Methusalem-Unken im Waldviertel

4. April 2003, 12:13
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Zoologe entdeckte ältere Unken abseits vom Verkehr

Wien - Unken gehören mit vier Zentimetern zu den eher kleinen und unscheinbaren Amphibien, können aber offenbar ein stattliches Alter erreichen. Der Zoologe Bernhard Seidel hat wahre Methusalem-Unken im Waldviertel bei Ottenstein (Niederösterreich) entdeckt. Anhand alter Fotos konnte er nachweisen, dass die Tiere wenigstens 21 Jahre, sehr wahrscheinlich aber noch deutlich älter sind.

Über das mögliche Alter von Amphibien divergieren laut Seidel die Angaben der verschiedenen Autoren. Die Tiere sind schwierig bis gar nicht zu markieren und das Alter von Terrarientieren ist nicht eins zu eins auf das Freiland umzulegen. Als wechselwarme Tiere hängt ihr mögliches Alter auch von den herrschenden Temperaturen ab. Bekannt ist, dass Erdkröten in Gefangenschaft bis zu 35 Jahre erreichen können, viele Frösche werden dagegen kaum zehn Jahre alt.

Erkennung an Unterseite

In Österreich sind zwei Unkenarten bekannt, nämlich die Gelbbauchunke (Bombina variegata) und die Rotbauchunke (Bombina bombina). Seidel machte sich bei seinen Untersuchungen an Gelbbauchunken den Umstand zu Nutze, dass die Tiere am Bauch eine ganz typische, farbige Zeichnung haben. Wie ein Fingerabdruck einen Menschen verrät, lassen sich die Unken an ihrer Unterseite sicher identifizieren.

"So verglich ich Aufnahmen ab 1984 mit aktuellen Fotos und konnte einige Unken eindeutig wiedererkennen", so Seidel. Da die Amphibien auf den alten Bildern bereits ausgewachsen waren, müssen sie wenigstens 21 Jahre, wahrscheinlich aber noch älter sein, ist der Forscher überzeugt.

Spießrutenlauf durch Verkehr

Seidels Beobachtungen gelangen ihm abseits von stark befahrenen Straßen. "In vielen Gebieten mit viel Verkehr haben die Tiere gar keine Chance mehr, so alt zu werden", bemängelte Seidel. Der jährliche Spießrutenlauf hin und zurück zu den Laichgewässern fordert Blutzoll. Die Chance, dass eine Unke dies 42 Mal - also 21 Jahre - heil übersteht, ist denkbar gering.

Schnellfahrende Autos und Züge gefährden die Tiere nämlich nicht nur durch die Räder. Oft reicht es, wenn ein Frosch oder eine Kröte durch den Fahrtwind in die Höhe geschleudert wird, dass das Tier tödlich verletzt wird. Seidel weiß von Untersuchungen, die über Funde von am Boden von Zügen klebenden Laichschnüren von Amphibien berichten. Die Tiere werden durch den Fahrtwind offenbar gegen die Fahrzeuge geschleudert und zerplatzen effektiv.

Todesfalle Kanäle

Einer anderen Gefahr für die Amphibien möchte der Zoologe mit einer eigenen, patentierten Erfindung begegnen. So hat Seidl festgestellt, dass Frösche und Kröten häufig in Kanäle stürzen und dort verenden. "Ein einfacher Einsatz, den ich eigentlich gegen Gelsenplagen aus den Kanälen entwickelt habe, verhindert dies", so der Forscher. Der Einsatz hat sich etwa im nördlichen Tullnerfeld bei Stockerau bewährt, wo teilweise Sicherschächte das Regenwasser aufnehmen. (APA)

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