SARS bedroht Versorgung der IT-Industrie

3. April 2003, 15:08
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Krankheit verzögert Einführung neuer Technologien

Nach einer Untersuchung der Aberdeen Group könnte der Ausbruch der Lungenkrankheit SARS auch den Nachschub an wichtigen elektronischen Komponenten für die Halbleiterindustrie beeinträchtigen. Als erstes wird sich nach der Einschätzung des Marktforschungsinstituts die Einführung von neuen Technologien und Produkten verzögern, da viele wichtige Entwickler-Treffen wie zum Beispiel ein geplantes Treffen von Intel in der Region abgesagt werden oder Experten nicht zu den Produktionsstätten der Partnerunternehmen reisen können oder wollen.

"Eine hypothetische Quarantäne Chinas wäre der nukleare Winter"

Sollte sich die Krankheit noch weiter ausbreiten, fürchtet das Marktforschungsinstitut, dass die Versorgung mit Schlüsselelementen auch Produzenten außerhalb Chinas betreffen könnte. "Eine hypothetische Quarantäne Chinas wäre der nukleare Winter für die IT-Industrie", heißt es in dem Report von Russ Craig und Peter Kastner. Die Forscher gehen nicht davon aus, dass dieser Fall eintritt. Allerdings könnten Verzögerungen im Flugverkehr wegen Gesundheitsüberprüfungen die Just-in-Time-Produktion vieler Hardware-Hersteller weltweit durcheinander bringen. In der Region werden 37 aller weltweit produzierten Halbleiter verbaut. Daneben ist der ferne Osten die Hauptquelle für billige Notebooks, Desktop PCs und billigen Netzwerk-Komponenten. Aber auch viele Schlüsselelemente wie Netzteile stammen zum überwiegenden Teil aus China. "Ein Notebook kann überall zusammengebaut werden, allerdings nicht ohne Stromversorgung", so Craig und Kastner.

Abhängig von Zulieferern

Viele japanische, europäische und US-Hardware-Produzenten sind inzwischen abhängig von Zulieferern oder eigenen Produktionsstätten im Fernen Osten. Neben Intel leiden unter anderem NEC, Philips und Infineon unter SARS. Besonders schwer betroffen von den Folgen der Krankheit sind Unternehmen mit Partnern in der Volksrepublik China und Hongkong. Aber auch die IT-Industrie in Taiwan, Vietnam und Singapur leidet. Langfristig bedeutet SARS eine ernste wirtschaftliche Herausforderung für China.

Standortwechsel

Die viel kritisierte Informationspolitik der chinesischen Behörden im Handling der Krise könnte dazu führen, dass sich in Zukunft Unternehmen nach anderen Standorten für ihre Produktionsstätten umsehen werden. "China hat seinen Glanz verloren", urteilen die beiden Studienautoren. Allerdings sehen sie vor allem westliche Unternehmen von der Krise betroffen. Viele japanische und koreanische Unternehmen, die ihre Produktionsstätten noch nicht nach China verlagert haben, verfügen dagegen jetzt über eine sichere Supply-Chain.(pte)

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