Die Reise zum Mars

6. April 2003, 14:18
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Countdown der europäischen Mission "Mars Express" - Kommerzialisierung der Raumfahrt schreitet voran

Paris - Der Countdown zur ersten Landung eines europäischen Raumschiffs auf einem fremden Planeten läuft. Am 6. Juni soll der "Mars Express" mit einer russischen Sojus-Rakete von Baikonur aus auf seine halbjährige Reise zum Roten Planeten geschickt werden. Ziel der 320-Millionen-Euro-Mission ist die "Suche nach Wasser und Leben", wie Projektleiter Rudi Schmidt von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA erläutert.

Die Vorbereitungen für den Start liefen gut, berichtet Schmidt nach seiner Rückkehr aus Kasachstan. Geht weiter alles nach Plan, werden die Wissenschafter den Mars ab dem Jahreswechsel aus einer Umlaufbahn mit High-Tech-Geräten und auf der unwirtlichen Oberfläche des erdnächsten Planeten mit einem Roboter untersuchen. Der nur 65 Kilo schwere "Beagle 2", der von zwei Fallschirmen gebremst und von drei Airbags abgefedert landen soll, kann mit einem Spezialbohrer Bodenproben aus einem Meter Tiefe nehmen.

Komposition

Seine Daten wird eine britische Sonde mit einer besonderen Kennung an die Erde senden. Die Britpopgruppe Blur komponierte ein Signal, dass auf einer mathematischen Reihe basiert und die Titelmusik der Sci-Fi-Fernsehserie "Dr. Who" aufnimmt. "In seiner digitalisierten Form erinnert das aus neun Tönen bestehende Blur-Signal allerdings eher an einen Handy-Klingelton", warnt die ESA vor übertriebenen musikalischen Erwartungen.

Dieser Schnickschnack verschaffte der Mars-Mission ebenso Aufmerksamkeit wie die Zusammenarbeit mit dem Sportwagenhersteller Ferrari, der seine rote Markenfarbe zum roten Planeten schicken darf - die Kommerzialisierung der Raumfahrt schreitet voran. Zusätzliches Geld kann in Zeiten knapper Kassen gut gebraucht werden.

Marsstürme

Schmidt hofft, dass der "Beagle" zwei Monate den zwischen minus 20 und minus 100 Grad schwankenden Temperaturen trotzt. "Ein großes Problem sind auch die Marsstürme, die feinen Sand auf die Sonnensegel absetzen und die Stromproduktion beeinträchtigen."

Mindestens zwei Erdjahre oder ein Marsjahr lang soll der "Mars Express" in einer Umlaufbahn funktionieren. Ein Spezialradar könne bis in vier Kilometer Tiefe die dort vermuteten Wassereisvorkommen orten, erläutert Schmidt. Ein Spektrometer sucht nach Mineralien, deren Vorkommen auf Wasser hindeutet. Und von einer im DLR-Institut Berlin-Adlerhof gebauten Kamera erhofft sich der Projektleiter "fantastische, farbige Stereo-Bilder mit einer Auflösung von einigen Metern. Damit können wir eine Landkarte des Mars erstellen."

US-Mission

Im Mars-Orbit wird es damit eng. Neben der europäischen Sonde, die vom ESOC-Satellitenkontrollzentrum in Darmstadt gesteuert wird, kreisen bereits die amerikanische Mars-Odyssey und ab Jänner eine japanische Sonde um den Roten Planeten, der der Erde in diesem Jahr besonders nahe kommt. Die NASA schickt zusätzlich zwei Mars-Rover-Roboter auf die Oberfläche. "Die Missionen sind gut abgestimmt, sowohl technisch als auch inhaltlich", unterstreicht Schmidt.

Die Wissenschafter erhoffen sich Aufschluss über die Frage, ob die einst offenbar gewaltigen Wassermengen des Roten Planeten in riesigen Eisfeldern unter die Oberfläche gebunden sind. Gab es einst Leben auf dem Roten Planeten? "Und warum haben die ähnlichen Planeten Venus, Erde und Mars unterschiedliche Entwicklungen genommen? Warum hat Mars seine Atmosphäre verloren?", fragt Schmidt: "Die Antworten lassen vielleicht Rückschlüsse auf das Schicksal unserer Erde zu." (APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der "Beagle" löst sich vom "Mars Express" - wenn alles glatt geht.

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