"Blaulicht-Funk" Adonis liegt laut Betreiber im Plan

3. April 2003, 14:54
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"1.000-Euro-Story" ist ein Missverständnis - Anfangs höhere Kosten für Innenministerium

Der Errichter und Betreiber des bundesweiten neuen Behördenfunknetzes "Adonis", master-talk, ist zuversichtlich, die geplante Nutzerzahl zu erreichen und dementiert gestiegene Investitions- und Teilnehmerkosten. "Wir sind entgegen Medienberichten nie teurer geworden", erklärte master-talk-Chef Hansjörg Tengg am Donnerstag vor Journalisten in Wien. Auf einzelne Nutzersegmente, wie das Bundesministerium für Inneres (BMI), könnten anfangs dennoch höhere Tarife zukommen.

"Taktisches Geplänkel"

Das kolportierte mangelnde Interesse vieler Organisationen hält Tengg für "taktisches Geplänkel, weil man subventionsgewohnt ist und die öffentliche Hand anreizen will". Bezüglich der "1.000-Euro-Story" - die angeblichen Betriebskosten pro Gerät und Jahr - sei er selber "mit Missverständnissen konfrontiert, nachdem sich dieser Betrag in den Köpfen festgesetzt hat". Der Preis berechne sich nach einer komplizierten Formel und sei je nach Benutzergruppe und Ausbaustufe unterschiedlich. Wenn etwa Feuerwehren, wo voraussichtlich die Länder einen Teil der Kosten übernehmen, mit 360 Euro pro Jahr bemessen würden, müsse irgend jemand mehr bezahlen. Je später also Blaulichtorganisationen in das Projekt einstiegen, desto teurer werde es etwa für das Innenministerium. Das BMI als "Lead-Kunde" zahle zwar zuerst mehr, im Laufe der Zeit aber deutlich weniger. Durchgerechnet über alle Segmente und die Betriebsjahre käme man aber "unter die Benchmark von 1.000 Euro".

"Lobbying- und Marketingschritte"

"Wir werden nun Lobbying- und Marketingschritte setzen, den Rest macht die Zeit", ist sich Tengg sicher. Er sei sehr gelassen, wenn eine Organisation sage, dass sie Adonis nicht brauche: "Bis 2012 wird sie dennoch dabei sein, weil die alten Geräte und Technologien abreifen". Er sei optimistisch, einschließlich der rund 24.500 vom Innen- und dem Verteidigungsministerium verbindlich kontrahierten Teilnehmer bis Ende 2005 mehr als 40.000 und "bis Ende 2012 auch sicher 80.000 Teilnehmer" aus dem Bereich "Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben" (BOS) im Netz zu haben. Aus den Investitionskosten von rund 310 Mio. Euro für Adonis - zusammen mit Finanzierungs- und laufenden Betriebskosten - würden sich durchschnittliche Jahreskosten von rund 75 Mio. Euro, umgelegt auf 15 Vollbetriebsjahre (2006-2020), ergeben.

1.500 Euro pro Gerät und Jahr

Laut Business-Plan sollte der Bund zu dieser Summe 41 Mio. Euro bei 27.500 Nutzern beitragen, wobei davon etwa 4 Mio. Euro für 3.000 Teilnehmer, z.B. aus dem Bereich Zoll, vertraglich nicht abgesichert sind. Rein rechnerisch ergeben sich dadurch Kosten von knapp 1.500 Euro pro Gerät und Jahr. Die BOS im engeren Sinn, also Rettung und Feuerwehr, seien mit 21 Mio. Euro bei 36.000 Nutzern veranschlagt (gut 580 pro Gerät und Jahr) und 13 Mio. Euro für rund 40.000 Teilnehmer (325 Euro pro Benutzer jährlich) soll an privatem Potenzial vorhanden sein.

Private erst ab 2006

Die Erschließung privater Teilnehmer sei erst ab 2006 vorgesehen, mit Ausnahme von Wien und Umgebung, wo master-talk bereits seit längerem tätig ist. "Dann werden wir sehen, ob Frequenzen gekauft und Investitionen getroffen werden. Für die Privaten gelten nicht dieselben Kriterien. Es könnte sein, dass das private Markfenster nicht hinreichend attraktiv ist", so Tengg. Dies habe aber nur marginalen Einfluss auf die Kostenstruktur für die Blaulichtorganisationen.

Gesellschaftsstruktur "wesentlich verbreitert"

Die Gesellschafterstruktur wurde durch den Hinzutritt der Raiffeisen Zentralbank (RZB), des Verbundes sowie nun der Volksbanken-Gruppe "wesentlich verbreitert und damit eine solide Eigenkapitalbasis geschaffen". Gründungsgesellschaften sind Siemens Österreich und Wiener Stadtwerke. Finanzierungsverhandlungen mit einem heimischen Bankenkonsortium unter RZB-Führung stünden kurz vor dem Abschluss, womit die gesamte Investitionsfinanzierung für das Projekt sichergestellt sein werde. Nach der jüngsten Eigentumsveränderung hält Raiffeisen nun 25,1 Prozent an master-talk, der Verbund 10 Prozent, Siemens ebenso wie die Wiener Stadtwerke 26,95 Prozent und die Volksbanken-Gruppe 11 Prozent.

Die "Phase 0"

Nach plankonformem Abschluss der "Phase 0", in der rund 90 Basisstationen aufgebaut wurden, gingen nun die Bezirke Korneuburg, Gänserndorf, Innsbruck-Stadt, Innsbruck-Land, Radkersburg, Leibnitz, Schwechat, Mödling sowie Baden schrittweise ans Netz. In weiteren Schritten werde Adonis (Austrian Digital Operating Network for Integrated Services) Österreich ab 31. März 2005 mit 1.300 Basisstationen flächendeckend versorgen. Adonis soll es Sicherheits- und Blaulichtorganisationen, wie Polizei, Gendarmerie, Rettung, Feuerwehr und Bundesheer, ermöglichen, im Einsatzfall effizienter miteinander zu kommunizieren.(APA)

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