EZB lässt Leitzins wie erwartet unverändert

3. April 2003, 14:07
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Zinssenkung bei Eintrübung der Konjunktur wegen Irak-Krieg erwartet

Rom - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag bei ihrer auswärtigen Sitzung in Rom die Zinsen in der Euro-Zone wie erwartet nicht geändert. An den Finanzmärkten wird jedoch damit gerechnet, dass die Notenbank die Zinsen erneut senken wird, wenn sich die Konjunkturaussichten wegen des Irak-Krieges weiter eintrüben sollten.

Der für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgebliche Schlüsselzins betrage weiterhin 2,50 Prozent, teilte die EZB nach der auswärtigen Ratssitzung in Rom mit. Die EZB begründete die Entscheidung zunächst nicht und verwies wie üblich auf die Pressekonferenz mit EZB-Präsident Wim Duisenberg ab 14.30 Uhr MESZ. Die EZB hatte erst vor vier Wochen die Leitzinsen um 25 Basispunkte reduziert, da sie ihre internen Prognosen für Wachstum und Inflation gesenkt hatte.

Ein Prozent Wachstum erwartet

Inzwischen geht die Zentralbank von nur noch rund einem Prozent Wachstum in der Euro-Zone aus, vorausgesetzt die lähmende Unsicherheit in der Wirtschaft lässt nach und die Konjunktur belebt sich im zweiten Halbjahr. Ein sich über viele Monate hinziehender Irak-Krieg könnte die erwartete leichte Erholung der Konjunktur in der Euro-Zone in diesem Jahr zunichte machen.

Entscheidend sind dabei Ölpreis und Euro-Kurs - ein hoher Ölpreis schmälert Gewinne und Kaufkraft, ein starker Euro dämpft die Exporte. Sollte sich eine solche Entwicklung abzeichnen, hätte die EZB nach Ansicht vieler Analysten Spielraum für niedrigere Zinsen. "So wie die Ratsmitglieder derzeit reden, ist eine Zinssenkung nicht weit weg", sagte Ulrich Kater, Volkswirt von der Dekabank.

Bereit zu handeln

Am ersten Tag des Irak-Krieges hatte die Notenbank erklärt, es sei nicht möglich, dessen Auswirkungen auf die Wirtschaft der Euro-Zone zu beurteilen. Doch wenn notwendig sei sie bereit zu handeln. Analysten gehen davon aus, dass die EZB zunächst mehr Klarheit über die weitere Entwicklung von Konjunktur und Preisen braucht, sich dann aber im Mai oder Juni zu einer weiteren Zinssenkung entschließen wird.

Wie sehr bereits die monatelange sich zuspitzende politische Lage vor Kriegsausbruch die Konjunktur belastet hat, zeigten die jüngsten Frühindikatoren. Im Dienstleistungssektor hat sich der Abwärtstrend beschleunigt, der Reuters-Service-Index für die Euro-Zone sank im März auf 47,7 von 48,9. Der Reuters-Einkaufsmanagerindex für die Industrie rutschte im März unter die 50-Punkte-Marke, die eine expandierende von einer schrumpfenden Geschäftstätigkeit trennt. Das Wirtschaftsklima verschlechterte sich auf das tiefste Niveau seit sechs Jahren.

Auch den Zinskorridor für den Geldmarkt ließ die Zentralbank unverändert. Die Sätze betragen weiterhin 1,50 Prozent für Übernachteinlagen der Banken bei der EZB und 3,50 Prozent für Übernachtkredite.(APA/Reuters)

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