956 Verkehrstote im Vorjahr: Alkoholunfälle stark gestiegen

3. April 2003, 21:46
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Zwei Tote weniger als 2001 - 90 Prozent der alkoholisierten Lenker waren Männer

Wien - Im Vorjahr starben auf Österreichs Straßen 956 Menschen, um zwei weniger als 2001. Erschreckendstes Detail der am Donnerstag präsentierten Bilanz: Die Zahl von Verkehrstoten bei Alkounfällen ist in einem Jahr um ein Drittel auf 92 gestiegen. Alkoholunfälle nahmen generell um sieben Prozent auf 2736 zu, ein derartig hoher Wert wurde das letzte Mal vor der Einführung der 0,5-Promille-Grenze im Jahr 1997 erzielt.

Absenkung von 0,8 auf 0,5 Promille

Hat die Absenkung von 0,8 auf 0,5 Promille also nichts gebracht? Innenminister Strasser (VP) sieht das nicht so, immerhin sei der Trend bei Alkounfällen in den Jahren zuvor rückläufig gewesen. "Jetzt scheint aber leider ein Gewöhnungseffekt eingetreten zu sein", so Strasser. Gegenmaßnahme: keine strengeren Strafen, aber mehr Kontrollen - im Vorjahr mussten nach 135.000 Alkotests 26.375 Lenker ihre Führerscheine abgeben. Zur möglichst frühzeitigen Bewusstseinsbildung will Infrastrukturminister Hubert Gorbach (FP) Schüler zu Unfallopfern in Rehabzentren schicken: "Sie sollen sehen, was Autofahren im Rausch anrichten kann."

Mehr Todesopfer nach Lkw-Unfällen

Deutlich zugenommen hat auch die Zahl der Todesopfer nach Lkw-Unfällen: 147 (plus 23 Prozent). Auf Autobahnen verursachen Lkw bereits ein Drittel aller tödlichen Unfälle. Auch dort will Strasser den "Kontrolldruck" erhöhen. Gorbach plädiert für die digitale Auswertung der Tachoscheibe, ein Pilotprojekt laufe derzeit in Vorarlberg.

Eine besonders gefährdete Risikogruppe sind Fußgänger: 160 Tote bedeuten eine Zunahme von 43 Prozent, die Hälfte davon waren Senioren. Fast in allen Fällen wurden die Fußgänger im Ortsgebiet von Autos niedergefahren.

Unfälle

Auf gleichbleibend hohem Niveau blieb die Zahl von Unfällen (43.175) insgesamt. 56.684 Verletzte bedeuten eine leichten Anstieg um 0,7 Prozent. "Das entspricht der Einwohnerzahl von Wels", führte Otmar Thann vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) die Dimension vor Augen. Im Gegensatz zu den Ministern kann Thann einer Strafverschärfung etwas abgewinnen. Österreich sei in Bezug auf Verkehrsstrafen ohnehin das drittgünstigste Land Europas. (simo, DER STANDARD Printausgabe 4.4.2003)

956 Verkehrstote im Vorjahr bedeuten den geringsten Blutzoll auf Österreichs Straßen seit den 60er-Jahren. Enorm zugenommen haben aber tödliche Unfälle, die von Alkolenkern und Lkw-Fahrern verursacht wurden.

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Statistik Austria

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    Grafik: Verkehrsunfälle 2001 und 2002 (zum Vergrößern anklicken)

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