und Australien. "Die Hauptgründe dafür sind verbesserte Früherkennungsmethoden und Behandlungsprogramme", sagte der Co-Autor des Berichts Bernard Stewart. Neuen Medikamenten gegen Krebs begegnet Stewart mit einer gewissen Skepsis. "Sie werden Tumore nicht unbedingt ausrotten. In Kombination mit anderen Mitteln können sie aber viele tödliche Krebsformen in kontrollierbare chronische Erkrankungen verwandeln", so Stewart weiter. Den größten Einfluss auf die Krebs-Problematik hat die Gesellschaft selbst. Die Priorität muss von der Behandlung und Erkennung auf die Prävention verlegt werden, heißt es im Bericht. (pte)

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