Krieg ist nur zu einem gut: nichts

3. April 2003, 17:58
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Soulsänger Edwin Starr, 1942-2003

Nottingham - Manches Mal reicht ein einziger Hit, um den Status einer Legende zu begründen. Für den 1942 in Nashville, Tennessee, geborenen Charles Hatcher alias Edwin Starr reichte ein bis dato unter anderem von Bruce Springsteen oder Frankie Goes To Hollywood gecoverter Song aus dem Jahr 1970 aus, um ihn unsterblich in die Geschichte des Soul einzuzementieren. Mit seinem Refrain zählt er heute zu den singulären Ereignissen in der Szene: "War, what is it good for?! Absolutely nothing - say it again ...!"

1957, nach seinen Anfängen bei der Doo-Wop-Gruppe The Future Tones und drei Jahren in der US-Army, kam der "Agent Double-O-Soul" über Cleveland nach Detroit, wo er bis 1975 für das Label Motown veröffentlichte. Höhepunkt unter anderem: das 1969 erschienene 25 Miles. Gemeinsam mit seinem Songwriting-Partner Norman Whitfield und dank einer guttural-gepressten, ungemein aggressiven Stimme brachte er die Single War damals wochenlang auch auf den ersten Platz der US-Pop-Charts.

Die vor allem auch für den weißen Markt interessante Mischung aus hartem Soul und psychedelischen Elementen, ursprünglich geplant als Beitrag für das Psychedelic Shack-Album von The Temptations, wurde am Höhepunkt des Vietnamkriegs zu einem bis heute gültigen Statement, das es in der englischsprachigen Welt zum geflügelten Wort brachte.

Nach der anschließenden Single Stop The War Now und den zunehmend dem harten Funk eines James Brown verpflichteten Arbeiten Funky Music Sho' Nuff Turns Me On oder dem Soundtrack zum Blaxploitation-Film Hell Up In Harlem verließ er Motown und landete Ende der 70er-Jahre Disco-Hits wie Contact.

In den 80er-Jahren übersiedelte Edwin Starr nach Großbritannien, wo er bis zuletzt mit Alben wie Agent 00 Soul und energetischen Liveshows für Furore sorgte.

Am Mittwoch ist Edwin Starr in Nottingham einem Herzinfarkt erlegen. (DER STANDARD, Printausgabe, 4.4.2003)

Von
Christian Schachinger

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