Bebenherd unter Los Angeles

3. April 2003, 21:00
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Verwerfung mit "großem Zerstörungspotenzial" erst Ende der neunziger Jahre entdeckt

Los Angeles - Ein tiefer, bisher wenig erforschter Graben unter der Innenstadt von Los Angeles könnte nach Angaben von Geologen zu "sehr großen" Erdbeben führen. Die Verwerfung soll in den vergangenen 11.000 Jahren vier schwere Erschütterungen der Stärke 7,2 oder höher auf der Richterskala ausgelöst haben. Dies berichtet eine Forscherteam der University of Southern California in der US-Fachzeitschrift "Science" (Bd. 300, S. 115) vom Freitag.

"Dies ist eine der größten Verwerfungen an einer der gefährlichsten Stellen, genau unter der Stadt Los Angeles", sagte der Geologe James Dolan am Mittwoch. Die erst Ende der neunziger Jahre entdeckte "Puente Hills"-Verwerfung wird nach den neuesten Untersuchungen als eine Erdbebenzone mit einem "großen Zerstörungspotenzial" eingestuft.

Durch die Innenstadt

Der Graben ist einer von etwa einem Dutzend, die das Stadtgebiet von Los Angeles durchziehen. Er ist bis zu 50 Kilometer lang, bis zu 17 Kilometer tief und zieht sich von Beverly Hills durch die Innenstadt bis an den östlichen Teil der Millionenstadt.

Die Forscher machen einen kleinen Abschnitt der Verwerfung für ein Beben der Stärke 6,0 im Jahr 1987 in der Ortschaft Whittier verantwortlich. Auch das Northridge-Beben der Stärke 6,7, das im Januar 1994 in Los Angeles mehr als 70 Menschen tötete, ist auf eine ähnliche, tief liegende Verwerfung zurückzuführen.

Dolan zufolge ist über die so genannten Blind Thrust Faults, die tief unter der Erdoberfläche liegen, erst wenig bekannt. Die neuen Erkenntnisse über die früheren schweren Erschütterungen auf der "Puente Hills"-Verwerfung bezeichnete er als "wichtiges Puzzle-Teilchen" für Bebenprognosen in Los Angeles. "Ein Erdbeben auf dieser Verwerfung würde eine riesige Menge seismischer Energie mitten ins Herz der Stadt pumpen", warnt der Geologe. (APA/dpa)

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