Krieg kostet Österreich eine Milliarde

11. April 2003, 16:31
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Der Krieg kommt auch Europa teuer zu stehen - Schätzungen belaufen sich für Österreich auf eine Milliarde Euro

Berlin/Brüssel/Wien - Der Irakkrieg kostet der österreichischen Volkswirtschaft nach Einschätzung des Finanzministeriums 0,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Dies entspräche einer Milliarde Euro. Beim Budget soll sich dies mit 400 Millionen Euro durch geringere Steuereinnahmen und mehr Arbeitslose niederschlagen.

Die Einschätzungen des Ministeriums zur BIP-Reduktion decken sich mit jener der Bank Austria-Creditanstalt, die für heuer mit einem BIP-Wachstum von 1,2 Prozent rechnet. Auch im Jahr 2004 dürfte sich dieser Krieg noch mit einem niedrigeren Wachstum von 0,25 Prozentpunkten zu Buche schlagen. Die Bankexperten rechnen mit 2,1 Prozent Wachstum für 2004. Die Annahmen gehen aber von einer kurzen Kriegsdauer aus.

Krieg dauert sechs Monate

Der Leiter des Bremer Instituts für Europäische Wirtschaft, Rudolf Hickel, legt seinen Annahmen einen bis zu sechs Monate dauernden Krieg zugrunde. Die direkten und indirekten Kosten durch den Irakkrieg für Deutschland schätzt der Wirtschaftsexperte demnach auf rund 45 Milliarden Euro. Den größten Teil davon machen demnach indirekte Belastungen aus, die durch den erwarteten Wirtschaftsabschwung, die höhere Arbeitslosigkeit und die nötige Kreditaufnahme entstünden. Den Steuerausfall beziffert Zwickel alleine auf 22,12 Milliarden Euro.

Ein langer Krieg könnte nach Ansicht des Generaldirektors für Wirtschaft und Finanzen in der EU-Kommission, Klaus Regling, sogar zu einer Rezession in der EU führen. Die gesamte Wachstumsprognose müsste für das laufende Jahr von derzeit rund ein Prozent nochmals um 0,3 oder 0,4 Prozent nach unten revidiert werden. In ihrer Herbstprognose war die EU-Kommission noch von einer Wachstumsrate von durchschnittlich 1,8 Prozent für 2003 ausgegangen.

Zwei Szenarien

Die EU-Kommission hat zwei Szenarien erstellt. Sollte der Krieg nur wenige Wochen dauern und der Ölpreis um 50 Prozent steigen, werde der Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung begrenzt sein. Verdoppelt sich der Ölpreis dagegen im ersten Halbjahr bei gleichzeitig weiter sinkendem Verbrauchervertrauen und mangelnder Investitionsbereitschaft der Industrie, könnte sich das Wachstum um 0,3 Prozent oder mehr abflachen. Die diese Woche veröffentlichten Daten über das Verbrauchervertrauen, das dramatisch gesunken ist, deuten in diese Richtung. In diesem Fall rechnet die EU-Kommission auch mit einem Wiederanstieg der Inflation um 0,4 bis 0,9 Prozent.

Die Wirtschaft sei anders als beim Golfkrieg 1991 in einer wesentlich instabileren Verfassung, so Regling. Der Kursverfall an den Aktienbörsen könnte sich noch weiter verschärfen. (afs, ina, miba, Der Standard, Printausgabe, 04.04.2003)

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    montage: derstandard.at
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