Und dennoch wird gelacht

4. April 2003, 09:50
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Harald Schmidt war einer der ersten, die sich satirisch zum Irak-Krieg äußerten - Thoma: "Niemand kann Zwangstrauer ertragen"

Im Irak tobt der Krieg, und dennoch wird gelacht: Komiker wie Harald Schmidt und Stefan Raab unterhalten das Publikum mit Witzen über die Krieg führenden Präsidenten Saddam Hussein und George W. Bush.

Chance

"Humor ist eine Chance, mit dem inneren Konflikt umzugehen", sagt Politikwissenschaftler Dietmar Herz von der Universität Erfurt. Die Deutschen seien Amerika verbunden, stünden aber auch zur Anti-Kriegs-Haltung der Bundesregierung. Humor sei eine Möglichkeit, diese Differenzen zu überbrücken. Anders als im Golfkrieg 1991, als viele Fernsehsender ihr Programm änderten und sogar der Karneval ausfiel, zeigten die Menschen heute eine starke Distanz zum Irak-Krieg.

"Zwangstrauer"

Der frühere Chef des Fernsehsendes RTL, Helmut Thoma, ergänzt, der Schock über den Golfkrieg von 1991 habe tiefer gesessen als der über den laufenden Konflikt. "Niemand kann Zwangstrauer mehr ertragen." So sagte auch "Wetten dass?"-Moderator Thomas Gottschalk seine Show zwei Tage nach Kriegsbeginn nicht ab. "Gute Laune hat den Zustand der Welt noch nie verschlechtert", begründete er seine Entscheidung.

"Altes Europa"

Schmidt war einer der ersten, die sich satirisch zum Irak-Krieg äußerten. "Der Irak leistet Widerstand, aber wie Donald Rumsfeld sagt, es ist nur der alte Irak", witzelte er über den US-Verteidigungsminister, der Deutschland und Frankreich wegen ihrer Anti-Kriegs-Haltung als "altes Europa" bezeichnet hatte. Die RTL-Kriegs-Reporterin Antonia Rados wurde von Schmidt ausgezeichnet. Als "Liebling des Monats" hat sie einen Platz am Schreibtisch des Showmasters, weil ihr Haar den irakischen Stürmen trotzte und nicht durcheinander geriet: "Antonia Rados - das ist für mich: Bagdad 10.30 Uhr, die Frisur sitzt."

Witze in den USA

In den USA bekommen selbst die britischen Kriegs-Verbündeten und ihre angeblich schlechte Küche ihr Fett ab. "Amerikanische und britische Truppen haben Lebensmittel an Hunderte Iraker verteilt. Nicht überraschend: Die Iraker gaben das britische Essen wieder zurück", lästert US-Komiker Conan O'Brien. Ein anderer scherzt: "In diesem Krieg geht es nicht um Öl, sondern um Benzin. Fünf Gründe, den Irak anzugreifen sind: Shell, Exxon, Mobil, Texaco und BP."

"Iswestija" mit fiktivem Interview

Und die russische Zeitung "Iswestija" ließ den US-Präsidenten in einem fiktiven Interview auf die Frage, "Herr Bush, haben Sie Beweise, dass der Irak Massenvernichtungswaffen besitzt?" antworten: "Ja, wir haben die Quittungen."

Flugblätter

Auch Komiker im neutralen Schweden können sich nicht zurückhalten: "Der Text auf den Flugblättern, die über dem Irak abgeworfen wurden, lautet: 'McDonald's öffnet bald in Bagdad!, Hände hoch!' und 'Sammelt vier von diesen (Flugblättern) und ihr erhaltet kostenlos eine Coke, sobald wir die Bombardierung beendet haben'." (APA/Reuters/red)

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    Entertainer Schmidt macht sich über US-Präsident Bush lustig: "Bush muss den Krieg selbst zu Ende führen. Er hat keinen Sohn, der das für ihn machen könnte", sagt er mit Blick auf Bush senior, der als US-Präsident schon 1991 Krieg gegen Saddam geführt hatte.

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    Raab fragt in seiner Sendung "TV Total": "Nach den Amerikanern, Engländern und Australiern sind auch die ersten Polen in den Irak vorgedrungen. Was machen die da? - Bei den Panzern Räder abmontieren?"

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    Conan O'Brien: "Fünf Gründe, den Irak anzugreifen sind: Shell, Exxon, Mobil, Texaco und BP."

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