Ex-EMTS-Vorständen drohen Haftstrafen

3. April 2003, 22:08
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KPMG-Prüfbericht bestätigt Umsatzmanipulationen - Firmenkäufe angeblich ohne Genehmigung des Aufsichtsrats

Wien - Den Ex-Vorständen des durch Vorwürfe über Bilanzmanipulation und die Vertragskündigung durch Nokia arg in Bedrängnis geratenen börsenotierten Salzburger Handy-Dienstleisters EMTS Technologie, Franz Guggenberger, Marcel Eichmann und Christian Roitinger, drohen wegen Scheingeschäften und Umsatzmanipulationen Haftstrafen, berichtet das Nachrichtenmagazin "Format" in seiner morgen, Freitag, erscheinenden Ausgabe.

Die Umsatzmanipulationen seien von Ex-EMTS-Vorstand Marcel Eichmann persönlich angeordnet worden, das gehe aus dem 66-seitigen "Bericht über die Sonderprüfung der EMTS Technologie AG, Elsbethen" von der Wirtschaftsprüfungskanzlei KPMG Alpen-Treuhand hervor, schreibt das Nachrichtenmagazin. Der auf Anordnung vom neuen EMTS-Vorstand Christian Rosner erstellte Prüfbericht enthalte neben E-Mails, Mitarbeiterinterviews, Aufsichtsratsprotokollen, Vorstandsverträgen und Kontoauszügen auch belastende Tondokumente.

"Konzernumsatz bewusst manipuliert"

"Konzernumsatz und -ergebnis im Jahresabschluss 31. Dezember 2001 waren bewusst manipuliert und das Ergebnis um zumindest 2,3 Mio. Euro zu hoch ausgewiesen", zitiert "Format" aus dem Bericht. Die ehemaligen EMTS-Vorstände hätten die Bilanzen demnach via Scheinrechnungen manipulieren lassen und etwa Rechnungen, denen keine Leistungen gegenüberstanden, ertragswirksam verbucht, heißt es im Bericht. Nach Bekanntgabe der Quartalsergebnisse seien die Rechnungen dann wieder storniert worden.

Auf Basis falscher Umsätze habe der ehemalige EMTS-Vorstand eine "erfolgsabhängige Prämie" erhalten, berichtet "Format" weiter. Vorstandschef Guggenberger habe demnach zusätzlich 94.838 Euro kassiert, seine Kollegen Eichmann und Roitinger jeweils 43.603 Euro. Diese Zahlungen seien laut KPMG "zu Unrecht" erfolgt.

Firmenkäufe ohne "wirksame Genehmigungen des Aufsichtsrats"

Weiters seien Firmenkäufe in der Schweiz, Norwegen, Holland und Finnland - Betriebe, die mittlerweile in Konkurs sind - ohne "wirksame Genehmigungen des Aufsichtsrats" erfolgt. Im Falle Norwegens hätten die beiden EMTS-Gründer Guggenberger und Kluppenegger eine Firma verkauft, an der sie mehrheitlich beteiligt gewesen seien. Auch diese Transaktion sei hinter dem Rücken des Aufsichtsrats erfolgt. Kluppenegger habe zudem als EMTS-Großaktionär, er hält 10,34 Prozent an der EMTS, auch persönliches Kapital geschlagen, indem Kluppeneggers Immobilienfirma "saftige Mietverträge" mit der EMTS abgeschlossen habe - laut KPMG ein eindeutiger "Interessenskonflikt".

Neben den monatlichen Leasingkosten in Höhe von 26.153,04 für den Firmenjet "Cessna Citation II" habe bei den KPMG-Prüfern auch die übermäßige Verwendung der Firmenkreditkarte für "Massage, Kosmetikbehandlungen und Theatertickets" sowie der Kauf einer Digitalkamera zum Preis von 2.573,69 Euro für Verwunderung gesorgt, heißt es im Bericht des Nachrichtenmagazins.(APA)

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