Isolation durch Schwerhörigkeit

6. April 2003, 14:14
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Frühe Untersuchung empfohlen

Wien - Die sozialen Folgen von Schwerhörigkeit wie Ängste und Depressionen können behoben werden, wenn man rechtzeitig gegen sie vorgeht. Diese Ansicht vertraten am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien Experten, die sich beruflich mit Hörminderung beschäftigen. Die Isolierung von der Umwelt sei zu vermeiden, wenn man sein Gehör früh genug untersuchen lasse, so Univ.-Prof. Renate Türk vom Donauspital.

Insgesamt 460.000 Betroffene leiden in Österreich an verminderter Hörleistung, Tendenz steigend. Dies liege daran, dass die Bevölkerung immer älter werde: "Ab dem 65. Lebensjahr weist ein Großteil der Menschen eine Minderung des Verstehens auf", so Türk. Zum anderen nehme gleichzeitig die Lärmbelastung im Alltag zu, wie etwa durch laute Konzerte. Weiters können die Hörstörungen auch andere Ursachen wie akute Infekte, Durchblutungsstörungen und Tumore haben.

Hörprobleme bei Kindern

Betroffen sind aber auch Kinder, die angeborene Hörminderungen aufweisen. Türk dazu: "Wenn ein Kleinkind nichts hört, bilden sich die notwendigen Nervenbahnen im Hirn nicht aus - und dieser Schaden ist dann irreparabel." Schlechte schulische Leistungen und auffälliges Verhalten würden deshalb oft auf eine nicht erkannte Hörstörung hindeuten. Meist seien die Probleme mit Medikamenten zu beheben. Nur in ernsteren Fällen müsse man auf eine Operation oder ein Hörgerät zurückgreifen.

Auch bei Erwachsenen treten als Folgen der Schwerhörigen, laut Psychologin Beate Handler, oftmals Ängste und Depressionen auf. "Durch das Fehlen äußerer Reize entfällt eine positive Stimulierung des Gehirnes", so Handler. Patienten, die nach Jahren der Schwerhörigkeit mit einem Hörgerät ausgestattet würden, müssten dann in einem speziellen Training das bewusste Hören wieder lernen.

Hörgeräte

"Das Gehör ist einmalig und nicht wieder herstellbar, wenn es einmal geschädigt ist", betonte Waltraud Schinko-Neuroth als Geschäftsführerin der gleichnamigen Hörgeräteakustikfirma. Dennoch gebe es heute Hörgeräte, die mit millimetergroßen Chips ausgestattet seien, die der Leistung eines großen Prozessors entsprächen. Durch Spracherkennung und Schallunterdrückung versuche man so, sich der natürlichen Wahrnehmung des menschlichen Ohres anzupassen.

Als Auszeichnung für Journalisten wird heuer erstmals ein mit 3.000 Euro dotierter Preis verliehen, mit dem die beste Berichterstattung zum Thema Hören gewürdigt werden soll. Die Trophäe, ein goldenes Innenohr, wird ab kommendem Dezember jährlich vergeben. (APA)

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