Schiitische Opposition ruft Iraker auf, nicht zu kämpfen

3. April 2003, 16:04
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Weder mit noch gegen Saddam

Kairo - Der Vorsitzende der wichtigsten schiitischen Oppositionsgruppe des Iraks, Ayatollah Mohammed Bakr el Hakim, hat seine Landsleute aufgerufen, weder mit noch gegen Saddam Husseins Truppen zu kämpfen. "Die Iraker stehen nun zwischen Saddam Husseins Truppen und den Besatzungstruppen. Deshalb fordere ich alle Iraker auf, sich nicht am Kampfgeschehen zu beteiligen. Sie sollen sich keiner Seite anschließen, weder den Truppen Saddams, noch den von den USA angeführten Einheiten", sagte der Führer des Hohen Rats für die Islamische Revolution im Irak (SCIRI) in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der ägyptischen Zeitung "Al-Ahram Weekly".

Die Schiiten im Südirak haben sich seiner Meinung nach bisher nicht gegen das Regime erhoben, weil sie die Vereinigten Staaten nicht als Befreier ansehen, sondern eher als Besatzungsmacht. Alle Berichte über einen angeblichen Aufstand in Basra seien falsch. In anderen südirakischen Städten habe es sporadischen Widerstand gegen die Staatsmacht gegeben, dieser sei aber unterdrückt worden.

El Hakim warnte Washington eindringlich vor der Einsetzung einer amerikanischen Militärregierung nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein. "Wir haben den Eindruck, dass es den USA in diesem Krieg darum geht, die Kontrolle über den Irak zu gewinnen. Sie (die Iraker) müssen sich gegen diese Hegemoniebestrebungen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zur Wehr setzen."

Er forderte die arabischen Staaten und die Europäische Union auf, die USA politisch unter Druck zu setzen, um durch Vermittlung der Vereinten Nationen einen Waffenstillstand zu erreichen, der mit dem Rücktritt Saddam Husseins und dem Abzug der alliierten Truppen verbunden wäre. Der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte die Führung des Iran, wo der schiitische Rat seinen Hauptsitz hat, davor gewarnt, Kämpfern der Badr-Brigade, des militärischen Arms des Rats, den Grenzübertritt in den Irak zu erlauben. Die Kämpfer der schiitischen Opposition stellten eine "potenzielle Bedrohung" für die alliierten Truppen dar, erklärte Rumsfeld.

Ayatollah Mohammed Bakr el Hakim hat mehrere Jahre in irakischen Gefängnissen verbracht, wo er gefoltert wurde. Der schiitische Geistliche ist nach Einschätzung arabischer Beobachter neben den Kurdenführern Dschalal Talabani und Massud Barsani der Oppositionsführer mit den meisten Anhängern im Irak. (APA/dpa)

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