"Iraker haben Grund, skeptisch zu sein"

3. April 2003, 16:44
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Offene Fragen zur Nachkriegsordnung

Wien - Den Irakkrieg als einen Krieg vor allem im Interesse der Iraker darzustellen fällt angesichts der Fakten "on the ground" nicht leicht. Via eine von der US-Botschaft in Wien zur Verfügung gestellte Videoleitung konnten sich Journalisten und Experten am Mittwoch mit einem derjenigen amerikanischen Vorzeigeiraker unterhalten, die den Preis dieses Krieges für angemessen halten für eine Befreiung des Irak von Saddam Hussein.

Muhannad Eshaiker - vom (vom Pentagon geförderten, vom State Department eher skeptisch betrachteten) Irakischen Nationalkongress (INC) - listete die Verbrechen des Regimes, die ja tatsächlich nicht mit denen einer "normalen Diktatur" gleichzusetzen sind, penibel auf, gestand aber auf Anfrage indirekt ein, dass das Verhältnis der USA nicht immer von so hohen moralischen Kriterien getragen war: "Die Iraker haben Grund, skeptisch zu sein." Vielleicht lassen deshalb die Aufstände auf sich warten, Eshaiker machte aber darauf aufmerksam, dass sie auch 1991 erst nach Kriegsende ausgebrochen waren. Der Architekt bezeichnete die damalige Rebellion, die vom Regime unter den Augen der US-Armee niedergeschlagen worden war, als "Meilenstein in der irakischen Geschichte".

Eshaikers Darstellung - die des INC gegenüber dessen US- Partnern? -, dass die Aufstände damals von der Gesamtbevölkerung in den betroffenen Gebieten mitgetragen wurden, ist allerdings so nicht richtig: Viele Iraker waren auch 1991 abwartend zu Hause geblieben, andere, auch Schiiten, hatten für das Regime gekämpft.

Ziemlich vage blieb Eshaiker bei seiner Darstellung eines Irak nach Saddam: Er solle eine föderalistische Struktur mit fünf etwa gleich großen Einheiten haben, die er aber in keiner Weise definieren wollte - so blieb etwa die entscheidende Frage, ob Kirkuk kurdisch sein solle oder nicht, unbeantwortet.

Es gibt eine "Road map"

Die Nachkriegsordnung solle von der UNO und anderen Staaten, auch Kriegsgegnern, mitgetragen werden, ebenso müssten die Iraker in die Verwaltung eingebunden werden - wie und wann, konnte oder wollte er nicht genau sagen, auch nicht, wie sich die von ihm geforderte "irakische Souveränität schon in den ersten Monaten" mit der von den USA angekündigten Militärverwaltung vertragen werde. Laut Eshaiker existiert jedoch eine "Road map" für die Zeit ab dem Tag eins nach der Befreiung bis zu den ersten irakischen Wahlen.

Genauere Auskunft konnte er darüber geben, wie man mit belastetem Verwaltungspersonal, Armee u. ä. umgehen könnte, sie sollten sechs Monate bezahlt zu Hause bleiben und umgeschult werden. Für Saddam Hussein wünscht sich der Exiliraker einen speziell irakischen Gerichtshof: Ihm solle von den Leuten der Prozess gemacht werden, die er gefoltert und gequält habe.(Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 4.4.2003)

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