Alle Metros stehen still...

3. April 2003, 16:15
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Streik bringt öffentlichen Nahverkehr in Paris nahezu zum Erliegen - Berufspendler wechselten auf Fahrräder oder Roller-Blades

Paris - Massive Streiks haben am Donnerstag in Paris den öffentlichen Nahverkehr nahezu lahm gelegt und auch fast 80 Prozent des französischen Luftverkehrs zum Erliegen gebracht. Beschäftigte des öffentlichen Sektors protestierten damit gegen die Pläne der konservativen Regierung zur Reform des Rentensystems.

Die Züge der Pariser Metro - das wohl wichtigste Fortbewegungsmittel in der Millionenstadt - fielen fast vollständig aus. Wenn ein Zug fuhr, dann mit stundenlanger Verspätung. Regionalzüge und die Stadtbahn fuhren vereinzelt. Air France strich nach eigenen Angaben 55 Prozent ihrer Inlandsflüge sowie europäische Routen. Fast 80 Prozent des gesamten französischen Luftverkehrs kam nach Behördenangaben zum Erliegen.

Berufspendler wechselten kurzerhand auf Fahrräder oder griffen zu Roller-Blades, um zur Arbeit zu kommen. Die Bürgersteige der Metropole, in die täglich mehrere Millionen Menschen zur Arbeit pendeln, waren dicht bevölkert von Menschen, die sich zu Fuß auf den Weg machten.

Die Langstrecken-Flüge von Air France sowie die Verbindungen des europäischen Schnellzugs Eurostar zwischen Paris, Brüssel und London waren von den Streiks nicht beeinträchtigt. Der Betrieb des französischen Hochgeschwindigkeitszugs TGV allerdings wurde stark getroffen. Auf einigen Routen fiel jeder zweiter TVG-Zug aus.

Nach Angaben der Gewerkschaften sollten sich im Tagesverlauf auch Lehrer sowie Beschäftigte des privaten Sektors den Streiks anschließen. Hintergrund der Protestaktionen sind die bereits seit längerem angekündigten Reformpläne der Mitte-Rechts-Regierung.

Nach den Vorstellungen von Ministerpräsident Jean-Pierre Raffarin sollen Angestellte des öffentlichen Sektors künftig wie ihre Kollegen in der Privatwirtschaft 40 Jahre lang in die Rentenkassen einzahlen und nicht wie bislang 37,5 Jahre. Gewerkschaften fürchten, dass diese Pläne nur der erste Schritt in Richtung weiterer Belastungen für die Arbeitnehmer sind und auch das Rentenalter von derzeit 60 Jahren heraufgesetzt werden soll.(APA/Reuters)

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    Premierminister Jean-Pierre Raffarin.

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    "Bitte Warten" hieß es heute für die Bewohner von Paris. Ein Streik legte den öffentlichen Verkehr lahm.

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